Kontroverse Diskussion wegen Corona-Bestimmungen

Wegen Corona: Bayerischer Hüttenwirt lässt Gäste aus Tirol nicht rein - „absolute Frechheit“

  • Marc Beyer
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  • Michael Weiser
    Michael Weiser
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Auf einer Berghütte im Chiemgau durften Gäste aus dem Risikogebiet Tirol nicht mehr einkehren, weil die Wirte ein Bußgeld fürchteten. Mittlerweile sind sie zurückgerudert.

  • Auf einer Berghütte im Chiemgau durften Gäste aus dem Risikogebiet Tirol nicht mehr einkehren, weil die Wirte ein Bußgeld fürchteten.
  • Im Internet sorgte ein Schild mit der Aufschrift „Leider kein Zutritt für Gäste aus Tirol“ für heftige Diskussionen.
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München – Der Kaiserschmarrn genießt auch heute noch einen guten Ruf. Ganz frisch ist das Lob zwar nicht, es stammt aus dem Jahr 2017, aber auf der Facebook-Seite der Priener Hütte taucht es weit vorne auf. Man überliest es in diesen Tagen allerdings leicht. Denn über dem Post stehen ein paar Botschaften, die aktueller sind – und um einiges feuriger formuliert.

Von einer „absoluten Frechheit“ ist dort die Rede, einen solchen Betrieb solle „absolut niemand unterstützen“, denn „unter guten Nachbarn“ könne man so nicht miteinander umgehen. An Ausrufezeichen herrscht kein Mangel. Und das alles nur, weil die Wirte der Priener Hütte, die in Aschau liegt und damit in Gehweite zu Tirol, sich streng an die Vorgaben halten wollten.

Vor knapp zwei Wochen hat das Auswärtige Amt eine Reisewarnung für Tirol ausgesprochen. Wer aus einem Risikogebiet nach Deutschland kommt, muss sich – sofern er keinen aktuellen negativen Corona*-Test vorweisen kann oder beruflich unterwegs ist – 14 Tage in Quarantäne begeben. Die Wirtsleute der Priener Hütte haben daraufhin einen Zettel mit brisantem Inhalt ausgehängt. „Leider kein Zutritt für Gäste aus Tirol“ steht drüber.

Die Priener Hütte im Chiemgau.

Coronavirus Bayern: Anti-Tiroler-Schild schlägt hohe Wellen

Das Thema schlug rasch hohe Wellen. Man könnte meinen, man stecke mitten in einem Tiroler Hüttenkrieg, dabei bemüht sich Andreas Buttler, einer der Wirte, nach Kräften um Deeskalation. „Wir haben um Gottes willen nichts gegen Tiroler“, versicherte er der „Tiroler Tageszeitung“. Er befolge nur die Regeln. Was, wenn es einen Corona-Fall gibt und der Patient stammt aus dem Süden? Selbst Kufsteins Bürgermeister Martin Krumschnabel äußerte Verständnis: „Es ist wohl ein Akt der Notwehr.“

An dieser Stelle wird es kompliziert. Denn nach den Buchstaben des Gesetzes bräuchten Wirte überhaupt nicht einzugreifen. „Es gibt momentan kein Beherbergungsverbot“ für Menschen aus Risikogebieten, sagt Marcus da Gloria Martins, Sprecher der bayerischen Corona-Taskforce. Streng genommen müsste Buttler niemanden aussperren, der die Nacht unter seinem Dach verbringen will. Selbst, wenn er aus Tirol kommt.

Coronavirus Bayern: Andreas Buttler hat sein Schild wieder abgehängt

In der täglichen Praxis ist das Problem aber noch ein anderes. „Der Tiroler darf grundsätzlich ja gar nicht rüber“, erinnert da Gloria Martins. Es mag ein paar Ausnahmen geben für Reisende aus Risikogebieten, aber in der Regel gelten die nicht für Wanderer, die schnell mal auf ein Weißbier und den guten Kaiserschmarrn einkehren wollen. Der kleine Grenzverkehr ist, wenn man es genau nimmt, von Süd nach Nord gerade ins Stocken geraten.

Natürlich gibt es trotzdem Menschen, die es nicht so genau nehmen. Was für sie ein Freizeitvergnügen bedeutet, ist für die Behörden ein Verstoß gegen die Einreisequarantäneverordnung. Von Amts wegen können sie dafür belangt werden, oben auf der Hütte hingegen nicht. „Das ist nicht das Thema des Wirtes“, sagt da Gloria Martins. Berggastronomen müssen sich um Hygienekonzepte kümmern, Abstandsregeln und die korrekte Registrierung von Gästen. Aber nicht darum, ob sich jemand überhaupt auf dieser Seite der Grenze aufhalten darf.

Nach einer Rückfrage im Gesundheitsministerium sieht das mittlerweile auch Andreas Buttler so. Sein Schild hat er wieder abgehängt. Nun hofft er, dass Ruhe einkehrt, oben in seinem Bergidyll. - Marc Beyer und Michael Weiser - *Merkur.de ist Teil des Ippen-Netzwerks.

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Rubriklistenbild: © Claus Schuhmann / dpa

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