Innenminister Joachim Herrmann und Gesundheitsministerin Melanie Huml stehen neben Kartons mit den ersten Dosen Corona-Impfstoff für Bayern.
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Die ersten Dosen des Corona-Impfstoffes kamen heute in Bayern an. Innenminister Joachim Herrmann und Gesundheitsministerin Melanie Huml nahmen ihn entgegen.

Bayern erhält erste Impfdosen

Corona-Impfplan für Bayern: Minister nehmen 9750 Dosen in Empfang - Wie es die kommenden Tage weitergeht

  • vonCornelia Schramm
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Ein kleiner Pieks - und alles kehrt zur Normalität zurück? So einfach wird‘s wohl nicht. Immerhin: Huml und Herrmann haben heute die ersten Impfdosen in Erlangen in Empfang genommen. So geht‘s jetzt weiter.

Erlangen - Dieser Moment wurde lange herbeigesehnt. Streng bewacht ist das kostbare Gut jetzt in Bayern angekommen: Die erste Lieferung des neuen Corona-Impfstoffs ist endlich da. Am Morgen des zweiten Weihnachtsfeiertages nahmen ihn Innenminister Joachim Herrmann und Gesundheitsministerin Melanie Huml (beide CSU) höchstpersönlich in Empfang. Für den Anfang erhält der Freistaat Bayern 9750 Impfdosen*. Rund die Hälfte kam jetzt in Erlangen an, die übrigen Dosen soll München* erhalten, so Huml.

Bewaffnete Polizeibeamte begleiteten den Spezialtransporter, der den Impfstoff der Firmen Biontech* und Pfizer in zwei Kartons auslieferte. Da diese tiefgekühlt sein müssen, überwachte man mittels eines Thermometers die Temperatur des Behälters. Minus 85,4 Grad Celsius zeigte es an. Von Erlangen und München aus sollen die ersten Impfstoffdosen regional in alle 99 Impfzentren* in ganz Bayern verteilt werden. So werden etwa Sozialministerin Carolina Trautner und Gesundheitsstaatssekretär Klaus Holetschek bereits gegen Mittag die ersten Corona-Impfstoffe* für das Zentrum Dasing im Landkreis Aichach-Friedberg entgegennehmen.

Coronavirus in Bayern: Mobile Teams beginnen ab 27. Dezember mit dem Impfen

Die ersten mobilen Impfteams aus den Zentren sollen ab Sonntag (27. Dezember) ausrücken - vor allem in Senioren- und Pflegeheimen sowie in Krankenhäusern soll dann direkt vor Ort mit dem großen Impfen begonnen werden. Nicht nur Heimbewohner und Patienten sollen geimpft werden, sondern auch die Heim-Mitarbeiter, sowie das medizinische Personal* auf Intensivstationen und in den Notaufnahmen. Wer über 80 Jahre alt ist, gehört ebenfalls zur ersten Gruppe „der Verletzlichsten, Hochbetagten und Pflegebedürftigen“, die den Impfstoff erhält, und kommt ab Januar zum Zuge. Per Brief will die Landesregierung die Bürger informieren, wie und wo sich zum Impfen anmelden können. Zudem sollen eine Online-Plattform sowie Telefon-Hotlines eigens dafür eingerichtet werden.

Corona-Impfplan für Bayern: Wer wird wann geimpft?

Wer wann geimpft werden darf, bestimmt eine vom Bund festgelegte Impfstrategie. Eine bestimmte Reihenfolge musste hierfür festgelegt werden, da der Impfstoff zunächst nur begrenzt vorhanden ist. Sobald die erste Gruppe geimpft wurde, können sich die Bürger der Gruppe 2 impfen lassen. Zu ihr gehören über 70-Jährige, Demenzkranke, Menschen mit Trisomie 21, Transplantationspatienten sowie Kontaktpersonen und Angehörige von Pflegebedürftigen. Als dritte Gruppe dürfen sich Bürger über 60, stark Übergewichtige und Personen mit schweren oder chronischen Krankheiten impfen lassen. Auch Mitarbeiter „in besonders relevanter Position in staatlichen Einrichtungen“ sowie Erzieher und Mitarbeiter im Einzelhandel sollen dann zum Zuge kommen.

Lange galt der Impfstoff gegen das Coronavirus* als Licht am Ende des Tunnels. Durch ihn, so die Hoffnung, sei die Rückkehr zur Normalität bald wieder möglich. Doch jetzt, da er endlich in Europa zugelassen und auch in Bayern angekommen ist, dämpfen die Politiker aber bereits allzu hohe Erwartungen: Mit den ersten Pieksern ist der Spuk noch lange nicht vorbei. „Wir dürfen nicht davon ausgehen, dass wir mit dem Beginn der Impfungen* in unserer Wachsamkeit und Vorsicht nachlassen dürfen“, sagte Melanie Huml. Weiterhin Schutzmaßnahmen zu treffen und soziale Kontakte einzuschränken, sei nach wie vor essenziell.

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„Trotz der Impfungen stehen uns allen noch herausfordernde Monate bevor“, erklärte die bayerische Gesundheitsministerin weiter, stehen doch zurzeit noch lange nicht genug Impfdosen für jedermann bereit. Das in Deutschland für Impfangelegenheiten zuständige Paul-Ehrlich-Institut hatte erst am Dienstag die ersten Chargen des Vakzins freigegeben. Neben den aktuell in Bayern ausgelieferten 9750 Impfdosen, sollen ab 29. Dezember in Deutschland weitere 97.000 bereitstehen. Am 31. Dezember werden dann nochmals 107.000 Dosen erwartet. So soll es dann im Januar wöchentlich weitergehen.

Den Aussagen der Regierung zufolge soll es keinesfalls eine Impfpflicht geben. Prognosen rechnen aber damit, dass bis Ende 2021 jeder Deutsche, der sich impfen lassen möchte, die Impfung auch erhalten wird. Dies setzt aber voraus, dass der Impfstoff in den angeforderten Mengen auch geliefert werden kann. Die Rechnung geht zudem davon aus, dass der Hersteller Moderna, der bisher in der Europäischen Union noch keine Zulassung hat, dann seinen Impfstoff ausliefern darf. (cos) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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