Coronavirus - Impfung in Hausarztpraxis: Eine Krankenschwester füllt eine Spritze mit Impfstoff von Biontech/Pfizer gegen Covid-19.
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München: In den Hausarztpraxen wird nun geimpft - doch die gelieferten Mengen schaffen die Mediziner sogar nebenbei.

„Wissen nicht, was und wie viel wir bekommen“

Impfstart in Münchner Praxen: Hausärzte klagen über Liefer-Chaos - Mal gab es nur fünf Dosen

  • Phillip Plesch
    vonPhillip Plesch
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  • Sascha Karowski
    Sascha Karowski
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Hausärzte in Bayern und München dürfen nun auch gegen Corona impfen. Die ersten Dosen kommen an. Doch mal sind es mehr, mal weniger. Mediziner klagen.

München - Die Impfkampagne nimmt zusehends Fahrt auf. In den Heimen der Arbeiterwohlfahrt (AWO) sind beispielsweise bereits alle Bewohner geimpft. In den Kliniken haben nahezu alle Mitarbeiter mindestens die Erstimpfung erhalten. Auch die Hausärzte haben mit dem Impfen begonnen, der Start läuft aber mitunter schleppend.

Eine neue Zeitrechnung im Kampf gegen Covid-19 – nicht weniger hatte die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) Anfang der Woche versprochen. Denn alle impfbereiten Hausarztpraxen in Bayern sind nun in die Impfkampagne eingebunden. Rund 8.500 Praxen haben sich bayernweit zur Teilnahme bereit erklärt. Wie viele der 1.152 Münchner Hausärzte dabei sind, ist nicht bekannt. 

Impfen in Hausarztpraxen: Mediziner schimpfen über Liefermengen - KVB verspricht Besserung

Geimpft wird schon in der Praxis von Markus Frühwein. Nach den 20 Astrazeneca-Dosen vergangene Woche gab es für diese Woche 90 Dosen Biontech. „Als Impfschwerpunktpraxis können wir auch mehrere hundert Dosen am Tag verimpfen“, sagt Frühwein. Er ist sich sicher: „Durch das Impfen in den Praxen bewegt sich was.“ 30 bis 40 Impfdosen verabreichten er und sein Team diese Woche pro Tag mittags nebenbei.

Hausärztin Alexandra Haupt impft seit Dienstag. Allerdings verläuft der Start hier eher schleppend. Für diese Woche gab es nur fünf Impfdosen des Biontech-Vakzins. „Wir bestellen jede Woche neu und wissen nicht, was und wie viel wir bekommen“, sagt eine Praxismitarbeiterin. Der Vorstand der KVB verspricht: „Die Zahl der Impfdosen wird sich im zweiten Quartal deutlich erhöhen.“

Impf-Fortschritt: Münchner nehmen mobile Angebote an - Pflegeheime weitreichend immunisiert

In München* sind bis einschließlich vergangenen Montag rund 259.500 Impfungen durchgeführt worden, 168.200 Erst- und 91.300 Zweitimpfungen. Geimpft wird auch durch mobile Teams in den Alten- und Servicezentren (ASZ). 1.600 Menschen haben hier bereits eine Impfung erhalten. „Ich freue mich, dass das Angebot der wohnortnahen Impfungen von den älteren Mitbürgern sehr gut angenommen wird“, sagt Gesundheitsreferentin Beatrix Zurek (SPD). 29 von 30 ASZ hatten bereits mindestens einen Impftag, und die bisher angebotenen Termine seien fast vollständig ausgebucht gewesen. „Bis Ende nächster Woche werden die mobilen Impfteams in 23 ASZ einen oder mehrere weitere Termine für Erstimpfungen anbieten können. Ein mobiles Team kann bis zu 60 Personen pro Tag impfen, pro ASZ sind bis zu drei Teams im Einsatz.“

Deutlich weiter sind die Alten- und Pflegeheime. So sind alle Bewohner der Heime der Arbeiterwohlfahrt geimpft, teilt AWO-Chefin Julia Sterzer auf Anfrage mit. „Beim Personal sind alle geimpft, die eine Impfung wollten.“ Das seien zunächst knapp 60 Prozent gewesen. Es soll aber zunehmend mehr Interessierte geben. „Insgesamt ist die Situation inzwischen sehr erfreulich, wir haben seit vier Wochen keine Infektion mehr in unseren Heimen.“

Corona-Impfung im Münchenstift: Immunisierung bei etwa 92 Prozent - Impfbereitschaft nimmt weiter zu

Ähnlich ist die Situation bei der Münchenstift. „Wenn wir geimpfte und bereits positiv getestete Bewohner addieren, haben wir eine Immunisierung von circa 92 Prozent“, sagt Chef Sigi Benker. Bei den Mitarbeitern seien im Schnitt 70 Prozent immunisiert, wobei die Impfbereitschaft stetig zunehme.

In den 27 Heimen der Caritas haben bereits 90 Prozent der Bewohner eine Impfung erhalten oder sind durch eine überstandene Corona-Erkrankung immun. Bei den Mitarbeitern sind es 60 Prozent. In einem Haus des Bayerischen Roten Kreuzes sind es 96 Prozent der Bewohner und über 80 Prozent der Mitarbeiter, in einem anderen Haus 82 Prozent der Bewohner und rund 50 Prozent der Mitarbeiter. 95 Prozent der Heimbewohner der Inneren Mission sind ebenfalls geimpft, und bei den Mitarbeitenden sind es 60 Prozent. Die Tendenz sei aber auch hier steigend, sagt eine Sprecherin.

In den München Kliniken haben rund 4.400 Beschäftigte der über 7.000 Mitarbeitenden eine Erstimpfung erhalten. Rund 3.800 Mitarbeitende sind zweimal geimpft. Beim Universitätsklinikum rechts der Isar sind von 7.050 Mitarbeitern aktuell 5.050 Mitarbeiter erstgeimpft und rund 4.500 zweitgeimpft. *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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