Trotz Corona-Hotspot

Corona-Krise führt zu Absagenflut von Volksfesten - aber zwei bayerische Städte weigern sich

  • Dominik Göttler
    vonDominik Göttler
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Nach der Absage des Oktoberfestes werden immer mehr Volksfeste in Bayern für dieses Jahr abgeblasen. Doch einige Veranstalter zögern noch - oder suchen nach neuen Konzepten.

  • Wegen der Corona-Krise sind Großveranstaltungen bis in den Spätsommer hinein deutschlandweit verboten.
  • Neben der Wiesn wurden auch viele andere Volksfeste abgesagt.
  • In zwei bayerischen Städten zieren sich die Veranstalter aber noch.

München - Mit dem diesjährigen Aus für das weltgrößte Volksfest auf der Münchner Theresienwiese hagelt es reihenweise weitere Absagen von Bierfesten in ganz Bayern - wenn die Pläne wegen des bis 31. August geltenden Verbots für Großveranstaltungen nicht ohnehin schon beerdigt wurden. So gaben etwa die Veranstalter des bekannten Volksfestes Gillamoos in Abendsberg am Dienstag die Verschiebung auf nächstes Jahr bekannt, auch die Regensburger Herbstdult fällt aus. Beim Straubinger Gäubodenfest, dem gemessen an den Besucherzahlen drittgrößten Volksfest in Bayern, kam die Absage bereits vergangene Woche.

Doch obwohl Ministerpräsident Markus Söder (CSU) das Aus für „ähnliche Feste“ bei der Wiesn-Absage mit ankündigte, zögern einige Veranstalter noch. Etwa beim zweitgrößten Volksfest in Bayern, dem Nürnberger Herbstfest, oder dem Rosenheimer Herbstfest, das im September zuletzt rund eine Million Besucher anzog und damit bayernweit auf Platz vier hinter Straubing rangiert.

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Corona-Krise: Rosenheim mit höchster Falldichte in ganz Oberbayern

In Rosenheim ist die Entscheidung deshalb besonders heikel, weil der Landkreis zu den Corona-Hotspots in Bayern zählt. Mit durchschnittlich etwas mehr als 700 Coronafällen pro 100.000 Einwohner weist der Landkreis laut Landesamt für Gesundheit die höchste Falldichte Oberbayerns auf und liegt bayernweit nur hinter den drei ostbayerischen Landkreisen Tirschenreuth, Wunsiedel und Neustadt an der Waldnaab.

In all diesen Landkreisen wurden Anfang März noch Starkbierfeste gefeiert, was zu der auch vom Ministerpräsidenten immer wieder geäußerten Schlussfolgerung führte, dass diese Veranstaltungen das Virus besonders verbreiteten. In Rosenheim wurde das Starkbierfest damals entgegen der Empfehlung des Gesundheitsamtes gestartet - ehe es nach drei Tagen doch abgebrochen wurde.

Man bedenke, dass die bayerische Festkultur im Zusammenhang mit Starkbierfesten, auch dem in Rosenheim, unter dem Verdacht steht, das Ausmaß der Krise im Freistaat erheblich mitbestimmt zu haben.

Corona-Krise: Veranstalter des Rosenheimer Herbstfestes spielt auf Zeit

Veranstalter des Herbstfestes ist der „Wirtschaftliche Verband Rosenheim“. Dort heißt es bislang nur, man werde sich zu gegebener Zeit mit Informationen melden, nachdem ursprünglich Mitte Mai entschieden werden sollte. Starten sollte die große Gaudi eigentlich am 29. August - ein Termin der angesichts des Großveranstaltungsverbots ohnehin nicht zu halten wäre.

Während die Rosenheimer Veranstalter noch über einer Entscheidung brüten, äußert sich der Organisator des Nürnberger Herbstfestes, das ebenfalls Ende August starten sollte, ganz offen über seinen Wunsch nach einer Konzeptänderung. „Uns ist natürlich klar, dass ein Fest in der ursprünglich geplanten Form nicht stattfinden kann“, sagt Lorenz Kalb vom Süddeutschen Schaustellerverband. „Aber man muss uns doch die Chance geben, dass wir andere Formen andenken, um ein Angebot für Familien mit Kindern zu schaffen - gerade jetzt, wo wohl viele Sommerurlaube ausfallen werden.“

Ihm schwebt eine Art temporärer Freizeitpark vor mit verbreiterten Besucherstraßen und Abstandsregeln, bei dem auf große Zelte und Partymusik verzichtet wird. Wirtschaftlich werde sich dieses Konzept für die Schausteller nicht lohnen. „Trotzdem möchten wir es machen, weil wir wieder an unseren Arbeitsplatz möchten“, sagt Kalb. Ohnehin seien die Volksfeste in Nordbayern mit dem Oktoberfest nicht vergleichbar. Für Kalb ist klar: „Ein Quasi-Berufsverbot für uns Schausteller für das ganze Jahr ist nicht tragbar.“

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Dominik Göttler

Rubriklistenbild: © dpa / Felix Hörhager

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