Zahl der Infizierten steigt weiter

Coronavirus-Ausbruch bei Wiesenhof in Bayern - Kritik an Regierung: SPD-Frau wagt makaberen Vergleich

  • Dominik Göttler
    vonDominik Göttler
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Das Coronavirus ist an bayerischen Schlachthöfen angekommen. Bei Wiesenhof in Bogen läuft eine Reihentestung. Nun wird Kritik an der Regierung laut.

  • Das Coronavirus* ist auch an bayerischen Schlachthöfen angekommen.
  • Beim Wiesenhof-Betrieb in Bogen gibt es eine Reihentestung.
  • Eine SPD-Frau kritisierte die Regierung und wagte einen makaberen Vergleich (Update vom 18. Mai)
  • Hier finden Sie die grundlegenden Fakten zum Coronavirus und die Corona-News aus Bayern. Außerdem bieten wir Ihnen in einer Karte die aktuellen Fallzahlen in Bayern*. Derzeit gibt es die folgenden Empfehlungen zu Corona-Schutzmaßnahmen.

Update vom 20. Mai: Die Zahl der mit dem Coronavirus infizierten Menschen rund um einen Schlachthof in Bogen ist auf 88 gestiegen. 3 von 82 Nachtests infolge einer Reihenuntersuchung seien positiv gewesen, teilte das Landratsamt Straubing-Bogen am Mittwoch mit. Zudem seien bei zwei bisher negativ getesteten Personen mittlerweile Symptome aufgetreten. Bei ihnen ist eine Infektion mit Sars-CoV-2 den Angaben nach nun bestätigt. Alle fünf wohnen im Landkreis.

Bei 18 Mitarbeitern des Betriebs war das Virus nachgewiesen worden. Daraufhin hatten die Behörden eine Reihenuntersuchung aller rund 1000 Mitarbeiter angeordnet. Der Betrieb in der Firma läuft weiter.

Was aus Schlachthöfen so alles transportiert wird, bekamen THW-Kräfte in Freising zu spüren. Sie mussten auf der A9 bei Allershausen einen Lkw umladen - der verwesende Tierhäute geladen hatte.

Coronavirus-Ausbruch bei Wiesenhof in Bayern - Kritik an Regierung: SPD-Frau wagt makaberen Vergleich

Update vom 18. Mai: Nach einer Häufung von Corona-Infektionen unter Schlachterei-Mitarbeitern im Raum Straubing hat die bayerische SPD schwere Vorwürfe gegen die Landesregierung erhoben. Die Staatsregierung räume zwar in einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage von SPD-Landtagsabgeordneten ein, dass die Unterbringung von Schlachthof-Arbeitern in Gemeinschaftsunterkünften das Risiko einer Ansteckung erhöhe. Sie tue aber nichts zur Abhilfe, bemängelten die niederbayerische SPD-Abgeordnete Ruth Müller und der Münchner SPD-Verbraucherschützer Florian von Brunn am Montag.

In der Regierungsantwort auf die Anfrage heißt es: „Hinweise auf besondere Auffälligkeiten oder unhaltbare Arbeitsbedingungen in den angefragten Branchen ergaben sich bislang nicht.“ Die Regierung wolle nur zusätzliche Tests durchführen. „Das kommt mir vor wie ein Baustellenbetreiber, der, statt die Baugrube abzusichern, nur zählt, wie viele Menschen hineingestürzt sind“, kommentierte Müller. „Das Ministerium weigert sich, die Bekämpfung der Corona-Hotspots in Schlachthöfen zentral in die Hand zu nehmen“, erklärte die SPD-Politikerin mit Blick auf das von Melanie Huml (CSU) geführte Gesundheitsministerium.

Die SPD-Politiker forderten das Gesundheitsministerium auf, die Gesamtverantwortung in der Corona-Krise zu übernehmen und nicht mehr die Verantwortung an untergeordnete Behörden abzugeben. Zudem müssten Schlachthof-Mitarbeiter ordentliche Arbeitsverträge bekommen, nicht mehr nur Werkverträge. Unabhängige Inspektoren sollten in den Schlachthöfen nach dem Rechten sehen.

Für Bayern werden weitere Corona-Lockerungen verkündet. Das sickerte nach Beratungen bereits durch. Hubert Aiwanger sorgte derweil für Unmut - auch bei Markus Söder.

