„Mitarbeiter befinden sich in einer Art Ausnahmezustand“

Corona-Chaos an der Grenze: Österreichs Polizei kontrolliert Reisende - plötzlich kilometerlanger Rückstau

  • Susanne Sasse
    vonSusanne Sasse
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Kurz vor Weihnachten hat es an der Grenze zu Österreich einen 17-Kilometer-Rückstau gegeben, weil dort inzwischen kontrolliert wird. Was das für den Weihnachtsreiseverkehr bedeutet, der noch kommt.

  • Gesundheitskontrollen haben an der Grenzübergängen nach Österreich kurz vor Weihnachten zu Staus geführt.
  • Unter den Reisenden waren zahlreiche Autos mit osteuropäischen Kennzeichen.
  • Das Bayerische Rote Kreuz erklärt, was auf sie bei der Rückkehr nach Deutschland je nach Beruf wartet.

München – Auf der Autobahn 3 in Richtung Österreich hatte sich am Samstag ein massiver Stau gebildet. Am Nachmittag standen die Autos laut Polizei vom Grenzübergang Suben rund 17 Kilometer weit bis zur Anschlussstelle Passau* Süd. Laut Polizei ist das erhöhte Verkehrsaufkommen auch darauf zurückzuführen, dass viele Arbeitnehmer aus osteuropäischen Ländern die Feiertage nutzen, um in ihre Heimat zu ihren Familien zu reisen.

In Österreich gilt für aus Deutschland Einreisende seit Samstag in eine zehntägige Quarantäne mit Testmöglichkeit ab Tag fünf – mit wenigen Ausnahmen. An den Grenzübergängen gab es stichprobenartige Gesundheitskontrollen.

Corona-Chaos an der Grenze: Österreichs Polizei kontrolliert die Einreisenden - Plötzlich Stau

Durchreisen in Risikogebiete, zu denen etwa Bulgarien und Tschechien gehören, sind möglich. In Bulgarien lag am Sonntag der Sieben-Tage-Inzidenzwert* bei den Neuansteckungen bei 173, in Tschechien bei 405, in Polen bei 178. Zum Vergleich: In Bayern lag der Inzidenzwert am Sonntag bei 218.

Sorgen, dass der Heimreiseverkehr etwa bei ausländischen Pflegekräften zu einer weiteren Verbreitung des Virus* führen könnte, entkräftet Sohrab Taheri-Sohi, Sprecher des Bayerischen Roten Kreuzes. „Die Mitarbeiter befinden sich seit einem Jahre in einem Ausnahmezustand und wissen, was eine Verbreitung des Virus bedeutet, viele befinden sich deshalb dauerhaft in einer Art Selbstisolation.“ Ohne die osteuropäischen Pflegekräfte würde das System bei uns zusammenbrechen, sagt Taheri-Sohi. Allein in der Altenpflege arbeiten 500.000 Frauen aus Osteuropa, die meisten von ihnen Polinnen.

Weihnachts-Urlaub von ausländischen Pflegekräften - Bei Reiserückkehr Quarantäne und Covid-19-Test

Wenn Pflegekräfte oder Rettungsdienstmitarbeiter in ihren Heimatländern über die Feiertage Urlaub machten und die Gebiete Risikogebiete sind, dann seien sie selbst dafür verantwortlich, nach der Wiedereinreise in Deutschland die infektionsschutzrechtlichen Bestimmungen einzuhalten. Dies heißt, sie müssen sich für zehn Tage in häusliche Quarantäne begeben, so Taheri-Sohi. Frühestens ab dem fünften Tag nach der Anreise kann ein Covid-19-Test* durchgeführt werden.

Ausgenommen von dieser Regelung sind systemrelevante Arbeitnehmer, also etwa 24-Stunden-Betreuungskräfte, Ärzte, Pflegekräfte und unterstützendes medizinisches Personal, wenn ihnen ihr Arbeitgeber Unabdingbarkeit bescheinigt hat. „Wir sind aber auch in den Kliniken und den Einrichtungen im Gesundheitsbereich inzwischen häufig am Testen, um Infektionsketten zu durchbrechen, wozu wir verpflichtet sind“, sagt Taheri-Sohi. *Merkur.de gehört zum Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerk.

Rubriklistenbild: © Tobias C. Köhler/dpa

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