CSU-Fraktionschef: Posse um historisches Gartentor

München - Posse aus Schwaben: Es geht um ein historisches Gartentor, das eines Tages verschwand und dann wieder auftauchte – im Garten von Georg Schmid. Für 230 Euro hatte er es gekauft. Die Geschichte hat ein „Gschmäckle“, sagt ein Kreisrat von den Linken.

Georg Schmid, Fraktionschef der CSU im Landtag

Braucht Georg Schmid ein Gartentor oder braucht er keins? Zumal ein historisches aus dem 18. Jahrhundert – handgeschmiedet. Einst stand es an der Promenade in Donauwörth, um Spaziergänger zu erfreuen. Seit 2010 prangt es auf dem Grundstück des CSU-Fraktionschefs im Landtag. Restauriert für einen vierstelligen Betrag, wie es heißt. Alles unverfänglich bis dahin. Nur der Linken-Kreisrat Manfred Seel wittert ein Geschmäckle“ bei der Sache. „Sogar mehr als das“, sagt er. Problem eins: Irgendwann war das beliebte Stück einfach verschollen. Die Spaziergänger sorgten sich um seinen Verbleib, Gerüchte kamen auf. Dabei war alles ganz einfach.

Georg Schmid und seine Frau Gertrud hatten es vom Besitzer des Grundstücks, dem Landratsamt Donau-Ries, gekauft. Ohne öffentliches Ausschreiben zwar. Aber der CSU-Mann findet daran nichts Schlimmes: „Meine Frau hat schon immer einen Blick auf das Tor gehabt.“ Ein Wertgutachten setzte den Preis bei 230 Euro fest. Den zahlten sie. Allerdings, sagt Seel von den Linken, sei dies nie öffentlich gemacht worden. Das Tor verschwand, niemand wusste wohin. Das führt zu Problem zwei: Schmid, sagt Seel, habe sich das Tor „ergaunert“, weil der Kaufpreis in keinem Fall dessen eigentlichem Wert entspreche. Schmid kenne „den Wert und die Bedeutung des Tores“ ganz genau.

Das Stück sei „kunstvoll“ und „historisch“, sagt er. Wäre es nach ihm gegangen, dann hätte das Landesamt für Denkmalpflege eingeschaltet werden müssen. Denn: „Die Öffentlichkeit hat ein Recht, dass das Tor in öffentlicher Hand bleibt.“ Seel ist überzeugt, im Namen der Spaziergänger zu sprechen und fordert: Rückgabe des Tors – zum Kaufpreis. Immerhin seien die Umstände des Kaufs durchaus mysteriös. Und außerdem habe das Tor auf Schmids Grundstück nicht einmal eine „Torfunktion“. Schlimmer: „Zum Spaß hat er das da stehen.“

Das Landratsamt Donau-Ries liefert etwas Aufklärung. Das Gartentor, heißt es in einem Schreiben von Kreiskämmerer Franz Hlouschek, stehe nicht auf der Denkmalliste und sei daher als „normal“ eingestuft worden. Eine Versteigerung per Internet habe man wegen der Gefahr eines „Unter-Wert-Verkaufs“ ausgeschlossen. Will heißen: Das Kaufinteresse der Familie Schmid kam gerade recht. „Für mich ist nur wichtig, dass das Tor in Donauwörth bleibt“, sagt auch Stadtheimatpfleger Ottmar Seuffert. Dass Schmids zur Zeit die einzigen sind, die sich am restaurierten Tor ergötzen – geschenkt.

Von Marcus Mäckler

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