Mit Ganzkörperschutzanzügen versucht sich das medizinische Personal in Bayreuth vor der Corona-Mutation zu schützen.
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Mit Ganzkörperschutzanzügen versucht sich das medizinische Personal in Bayreuth vor der Corona-Mutation zu schützen.

„Haben Mutation wohl im Haus“

Corona: Mutations-Verdachtsfälle in bayerischem Klinikum führen zu Ausgrenzung - Eklat an Tankstelle

  • Thomas Eldersch
    vonThomas Eldersch
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Noch ist unklar, ob es am Klinikum Bayreuth Corona-Mutations-Fälle gibt. Dennoch werden Mitarbeiter in der Öffentlichkeit ausgegrenzt und denunziert.

Bayreuth - Erst gab es da das berühmte Licht am Ende des Tunnels - die Corona-Impfung*. Doch die Euphorie wurde schnell wieder eingebremst, als überall auf der Welt Corona-Mutationen* entdeckt wurden. Zunächst waren diese Fälle weit weg in Großbritannien, Südafrika oder Brasilien. Nachdem jetzt aber die ersten Verdachtsfälle auch in Bayern - wie beispielsweise im Klinikum Bayreuth - gemeldet wurden, wächst die Angst unter den Bürgern. Besonders in Bayreuth nimmt sie jetzt extreme Blüten an.

Corona in Bayreuth: Ausgrenzung von Klinikmitarbeitern

In der vergangenen Woche stellten die Verantwortlichen im Klinikum Bayreuth erhöhte Ansteckungszahlen fest. Daraufhin wurden 30 zufällig ausgesuchte Mitarbeiter und Patienten getestet. Die Folge waren elf Verdachtsfälle auf die hochansteckende Corona-Mutation* aus dem Vereinigten Königreich B.1.1.7. Nach einem weiteren Reihentest gab es weitere 21 positive Tests. Zwölf Angestellte galten ab diesem Zeitpunkt ebenfalls als Verdachtsfall. Damit sind es insgesamt 23. Die Klinik reagierte sofort. Mitarbeiter durften nicht mehr mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln in die Arbeit kommen. Außerdem wurde in Patienten-Aufnahmestopp verhängt.

Als wäre die Situation der etwas über 3300 Angestellten nicht schon schwierig genug, wurden sie jetzt in der Bevölkerung massiv ausgegrenzt. Wie der Pressesprecher des Klinikums, Frank Schmälzle, berichtet, wurde eine Mitarbeiterin einer Tankstelle verwiesen, weil sie einen Klinikparkausweis im Auto liegen hatte. Das Kind einer weiteren Kollegin wurde in der Notbetreuung isoliert. „Es durfte den ganzen Tag nur allein spielen.“ Und Nachbarn einer Angestellten hätten sich beim Krankenhaus beschwert, weil die Frau ohne FFP2-Maske* die gemeinschaftliche Waschküche benutzt hatte.

Corona in Bayreuth: Bürger solidarisieren sich mit Klinik-Angestellten

Für den Pressesprecher ist das Verhalten nicht hinnehmbar. „Bei aller berechtigten Sorge: Unsere Mitarbeiter mit Patientenkontakt werden täglich getestet. Das ist ein Maß an Sicherheit, das sich kaum noch steigern lässt“, schreibt Schmälzle auf der Facebook-Seite der Klinik. „Von den Kollegen geht vermutlich sogar weniger Risiko aus als von jedem anderen Bürger.“ Und mit Nachdruck betont er am Ende seines Posts noch einmal: „Von uns geht keine besondere Gefahr aus. Ihr müsst uns nicht beklatschen. Aber bitte behandelt uns menschlich.“

Dieser Appell zeigte offenbar Wirkung. Er wurde mehr als 2700-mal geteilt und bekam über 2400 Likes. Viele zeigten Verständnis für die Mitarbeiter und Unverständnis für die Ausgrenzung. „Eure Kids sind bei uns auch weiterhin willkommen und Teil ihrer gewohnten Gruppe!“, schrieb das BRK Kinderhaus Bayreuth. Und sogar eine eigene Facebook-Gruppe für die Angestellten wurde gegründet. „Hilfe für Bayreuther Klinikmitarbeiter“ heißt sie. Dort organisieren Freiwillige Hilfs-Dienstleistungen für Angestellte, die beispielsweise in Quarantäne sind. Schon mehr als 100 Mitglieder zählt die öffentliche Gruppe.

Corona in Bayreuth: Verdachtsfälle werden sich wohl bestätigen

Derweil schwinden die Hoffnungen, dass es sich bei den Corona*-Verdachtsfällen doch nicht um die Mutation aus Großbritannien handeln könnte. Das Klinikum stelle sich auf eine Bestätigung der 23 Verdachtsfälle ein, erklärt Schmälzle. „Solche Verdachtsfälle werden keinesfalls leichtfertig ausgesprochen. Wir rechnen fest damit, dass wir tatsächlich die Mutation im Haus haben.“ Bis Mittwoch gelten vorerst die zusätzlichen Vorsichtsmaßnahmen noch. Es sei aber unwahrscheinlich, dass bis dahin schon die Ergebnisse der Untersuchungen vorliegen, so das Klinikum. (tel/dpa) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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