Coronavirus bei Wiesenhof: Unternehmen bezieht Stellung

Update vom 15. Mai, 14.50 Uhr:Nach Bekanntwerden des weitreichenden Corona-Ausbruchs bei einem Geflügelschlachthof der Firma Wiesenhof, hat nun auch die Geschäftsführung des bekannten Unternehmens Stellung bezogen. 

Geschäftsführer Jürgen Loibl sagte laut Mitteilung: „Als systemrelevantes Unternehmen haben wir drei elementare Aufgaben hier in unserem Betrieb sicherzustellen: Den bestmöglichen Schutz aller unserer Beschäftigten, die Sicherstellung des Tierschutzes und die Versorgungssicherheit der Bevölkerung mit frischem Geflügelfleisch.“ Er kündigte weitere freiwillige Tests an.

Corona-Tests in Straubing: Sicherheit der Bevölkerung „oberste Priorität“

Bislang gelten mindestens 77 Mitarbeiter des Schlachthofs als Corona-Positiv. Es stehen aber noch einige Tests aus. Landrat Josef Laumer (CSU) sagte in einem Interview, die Infektionsausbreitung zu verhindern, habe nun oberste Priorität. Auch Straubings Oberbürgermeister Markus Pannermayr (CSU) ist dieser Ansicht. Sollten binnen sieben Tagen mehr als 50 Corona-Neuinfektionen je 100.000 Einwohner bestätigt werden, könnten im Landkreis Straubing-Bogen die Anti-Corona-Maßnahmen wieder verschärft werden. Das gilt es nun zu verhindern.

Corona-Ausbruch bei Wiesenhof in Bayern: 77 Mitarbeiter in Quarantäne

Update von 14.23 Uhr: Bei einer großangelegten Corona-Testung an einem Schlachthof im Landkreis Straubing-Bogen ist das neuartige Virus bei 59 Menschen festgestellt worden. Insgesamt sind nach aktuellem Stand damit 77 Mitarbeiter infiziert. Gemeinschaftsunterkünfte, in denen betroffene Mitarbeiter leben, werden nach Angaben des Landratsamts unter Quarantäne gestellt. Infizierte, die dort nicht isoliert werden können, würden in eine zentrale Unterkunft gebracht. „Dort überwacht auch ein Sicherheitsdienst die Quarantäne.“ Dolmetscher seien dabei.

Bei 18 Beschäftigten der Donautal-Geflügelspezialitäten in Bogen war das Coronavirus Sars-CoV-2 nachgewiesen worden. Daraufhin hatten die Behörden eine Reihenuntersuchung aller Mitarbeiter angeordnet. Die dafür nötigen Abstriche wurden am Dienstag und Mittwoch genommen. 

Bei der Firma, die zum Wiesenhof-Konzern gehört, arbeiten laut der Behörde 1021 Mitarbeiter, darunter 525 Werkvertragsbeschäftigte. Von Wiesenhof gab es am Freitag zunächst keine Stellungnahme.

Ein Spargelhof in Inchenhofen ist zum Corona-Hotspot geworden. 96 Mitarbeiter, davon 95 Erntehelfer, wurden positiv auf das Virus getestet.

Corona-Ausbruch bei Wiesenhof in Bayern - „Das zweite große Versagen nach den

Erstmeldung vom 15. Mai, 12 Uhr

Bogen (Landkreis Straubing-Bogen) – Seit Dienstag läuft auf einem Geflügelschlachthof in Bogen die sogenannte Reihentestung. An vier Teststationen werden die knapp 1000 Mitarbeiter des Wiesenhof-Betriebs nach und nach auf das Coronavirus getestet. Nach dpa-Informationen wurde bei 59 Menschen das Virus festgestellt, weitere 150 Tests stehen noch aus. Nach mehreren Betrieben in Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg hat das Virus damit auch die bayerischen Schlachthöfe erreicht.

Coronavirus bei Wiesenhof in Bayern: Warum sind Schlachthöfe ein Infektionsherd?

