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Ein Päckchen voller Kristalle: So sieht Crystal Meth im Rohzustand aus.

Einer der gefährlichsten Drogen

Crystal Meth: Ein ernstes Problem in Bayern

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München - Hat er? Seit der SPD-Bundestagsabgeordnete Michael Hartmann im Verdacht steht, Crystal Meth genommen zu haben, ist die Droge wieder ein Thema. Das ist gut. Denn sie stellt ein ernsthaftes Problem dar – zunehmend auch in Bayern.

Einer ist Dozent an der Uni. Seine Karriere verlief schnell und fabelhaft. Das verdankt er einem bröseligen Pulver. Ein anderer hasst Hausarbeit wie die Pest. Aber wenn er eine Dosis geschnieft hat, wird das Bügeln für ihn zum allerherrlichsten Rausch. Das Zaubermittel, das die beiden nehmen, heißt Crystal Meth. Es kann einen Menschen in kürzester Zeit zu Höchstleistungen bringen, sagt Sven Frisch, der die Männer in der Caritas-Fachambulanz in München behandelt. Dann zerstört es einen.

Crystal Meth ist eine der gefährlichsten Drogen überhaupt. Sie ist leicht herzustellen, vergleichsweise billig, wirkt schnell und intensiv, macht hochgradig abhängig und ist nur schwer zu behandeln. Mit Cannabis ist sie eine der meistkonsumierten Drogen der Welt – und verbreitet sich auch in Bayern.

Besonders heftig ist das Problem im Osten des Freistaats. Kein Zufall. Tschechien ist nämlich so etwas wie das Zentrum der Crystal-Produktion in Europa. Hier stehen unzählige „Labore, in denen die Droge professionell hergestellt wird“, sagt Ludwig Waldinger vom bayerischen Landeskriminalamt (LKA). Sie wird dann auf so genannten Vietnamesen-Märkten oder in Diskos verkauft. Immer öfter gelangt sie aber über Zwischenhändler nach Bayern – bis in die Großstädte. „Tschechien ist wie das Zentrum eines Erdbebens“, sagt Waldinger. „Von hier schlagen dann die Wellen aus.“

Und zwar immer weiter. Keine andere Droge verbreitet sich hier so schnell wie Crystal. Die Zahlen beweisen es: 2013 konnte Bayerns Polizei 2123 Fälle von Crystal-Konsum aufdecken. 2009 waren es noch 683. Dass die Beamten im vergangenen Jahr 36 Kilo des Stoffs beschlagnahmten, ist ein kleiner Erfolg, verzerrt aber das Ausmaß des Problems. In Tschechien werden jährlich fünf bis zehn Tonnen Crystal sichergestellt.

Dass der Stoff so erfolgreich ist, hat vor allem mit seiner Wirksamkeit zu tun. Er steigert die Konzentrationsfähigkeit, unterdrückt Hunger, Durst, Müdigkeit, macht für Stunden extrem leistungsfähig. Längst ist Crystal nicht mehr nur eine klassische Partydroge, sondern auch bei Menschen mit anspruchsvollen, stressigen Berufen verbreitet. Und sie ist in beinahe allen Altersklassen beliebt. Das alles merkt auch Klaus Georg Bär, der die Caritas-Fachambulanz im oberpfälzischen Tirschenreuth leitet: „Crystal passt genau in unsere Leistungsgesellschaft.“

Tirschenreuth liegt nur 15 Kilometer von der Grenze zu Tschechien entfernt. Bär sagt, die Zahl der Crystal-Patienten sei deutlich im Anstieg. Von den 260 Süchtigen, die Bärs Einrichtung behandelt, sind inzwischen rund 25 Prozent Crystal-Fälle. Oberflächlich, sagt Bär, behalten die Leute lange die Kontrolle über sich. Aber der körperliche und seelische Verfall geht schneller als bei anderen Drogen. Die Leute werden spindeldürr, verlieren Zähne, haben offene Wunden im Gesicht, leiden unter Magenbeschwerden. Auch im Gehirn kann der Stoff Schaden anrichten, bis hin zu Psychosen.

Die Fälle, die Suchtberater Sven Frisch aus München kennt, sind „vom Verlauf sehr ungünstig“. Heißt: nur schwer zu therapieren. Auch die Rückfallquote ist hoch, manche Experten sprechen von 90 Prozent. Noch, sagt Frisch, überschwemme Crystal uns nicht. Aber LKA-Mann Waldinger betont: „Es ist die größte Gefahr, die wir auf dem Drogenmarkt haben.“

Markus Mäckler

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