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Die stattliche Villa „Haus Burgstetten“ in Assenhausen bei Berg (Foto oben) gehörte jahrelang dem NSDAP-Anhänger Max Wutz. Er vermachte sie der Hanns-Seidel-Stiftung, die sie verkaufte und aus dem Erlös einen Volksmusikpreis auslobte.

Nach Wirbel um Volksmusikpreis

CSU-Stiftung gibt das braune Erbe ab

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München – 1,42 Millionen Euro mit faulem Geruch brauchen einen neuen Besitzer. Die Hanns-Seidel-Stiftung gibt ihr Nazi-Millionen-Erbe ab. Das Geld, dessen Herkunft lange nicht bekannt war, soll nun umgewidmet werden.

Die wahre Gesinnung verbarg sich in einem Schrank im Wohnhaus des Ehepaars Wutz. Auf der Innenseite, von außen nicht erkennbar, prangten Devotionalien der Nazi-Zeit. Pistolen und Dolche fand man im Haus am Starnberger See, dazu weitere Unterlagen aus und über die NSDAP. Rückblickend gibt es keine Zweifel: Max und Maria Wutz, gestorben Anfang der 80er-Jahre, waren glühende Nationalsozialisten der ersten Stunde, waren mit Hitler eng vertraut. Jetzt erst wird ein angemessener Umgang mit ihrem Erbe gesucht.

Das Ehepaar hatte ein Millionenvermögen unter strengen Auflagen der Hanns-Seidel-Stiftung vermacht. Ein Volksmusikpreis sollte daraus gestiftet werden, bis ins Detail festgelegt war der festliche Rahmen dafür: Defiliermarsch, Bayernhymne, warme Worte. Die CSU-nahe Stiftung nahm das Erbe an und verlieh den Preis über mehrere Jahrzehnte in großer Harmonie, ohne politische Hintergedanken. Offenbar glaubte sie den Beteuerungen der Stifter, sich von der NSDAP schon vor Kriegsbeginn distanziert zu haben; spätere Stiftungschefs ahnten nichts davon. Man habe „im guten Glauben“ gehandelt, sagt ein Sprecher. Erst Recherchen unserer Zeitung und des „Spiegel“ im November 2012 machten die tiefe braune Verstrickung des Ehepaars Wutz bekannt.

Inzwischen hat die Stiftung ein externes Gutachten eingeholt. Das Münchner Institut für Zeitgeschichte zählt Max und Maria Wutz zum Kreis von Hitlers frühen Gefolgsleuten, der „Sternecker-Gruppe“ – benannt nach einem Wirtshaus, in dem Hitler die erste NSDAP-Zentrale führen ließ. Herausragende Führungsleute waren sie nicht, Max Wutz brachte es für ein halbes Jahr zum zweiten Kassenwart der jungen Partei. Seine Spruchkammerakte stuft ihn aber in Gruppe II („schuldig“) ein.

Die Stiftung zieht jetzt Konsequenzen. Das Vermögen von 1,42 Millionen Euro, das sich unter anderem aus dem Verkauf der Villa speiste, ist seit drei Monaten auf einem Notar-Konto geparkt. Es wird keine Preise mehr geben, sondern ein neuer Zweck gesucht, in den das Vermögen fließen kann. „Aussöhnung und Wiedergutmachung“ gibt die Stiftung als Ziel vor. Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) denkt an eine Umwidmung für den Jugendaustausch oder die Erinnerungsarbeit an die NS-Zeit. Das sei „zunächst ein Gedanke“.

Für die parteinahe Stiftung ist ein schneller und harter Schnitt wichtig, um weitere politische Verwicklungen zu vermeiden. Vermutlich wegen der Wutz-Berichte hatte der frühere israelische Präsident Peres den ebenfalls von der Stiftung verliehenen Franz-Josef-Strauß-Preis abgelehnt. Für die wahlkämpfende CSU, deren Chefs und Ehrenchefs allesamt in der Stiftungs-Spitze sitzen, war es ein unangenehmer Vorgang.

Nicht zuletzt heißt es, Stiftungsvorsitzender Hans Zehetmair wolle das Erbe nach einigem Zögern eilig loswerden. Die Stiftung hatte schon über ein Jahr vor Bekanntwerden der Vorwürfe intern Hinweise auf den braunen Mief des Erbes, hatte diese aber nicht weiterverfolgt. Sie verzichtete nur auf die Nennung des Namens Wutz. Erst nach Recherchen der Medien stellte sich Zehetmair an die Spitze der Aufklärung.

In der Stiftung stehen im Frühjahr 2014 zudem Neuwahlen an. Bisher gilt als offen, ob der seit 2004 amtierende Zehetmair (76) nochmal antritt und wie groß die Unterstützung für ihn wäre. Er hat sich nicht festgelegt. Je nach Wahlausgang in München und Berlin im Herbst könnten andere erfahrene Parteifreunde in den Vorsitz drängen. Christa Stewens und Gerda Hasselfeldt werden dafür unter anderem genannt. Auch an eine Verjüngung und den Umbau der Stiftung in eine Ideenwerkstatt für die Politik denkt man an anderer kundiger Stelle in München. Es gebe „hohen Nachholbedarf“. Berichte über alte braune Schatten wären dafür nicht hilfreich.

Christian Deutschländer

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