Aber warum sind gerade Schlachthöfe ein Infektionsherd, der, wie das Robert-Koch-Institut am Dienstag mitteilte, sogar die Reproduktionszahl anschwellen lässt? „Es liegt in der Regel nicht an den Arbeitsplätzen der Schlachter“, sagt Mustafa Öz von der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten in Bayern (NGG). „Am Schlachtband herrschen hohe Hygienestandards, es kann nicht viel passieren.“ Vielmehr sei das Arbeitssystem der Großschlachtereien das Problem. „Die großen Schlachthofketten wie Tönnies, Vion oder Westfleisch haben viele ihrer Kerntätigkeiten über Werkverträge an Subunternehmen vergeben“, sagt Öz. Schlachten und Zerteilen, das übernehmen häufig Arbeitskräfte aus dem Ausland. 

„In den großen Schlachthöfen sind teilweise 60 bis 80 Prozent der Mitarbeiter Werkvertragsnehmer.“ Diese Arbeiter aus Bulgarien, Polen oder Rumänien würden von den Subunternehmen in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht. „Und da liegt einiges im Argen – nicht nur bei der Arbeitszeiterfassung, sondern auch bei der Hygiene in den Unterkünften und den sanitären Anlagen dort“, sagt Öz. Dabei empfiehlt das Bundesarbeitsministerium für Sammelunterkünfte in Corona-Zeiten etwa grundsätzlich eine Einzelbelegung von Schlafräumen. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) kündigte gestern im Bundestag strengere Vorschriften an und sagte: „Wir werden aufräumen mit diesen Verhältnissen.“

99,4 Prozent der Coronaviren werden mit kurzwelliger UVC-Strahlung abgetötet. Das haben Versuche ergeben, die das Gräfelfinger Unternehmen Dr. Hönle AG durchführen ließ.*

Coronavirus in an bayerischen Schlachthöfen: Schutz- und Hygienekonzepte laut Landratsamt vorhanden 

In Oberbayern variiert die Größe der Schlachthöfe stark. So arbeiten etwa in Fürstenfeldbruck nur zwei Mitarbeiter aus Osteuropa im Schlachthof, erklärt Geschäftsführer Engelbert Jais. Und diese Mitarbeiter leben auch nicht in Wohnheimen, sondern wie alle anderen Mitarbeitern mit ihren Familien in Wohnungen. Doch auch in Oberbayern gibt es große Schlachtbetriebe, wie etwa Südfleisch in Waldkraiburg, der vom niederländischen Konzern Vion betrieben wird. Pro Woche werden dort nach Firmenangaben 4200 Rinder geschlachtet und 800 Tonnen Fleisch zerlegt. Das zuständige Landratsamt Mühldorf betont, dass man angesichts der Corona-Lage im engen Austausch mit den Betreibern sei. Schutz- und Hygienekonzepte seien vorhanden. Eine Einschätzung zur Unterbringung der Mitarbeiter sei aber nicht möglich, da die Beschäftigten an Schlachthöfen keiner Meldepflicht unterliegen.

Die Landtags-SPD fordert angesichts des jüngsten Ausbruchs in Niederbayern flächendeckende Covid-19-Tests und ein Sonderkontrollprogramm zur Überprüfung des Arbeits- und Gesundheitsschutzes für Schlachthofmitarbeiter. „Für mich ist das das zweite große Versagen der Staatsregierung in der Corona-Krise nach den Starkbierfesten“, sagt der SPD-Abgeordnete Florian von Brunn. „Wir dürfen nicht riskieren, dass Schlachtbetriebe und große Höfe mit Erntehelfern zu Infektionshotspots werden und ganze Regionen gefährden.“

Corona-Krise: An Pfingsten wird es die Menschen an die Seen und in die Berge ziehen – die Einheimischen in den Ausflugsorten befürchten Blechlawinen und Parkplatznot.

Coronavirus in Bayern: Gesundheitsministerium weist Vorwürfe der SPD zurück

Das bayerische Gesundheitsministerium weist die Vorwürfe der SPD zurück. Der Schutz der Bevölkerung habe oberste Priorität. Deshalb werde das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Kürze mit weiteren Reihentestungen von Mitarbeitern an den bayerischen Schlachthöfen beginnen, so ein Ministeriumssprecher. Stand gestern seien dem Ministerium aber keine weiteren Corona-Fälle in bayerischen Schlachthöfen bekannt gewesen.

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