Am politischen Aschermittwoch schenken sich Markus Söder (l.) und Hubert Aiwanger ordentlich ein.
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So freundschaftlich gehen die beiden nur am 50. Geburtstag des Wirtschaftsministers um. Am politischen Aschermittwoch schenken sich Markus Söder (l.) und Hubert Aiwanger ordentlich ein.

Politischer Aschermittwoch

Söder schenkt Aiwanger übel ein: „Ihm sind die Friseure egal“

  • Thomas Eldersch
    vonThomas Eldersch
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Eine enge Freundschaft wird wohl zwischen Markus Söder und Hubert Aiwanger nicht mehr entstehen. Die beiden nahmen sich am Politischen Aschermittwoch ordentlich in die Mangel.

Passau/Deggendorf - Dass es zwischen den beiden bayerischen Koalitions-Partnern CSU* und Freie Wähler immer wieder Reibereien gibt, ist nicht neu. Auch dass sich die beiden Parteichefs Markus Söder* und Hubert Aiwanger nicht immer einig bei ihrer Corona*-Politik sind, ist ein alter Hut. Doch was sonst hinter vorgehaltener Hand oder im Flüsterton dem Koalitions-Partner an den Kopf geworfen wird, wird am Politischen Aschermittwoch nahezu herausgebrüllt.

Politischer Aschermittwoch: Aiwanger fordert Öffnungsperspektiven

Schon um 9.30 Uhr begann das politische „Derblecken“ der Freien Wähler im niederbayerischen Deggendorf. FW-Chef Aiwanger spulte sein Mantra der letzten Wochen ab: Die Wirtschaft brauche Öffnungsperspektiven. Und so forderte er, dass Hotels bis Anfang April wieder öffnen sollen. Davor seien aber bereits die Einzelhändler dran. Die Perspektive müsse für die Betriebe sein, „dass wir allerspätestens zu Ostern dem Tourismus eine Chance geben müssen, dass wir schon deutlich vorher dem Handel eine Chance geben müssen“, sagte Aiwanger.

Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger bei seiner Rede zum Politischen Aschermittwoch in Deggendorf.

In seiner Rede griff er auch die Kritik der Einzelhändler und des Handelsverbands Bayern auf: Es sei nicht verständlich, dass Supermärkte auch während des Corona*-Lockdowns mit Eingangsbeschränkungen und Maskenpflicht Blumen, Mode und Schuhe verkaufen dürften, die Fachgeschäfte nebenan aber nicht. Es müssten Wege mit einem „vertretbaren Restrisiko“ gefunden werden, damit die Wirtschaft, die Gesellschaft und die sozialen Kontakte nicht zu stark geschädigt werden, betonte der bayerische Wirtschaftsminister.

Mit Ratschlägen an den Koalitionspartner - vor allem in Bezug auf die kommende Bundestagswahl - sparte der FW-Chef ebenfalls nicht. Zu einer möglichen Koalition mit den Grünen* sagte Aiwanger: „Immer gut aufpassen, wen Sie zur Tür reinlassen. Schwarz-Grün wäre ein Schreckgespenst.“ Außerdem warnte er Söder, sollte er mit den Grünen paktieren, dann würde ihm Grünen-Chef Habeck wohl den Holzofen in seiner Wohnzimmer-Kulisse in Passau verbieten - wegen dem Feinstaub natürlich.

Politischer Aschermittwoch: Söder mit Durchhalteparolen

Auch Markus Söder blieb bei seiner Rede in Passau seinem Konzept der vergangenen Wochen treu. Bei seinem Auftritt saß der CSU-Chef in einer künstlichen Wohnzimmerkulisse und trank in den Redepausen genüsslich Cola light aus einem Steinmaßkrug. In Bezug auf die Corona-Pandemie* forderte er seine Zuhörer auf, weiter Geduld zu haben - „Durchhalten bitte“. Man habe bereits vieles erreicht und es werde von Tag zu Tag besser. Die bisherigen Anti-Corona-Maßnahmen bezeichnete Söder dabei als alternativlos. Jedes andere Konzept sei gescheitert, sagte er mit Blick in viele andere Länder.

Der Politische Aschermittwoch der CSU: Parteichef Markus Söder hat in seinem „künstlichen“ Wohnzimmer Platz genommen.

Für seinen Regierungspartner hatte Söder jedoch kaum ein freundliches Wort übrig. Er würde bei einer künftigen Koalitionsbildung immer die FDP als „priorisierten Partner“ bevorzugen. „Einmal Freie Wähler reicht irgendwie auch.“ Und auf die Aussage Aiwangers, dass die Freien Wähler auch auf Bundesebene als Koalitionspartner zur Verfügung stehen würden, wenn der Wähler sie lasse, sagte Söder: „Der Einfluss der Freien Wähler in Berlin ist genauso groß wie auf dem Mond.“

Eine besonders böse Spitze gab Söder seinem Wirtschaftsminister versteckt in einem Nebensatz mit. Als der CSU-Chef zum Mittelstand kam und dabei als erstes über die Friseure sprach, erwähnte er Menschen, die das Handwerk für nicht so wichtig erachten würden. Sein eigener Finanzminister, Albert Füracker, halte das Thema für übertrieben. „Hubert Aiwanger sagt, das ist ihm eigentlich egal.“ Anschließend gibt sich Söder diplomatisch und sagt, er habe Verständnis dafür.

Friseure im Corona-Lockdown: Söder schenkt Aiwanger ein

Für Söder sind Friseure ganz offenbar eine Herzensangelegenheit. Während seiner Rede fragt er die Zuschauer: „Soll ich meine Haare länger lassen oder lieber kürzer - außer die Koteletten.“ Über Feedback freue er sich. „Aber ist das das Entscheidende? Nein!“ Es gehe für viele um Hygiene. Er spricht auch noch einmal das Thema Würde an. Und dabei erzählt er eine persönliche Geschichte von seiner Mutter, die kurz vor ihrem Tod schon im Krankenhaus lag und sich anlässlich einer Feier noch einmal vom Krankenhaus-Friseur hübsch machen ließ, bevor sein Vater kam. „Ich weiß noch wie stolz und glücklich sie war“, wird er emotional. „Deshalb finde ich es so unfair, wenn man das schlecht oder niederredet.“

Soweit ist Söders Haltung verständlich. Dass er allerdings seinen Wirtschaftsminister - der sich seit Wochen als Retter der Unternehmen darstellt - bei einem wichtigen Handwerkszweig diskreditiert, kann nicht nur Zufall gewesen sein. (tel) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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