Von Hof nach Lindau fährt man mit dem „Alex“. Foto: fkn

Coup durch die Hintertür: Kauft die Bahn die „Alex-Züge“?

München - Die Deutsche Bahn ist ein weltweit operierender Konzern mit Beteiligungen bis nach Australien und Brasilien.

Doch mit dem jüngsten Coup erzielte erstmals der neue Bahn-Chef Rüdiger Grube Aufsehen – sowohl an den weltweiten Finanzmärkten als auch bei den Bahninteressierten in Bayern: Die Deutsche Bahn hat bei der Londoner Börse in Form einer knappen Pflichtmitteilung Interesse an dem Kauf des britischen Transportkonzern Arriva (44 000 Beschäftigte; 3,3 Milliarden Euro Umsatz) angemeldet. Grube signalisiert damit, dass er wie schon sein Vorgänger Hartmut Mehdorn am Expansionskurs des Unternehmens mit Zukäufen weltweit festhalten wird. Pikant an der jüngsten Offerte ist jedoch folgendes: Arriva betreibt unter anderem den „Alex“ (Arriva Länderbahn Express), deren markante türkis-blaue Züge auf den Strecken München-Lindau/Oberstdorf und München-Hof über Regensburg verkehren – mit einigem Erfolg übrigens. Erst 2007 hatte Arriva die Ausschreibung gewonnen und sich dabei gegen die Deutsche Bahn durchgesetzt. Der Vertrag zwischen dem Freistaat und Arriva gilt bis 2017. Sollte die DB jetzt aber Arriva schlucken, dann hätte sich die ehemalige Staatsbahn quasi durch die Hintertür wieder die Strecken gesichert und den Wettbewerb ausgehebelt. „Die wollen einen Konkurrenten wegkaufen“, sagt der Grünen-Bahnpolitiker Toni Hofreiter aus München misstrauisch. Ihm missfällt außerdem, das Arriva einer der größten europäischen Bus-Betreiber ist – die DB solle den mutmaßlichen Kaufpreis in Höhe von 1,8 bis 2 Milliarden Euro lieber in die heimische Schiene stecken.

Noch ist indes nicht sicher, dass die DB wirklich bei Arriva zum Zug kommt. In bayerischen Bahnkreisen rechnet man damit, dass das Bundeskartellamt Grube dazwischenfunkt. Die DB könnte dazu gezwungen werden, bei einem Zukauf von Arriva die deutschen Buslinien und Regionalzüge wieder abzustoßen – wer dann in Besitz der deutschen Arriva-Zentrale mit Sitz im niederbayerischen Viechtach käme, ist aber offen.

Dirk Walter

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