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Dachser erstmals mit mehr als sieben Milliarden Euro Umsatz

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Dachser Logistik
Blick auf ein Lager des Logistikunternehmens. © Ralf Hirschberger/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

Mit Lkw-Transporten ist Dachser groß geworden, jetzt baut der Allgäuer Familienkonzern sein Luftfrachtgeschäft rasant aus und verdient prächtig damit. Aber Dieselpreise und Fahrermangel machen Sorgen.

Kempten - Der Allgäuer Logistikkonzern Dachser hat sein Geschäft mit Luft- und Seefracht im vergangenen Jahr fast verdoppelt und so erstmals mehr als sieben Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet. Weil die Lieferketten angespannt und Frachtraum weltweit knapp war, stiegen die Frachtraten enorm. Dachser habe Kunden enger an sich binden „und insbesondere das Geschäft mit Großkunden gezielt ausbauen“ können, sagte Vorstandschef Burkhard Eling am Dienstag in Kempten.

Aber 2021 sei ein Ausnahmejahr gewesen, „dessen Resultate durch ein außergewöhnlich positives Marktumfeld potenziert wurden. Das wird sich aller Voraussicht nach so nicht wiederholen“, sagte der Konzernchef. Wie stark Russlands Krieg in der Ukraine die Wirtschaft noch belasten werde, sei offen. „Aufgrund der gegenseitigen Sanktionen sind die Luftfrachtkapazitäten um circa 20 Prozent gesunken.“ Die Menge der mit Lastwagen transportierten und von Dachser gelagerten Waren dürfte dieses Jahr um drei bis fünf Prozent zunehmen. Der teure Diesel, der Fahrer- und Fachkräftemangel und der Klimaschutz trieben jedoch die Kosten.

Wachstumsmotor im vergangenen Jahr war die Luftfracht. Das Geschäftsfeld Luft- und Seefracht „war geprägt von einem knappen Angebot und hoher Nachfrage, was zu einem besonders starken Preisanstieg in diesem Segment beitrug“, erklärte Eling. Die Tonnage nahm um 21 Prozent zu, der Umsatz sogar um 78 Prozent von 1,2 auf 2,1 Milliarden Euro. Dachser habe ein eigenes Luftfrachtnetzwerk mit regelmäßigen Verbindungen zwischen Asien, Europa und den USA aufgebaut und sei damit vom bloßen Vermittler „in die Champions League“ aufgestiegen, sagte der Vorstandschef.

„Zuverlässig verfügbarer Frachtraum gibt Kunden Planungssicherheit - und das war 2021 der Schlüssel zum Erfolg“, sagte Eling. „Zudem hat es sich als sehr vorteilhaft erwiesen, dass wir die Ware aus Übersee direkt in unser eigenes europäisches Landverkehrsnetz zur Distribution und Zustellung einspeisen können.“

Das größte Geschäftsfeld, der Lkw-Transport und die Lagerung von Industrie- und Konsumgütern in Europa, legte nach jahrelanger Stagnation und einem Rückgang im Vorjahr deutlich zu. Der Umsatz stieg um 13 Prozent auf 3,9 Milliarden Euro. Beim Transport und der Lagerung von Lebensmitteln konnte Dachser neue Kunden gewinnen und so trotz der Corona-Beschränkungen in der Gastronomie in Deutschland den Umsatz um 10 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro steigern.

Insgesamt wuchs der Umsatz 2021 um 26 Prozent auf 7,1 Milliarden Euro. Zum Gewinn machte der Familienkonzern keine Angaben. Es „war auch in dieser Hinsicht ein außergewöhnlich gutes Jahr“, sagte Eling lediglich. Die Aktien der Dachser SE seien vollständig in Familienbesitz, „und das wird auch so bleiben“.

Im laufenden Jahr will der Konzern rund 200 Millionen Euro investieren. Ein Schwerpunkt sei Digitalisierung. „Ein auf künstlicher Intelligenz basierender Algorithmus prognostiziert Sendungsmengen bis zu 25 Wochen im Voraus“, sagte Eling. Bis zum Sommer stattet Dachser gut 8500 Container mit solarbetriebenen GPS-Sendern aus, die Positionsdaten senden. „Ankunftszeiten lassen sich so berechnen. Alle Linienverkehre im Dachser-Netzwerk werden erstmals in Echtzeit sichtbar.“ Ein Leuchtturmprojekt sei auch „unser voll automatisiertes Hochregallager in Memmingen für 52 000 Paletten, das im Oktober in Betrieb geht“.

Dachser besitzt die Container und Wechselbrücken, lässt sie aber meist von selbstständigen Fuhrunternehmern fahren und betreibt selbst nur einen kleinen Fuhrpark. Wegen der gestiegenen Dieselpreise bekämen die Transporteure höhere Vergütungen, betonte Eling: „Wir tun alles, um ihre Belastungen fair abzufedern.“ dpa

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