München: Ein Schild mit der Aufschrift "Corona Test Center" steht vor dem Corona-Testzentrum am Münchner Flughafen.
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Bayern: Nach Corona-Test-Panne - so fühlen sich die Betroffenen.

„In der Luft hängen gelassen"

Nach Corona-Test-Panne in Bayern: Betroffene berichten von Chaos - „Was sollen wir denn machen?“

  • Julian Baumann
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Die Panne bei der Auswertung der Corona-Tests von Reiserückkehrern in Bayern war beispiellos. Aber wie fühlen sich die Betroffenen? Jetzt kommen sie zu Wort.

  • Die Panne bei den Corona-Tests sorgt in ganz Bayern für Unruhe.
  • 44.000 Tests waren nicht zugeordnet - 900 Infizierte ahnten durch die Panne nichts von ihrer Erkrankung.
  • Wie geht es den Betroffenen damit? - Jetzt kommen sie zu Wort.

München - In Bayern sorgt der Skandal um die Corona-Tests von Reiserückkehrern für Chaos in der Landesregierung. Etwa 60.000 Menschen hatten sich freiwillig an Autobahnraststätten und Bahnhöfen im Freistaat auf eine Infektion mit dem Coronavirus* testen lassen. Dann kam die Schocknachricht: 44.000 Ergebnisse wurden nicht zugeordnet. Für besonderen Aufschrei sorgte jedoch, dass etwa 900 Urlauber laut dem Testergebnis mit dem Virus infiziert sind - die Betroffenen ahnten jedoch lange nichts davon.

In der Zwischenzeit wurde die Angabe sogar nach oben korrigiert. Laut dem Bayrischen Rundfunk (BR) seien 1.389 der Tests positiv gewesen. Wie geht es den Menschen, die ohne es zu wissen Covid-19 in sich tragen und das gefährliche Virus möglicherweise auch noch weiterverbreitet haben*? Die Bild hat einige der Menschen befragt.

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Bayern: Nach Corona-Test-Panne - Wie geht es den Betroffenen?

Wie die Bild (Artikel hinter Bezahlschranke) berichtete, sind inzwischen 908 Infizierte identifiziert und über das positive Ergebnis unterrichtet worden. Von 150 Infizierten fehle jedoch jede Spur. Das bedeutet, dass 150 Personen die sich in Bayern testen ließen, das tödliche Virus in sich tragen und es weiterverbreiten ohne von der Gefahr zu ahnen. Urlauber berichten von einem chaotischen Zustand an der Teststation am Rastplatz Donautal Ost (bei Passau). Michael Vogel (30) aus Nordrhein-Westfalen ließ sich nach Angaben der Bild am 2. August gemeinsam mit seiner Frau an der Station testen. Das Paar war zuvor in einem Risikogebiet gewesen.

„Da herrschte Gewusel, die Kulis wurden mehrfach verwendet und kein Abstand eingehalten“, sagte Vogel laut Bild. Die Corona-Warn-App melde seitdem, dass kein Befund vorliege - auf das Ergebnis warte er noch immer. Auch Jana Wellert (51) wartet bereits seit sechs Tagen auf ihr Test-Ergebnis. „Mein Mann ist Kraftfahrer, der muss ja arbeiten. Was sollen wir denn machen?“, fragt sie verzweifelt.

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Bayern: Nach Corona-Test-Panne - Betroffene verärgert - „Leitung immer belegt“

Nach dem Fiasko über die vermasselten Corona-Tests* folgt der nächste Skandal. Das Bürger-Telefon des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) war für mehrere Tage nicht erreichbar. Auch Jana Wellert ärgert sich über diesen Umstand in einem Video auf Bild.de. Auch bei ihr zeige die Corona-App noch immer kein Ergebnis an und die „Leitung [sei] immer belegt“, sagt sie. Ihr kam die Teststation an der A3 bei Passau jedoch nicht ungeordnet vor. Sie fragte sich jedoch schon vor Ort, wie die Zuständigen so viele Testergebnisse in nur 2-3 Tagen auswerten wollen. Wie sich herausstellte, wurde genau das zum Problem.

Auf die Frage der Bild, ob Frau Wellert auch einen gewissen Ärger gegenüber Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) verspüre, sagte die 51-Jährige „Ja - man wird in der Luft hängen lassen“. Söder hatte mit einem sehr persönlichen Post auf Instagram erst letztens seine menschliche Seite gezeigt, was auf sehr viel Zuspruch stieß. Durch das Drama wegen der Corona-Tests steht der CSU-Chef und Kanzlerkandidat jedoch inzwischen sehr in der Kritik - ebenso wie die Kanzlerin. *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Unterdessen zeigt sich, dass es bereits vor der großen Panne zu Verzögerungen kam. Ein Infizierter lief nach Test in Bayern tagelang ahnungslos durch Hamburg. Die Aufarbeitung der Corona-Tespanne kommt langsamer voran als gedacht. Melanie Huml steht in der Kritik. Auf Drängen von Grünen, SPD und FDP wird nun der Landtag informiert.

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