Die allzu regelmäßigen Corona-Auftritte von Markus Söder (l.) kommentiert Merkur.de*-Redakteurin Veronika Mahnkopf.
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Die allzu regelmäßigen Corona-Auftritte von Markus Söder (l.) kommentiert Merkur.de*-Redakteurin Veronika Mahnkopf.

Kommentar

Herr Söder, Corona ist anstrengend genug - bitte verschonen Sie uns mit Ihrem Selbstinszenierungs-Marathon

  • Veronika Mahnkopf
    VonVeronika Mahnkopf
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Woche für Woche lädt Ministerpräsident Markus Söder zum Pressekonferenz-Marathon. Neues kommt dabei selten heraus. Es kommentiert Merkur.de*-Redakteurin Veronika Mahnkopf.

  • Seit Beginn der Corona-Pandemie scheint Markus Söder im TV allgegenwärtig zu sein.
  • Zu viel, zu oft und anstrengend, sagt Merkur.de*-Redakteurin Veronika Mahnkopf - und wünscht sich mehr Inhalt und weniger Selbstinszenierung.
  • Lesen Sie in der Folge ihren Kommentar. Alle Neuigkeiten zum Thema Corona in Bayern lesen Sie immer aktuell in unserem Ticker.

27. Oktober: Es ist wieder Anfang der Woche. Anfang der Woche heißt: Söder-Pressekonferenz-Marathon. An diesem Dienstag scheint er eher moderat auszufallen. Nur eine PK, und zwar um 13 Uhr. Vergangene Woche sah das anders aus: Langstrecke! Da folgte eine Pressekonferenz auf die nächste. Inhalt? Eher wenig. Dafür die immer gleichen Phrasen. Ganz ehrlich, Herr Söder: Das bringt doch nichts!

Am Montag letzter Woche kündigte Ministerpräsident Markus Söder am Morgen an, um 10 Uhr ein Pressestatement herauszugeben. Um 10 Uhr sagte er dann in eben diesem: nichts. Zumindest nichts von Substanz. Nur so viel: Um 12 Uhr werde es eine Pressekonferenz geben. Diese fand statt - und wieder: keine Neuigkeiten. Stattdessen verwies er auf die Regierungserklärung am Mittwoch. In dieser dann (endlich) was Neues: Es gibt eine neue Farbe auf der Corona-Ampel. Dunkelrot. Als krönender Abschluss des Marathons dann noch: eine Videobotschaft, immerhin mit ein paar aufmunternden Worten. Puhhh...

Jede Woche mehrere Söder-Pressekonferenzen wegen Corona: Die Menschen stumpfen ab

Was soll denn das jede Woche wieder? Dabei kommt doch nichts raus. Außer, dass die Menschen abstumpfen. Die Bayern haben schon so oft gehört, dass sie sich bald wieder alle daheim verschanzen müssen. Dass die Zahlen ins Unermessliche steigen werden. Dass die Krankenhäuser irgendwann am Limit sind. Auch die schlimmsten Unheil-Prophezeiungen, x-mal wiederholt, funktionieren irgendwann nicht mehr.

Markus Söders Rhetorik lässt einen in diesen Pressekonferenzen schon lange nicht mehr erschaudern. „Es wird ein einsames Weihnachten“, hat er vergangene Woche gesagt. Es muss noch „mehr Maske“ geben, hat er gesagt. „Wenn wir jetzt mehr tun, müssen wir später mit weniger Endfolgen leben“, schwang er den erhobenen Zeigefinger.

Markus Söder lädt zu einer Pressekonferenz nach der nächsten: Dabei ist Corona anstrengend genug

Leider bringen die vielen Horror-Szenarien und düsteren Aussichten, aber auch die immer wieder hervorgekramte „Vorsicht und Umsicht“ gar nichts, wenn man diese Worte nur permanent wiederholt. Die Zahlen steigen weiter. Und die Menschen hören nicht mehr zu.

Dabei müssen die Menschen doch mitmachen, haben Sie gesagt, Herr Söder. Damit wir alle die „nationale Kraftanstrengung“ namens Coronavirus-Pandemie einigermaßen gut überstehen. Sie haben recht. Es ist eine nationale Kraftanstrengung. Und die zehrt genug, kostet uns alle Kraft ohne Ende. Deshalb brauchen wir bitte nicht auch noch ihren allwöchentlichen Selbstinszenierungs-Marathon. Corona ist anstrengend genug.

*Merkur.de und tz.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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