Das sollten Sie beachten

Corona: Sind Bayerns Badeseen und Freibäder gefährlich? LMU-Professor redet Klartext

  • Andreas Beez
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Der Sommer ist da! Badeseen und Freibäder locken. Die Münchner pilgern wieder in die Parks, an die Isar und zu Liegewiesen rund um die Stadt. Doch können wir trotz Corona gefahrlos schwimmen gehen?

  • Mit großen Schritten aus Corona-Krise: Das ist vielerorts in den Freizeitspots zu beobachten.
  • Doch egal, ob zu Wasser oder an der Luft: Die Ansteckungsgefahr ist nicht zu unterschätzen.
  • Schützt Chlorwasser vor Corona? Professor Dr. Johannes Bogner der LMU München klärt auf. 
  • Mehr zu diesem Thema gibt es in unserer App.

München - Hochbetrieb im Englischen Garten, Partys an der Isar, Andrang auf den Liegewiesen, Badeseen und in den Bergen: Mit den weiteren Lockerungen der Anti-Corona-Schutzmaßnahmen* verhalten sich auch viele Menschen zunehmend risikofreudiger. Aber können wir uns das wirklich leisten? Jetzt hat ein renommierter Münchner Wissenschaftler vor einemtrügerischen Sicherheitsgefühl gewarnt. 

So bestehe beispielsweise an Badeseen oder in Freibädern nach wie vor ein erhöhtes Ansteckungsrisiko, sagte Professor Dr. Johannes Bogner vom Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) unserer Zeitung. Der gebürtige Münchner (60) leitet die Infektionsabteilung*, die er seit 1986 maßgeblich mit aufgebaut hat. Er gehört zu Deutschlands erfahrensten Spezialisten auf diesem medizinischen Fachgebiet.

Corona-Risiko am See und im Freibad? Das sagt der Infektiologe

Die Corona-Gefahr lauere nicht nur auf der Liegewiese, sondern auch im Wasser – und zwar selbst dann, wenn man zwei Meter Abstand zu anderen Schwimmern hält. Der Hintergrund: Die Sars-Cov-2-Viren werden in den meisten Fällen durch mikroskopisch kleine Tröpfchen übertragen, die man Aerosole nennt. 

Bogner: „Wo gebadet wird, da wird Wasser bewegt. Die Aerosolwölkchen, die dabei entstehen, können sich über mehrere Meter ausbreiten und in der Atemluft halten. Insofern ist eine Ansteckung beim Baden durchaus möglich.“

Auch beim Baden ist eine Ansteckung mit Corona möglich. Deshalb sollte man Menschenmassen heuer lieber meiden.

Zudem sei es ein Irrglaube, dass gechlortes Wasser vor einer Corona-Infektion schütze. „Die Chlorkonzentration in öffentlichen Bädern ist keinesfalls ausreichend, um das Virus zu neutralisieren“, erklärt der Infektiologe. „Nach wie vor gilt: Wer sich wirklich effektiv schützen will, der muss Abstand halten und gleichzeitig eine Schutzmaske tragen. Gerade im Wasser ist diese Kombination natürlich kaum umzusetzen. Deshalb rate ich dazu, überfüllte Seen oder volle Bäder weiterhin zu meiden.“

Auch beim Wandern dürfe man die Ansteckungsgefahr nicht unterschätzen. „Selbst wenn es viele Leute als lästig empfinden mögen: Wenn einem auf einem schmalen Steig oder Forstweg jemand begegnet, sollte man eine Maske aufzusetzen“, empfiehlt Bogner.

Urlaubsreisen trotz Corona? Diese Dinge gilt es zu beachten

Von Urlaubsreisen ins Ausland rät der Mediziner allerdings nicht generell ab. „Das Grundprinzip, Abstand zu halten und eine Maske zu tragen, gilt ja in Frankreich, Italien oder Österreich genauso wie bei uns in Deutschland. Entscheidend ist, dass man sich verantwortungsvoll verhält – egal in welchem Land“, findet Bogner. Wer in diesem Sommer unbedingt verreisen will, der solle sich über das Infektionsgeschehen* in der jeweiligen Urlaubsregion informieren. „Regionale Daten helfen dabei, das individuelle Risiko besser einzuschätzen.“ Informationen dazu bietet unter anderem die amerikanische Johns Hopkins University auf ihrer Webseite. Hier kann man sich durch eine Weltkarte bis hinein in einzelne Regionen klicken und Corona-Fallzahlen abrufen.

Professor Dr. Johannes Bogner vom Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU).

Im Kampf gegen Corona sei es ganz entscheidend, dass der sogenannte Reproduktionsindex* weiter deutlich unter einem Wert von 1 liege – das bedeutet, dass ein Infizierter weniger als eine Person ansteckt. Die Folge: „Epidemisch verlaufende Infektionskrankheiten verschwinden mit der Zeit, wenn der Reproduktionsindex dauerhaft unter 1 ist. Das haben Beispiele wie die Vogelgrippe oder die Schweinegrippe sehr schön gezeigt.“

Zugleich warnte der Infektiologe aber davor, solche und andere Influenzaviren mit dem neuartigen Coronavirus* zu vergleichen. „Eine Influenza hat in der Regel eine Inkubationszeit von ein bis zwei Tagen, Covid-19 entwickelt sich dagegen in etwa fünf bis 14 Tagen. Das bedeutet: Es dauert selbst bei einem günstigen Reproduktionsfaktor viel länger, bis die Corona-Pandemie verschwindet.“

Auch das Krankheitsbild von Covid-19* unterscheide sich stark von einer Grippe, betont Bogner: „Das Sars-Cov-2-Virus kann neben der Lunge viele verschiedene Organsysteme schädigen, unter anderem die Blutgefäße mit Thrombosen und Lungenembolien, das Herz bis hin zur Herzmuskelschwäche, den Magen-Darm-Trakt sowie Leber und Nieren.“

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