Eine Lehrerin schreibt in einer Schule an die Tafel.
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Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband schlägt Alarm.

Schulen in der Krise

Corona und allgemeiner Mangel prallen aufeinander: Lehrerverband schlägt Alarm - „Wir haben Notbetrieb“

  • Thomas Eldersch
    vonThomas Eldersch
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Lehrerverbands-Präsidentin Simone Fleischmann prangert den Lehrermangel in Bayern an. Damit widerspricht sie Kultusminister Michael Piazolo, der diesen leugnet.

  • Der Schulunterricht in Bayern ist in der Krise.
  • Das behauptete die Lehrerverbands-Präsidentin heute in München.
  • Sie fordert Unterstützung vom Kultusministerium.

München - Bayerns Lehrer gehen auf dem Zahnfleisch. Diesen Eindruck könnte man erhalten, wenn man die heutige Aussage der Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV) vernommen hat. Simone Fleischmann sagte am Mittwoch (7. Oktober) in München, dass momentan zwei Krisen aufeinanderprallen. Es herrsche ein dramatischer Lehrermangel und dazu müsse noch die Corona*-Krise bewältigt werden. Sie richtete auch eine direkte Forderung an Kultusminister Michael Piazolo (FW).

Lehrerverbands-Präsidentin widerspricht Kultusminister Piazolo

Das neue Schuljahr hat gerade erst begonnen, dennoch sei die Situation jetzt schon prekär. „Wir haben noch nie so einen Notbetrieb erlebt wie jetzt“, sagte Fleischmann. Als Hauptproblem hat die BLLV-Präsidentin den Lehrermangel ausgemacht. An einen Regelbetrieb sei an vielen Schulen nicht zu denken. Kultusminister Piazolo hatte diesem Vorwurf bereits Anfang des Schuljahres widersprochen. Es habe noch nie so viele Lehrer wie jetzt gegeben, schreibt br24.de. Fleischmann stellte jedoch klar: „Der BLLV widerspricht dem Kultusminister. Es gab noch nie so viele Herausforderungen. (...) Es gab noch nie so viele Lehrer, die nicht da waren.“

BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann greift Bildungsminister Michael Piazolo direkt an.

Für die BLLV-Chefin werde das eigentliche Problem auch nicht angegangen. Dafür gebe es „Gipfel über Gipfel“. Vom Digitalgipfel über den Schulgipfel bis hin zum Lüftungsgipfel werden abgehalten, was an sich gut sei, so Fleischmann. Doch einen dringend benötigten Lehrergipfel gebe es nicht. „Alles Show, alles Scheinwelt, für uns alles Rumgeeiere.“

Die aktuelle Corona-Lage in Bayern erfahren sie in unserem aktuellen News-Ticker.

BLLV-Präsidentin Fleischmann: Lehrermangel gab es schon länger

Das Problem mit den fehlenden Lehrern sei nicht neu, so Fleischmann. Die Lehrer hätten bisher immer dafür gesorgt, dass dieser Mangel kaschiert werde. Jetzt sei dies nicht mehr möglich. „Der Kultusminister darf die Realität nicht länger leugnen. Vorwürfe zurückweisen reicht nicht“, spricht die BLLV-Präsidentin Klartext. Dann wird Fleischmann noch deutlicher: „Ja, es wird mehr Unterricht ausfallen. Nicht nur wegen Corona*, sondern auch wegen des Lehrermangels. Viele von uns können schlichtweg nicht mehr.“

Besondere Kritik übte Fleischmann auch an der Aussage von Kultusminister Piazolo, 99,5 Prozent aller Schulklassen seien im Präsenzunterricht. Dieses Statement würde an der Realität vorbeischrammen. Denn, so die BLLV-Chefin, es gebe eine Aufsichtspflicht. Kinder dürften aufgrund fehlender Lehrer gar nicht nachhause geschickt werden. „Warum ist es so verdammt schwer für den Kultusminister zu sagen, wir haben Lehrermangel?“ Ministerpräsident Markus Söder (CSU) habe dies immerhin eingeräumt.

Schweinfurter Schulleiter unterstützt BLLV-Präsidentin

Der Schulleiter einer Mittelschule in Schweinfurt und Vize-BLLV-Präsident Tomi Neckov unterstützt Fleischmann. „Deshalb erwarte ich im Moment von der Staatsregierung einfach nur Ehrlichkeit und das Eingeständnis, dass wir keinen Regelbetrieb im Augenblick an den Schulen haben“, sagte er. Besondere Bedenken hat Neckov bei der bevorstehenden Grippe-Zeit. „Wenn die Saison beginnt und die Lehrkräfte noch zusätzlich ausfallen, dann weiß ich nicht, wie ich den Betrieb noch aufrechterhalten kann.“ (tel/dpa) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Auch Kino-Betreiber sind am Limit. Sie haben in einem Schreiben an den Ministerpräsidenten Söder eine Lockerung der Corona-Regeln gefordert.

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