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Jeden Montagabend steht Imkerpate Stefan Reil (li.) den Nachwuchsimkern in Hochmutting mit Rat und Tat zur Seite.

Ansturm auf die Imkerei

Im Bienenstock summt’s wieder

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In Bayern gibt es wieder mehr Bienen. Nach Jahren des Bienensterbens haben sich die Insekten wieder erholt - dank vieler Jungimker. Ihnen geht es allerdings um mehr als Profit.

Christian Schurk besitzt zwei Bienenkästen. Bald erntet er seinen ersten Honig.

München – Nelkenduft liegt in der Luft, als Christian Schurk (34) wie jeden Montagabend nach seinen Bienen schaut. Intensiv und fast betörend riecht das in Nelkenöl getränkte Stofftuch in seiner Hand. „Damit ich die Beute kontrollieren kann, beruhige und verscheuche ich die Bienen“, erklärt der Moosacher. Beute nennen Imker die Bienenkästen. „Den Nelkenduft mögen sie nicht“, sagt er, als er den Deckel der Beute öffnet. Hunderte Bienen wuseln darin herum. Schurk bedeckt sie mit dem Tuch – und sofort suchen die Tiere das Weite. Nun kann er loslegen.

Christian Schurk ist einer der knapp 100 Nachwuchsimker, die beim Bienenzuchtverein München den Anfängerkurs „Imkern auf Probe“ machen. Er ist im zweiten und letzten Lehrjahr. Seine beiden Beuten stehen neben denen der anderen Jungimker am vereinseigenen Lehrbienenstand in Hochmutting bei Oberschleißheim. Wenn sein Kurs im Winter zu Ende ist, will er seine Kästen in seinem Garten aufstellen und daheim Bio-Honig machen. Der Software-Entwickler erzählt: „Für mich ist das Imkerhandwerk mein perfekter Ausgleich zur Computerarbeit.“

Immer mehr Bienen summen durch Bayern – dank der jungen Imker

Mit seinem Traum vom selbst produzierten Honig ist er nicht allein, Bienenhaltung liegt im Trend. Während die Imkerei früher vor allem als Rentnerhobby galt, begeistern sich auch jüngere Menschen dafür – und daher gibt es wieder mehr Bienen. „2015 waren es in Bayern fast 164 000, nun sind es rund 185 000 Völker“, sagt Eckard Radke, Präsident des Landesverbands Bayerischer Imker (LVBI). Mit rund 28 200 Mitgliedern hat der Verband nun fast 5400 mehr als noch 2010. 

Bayerns Bienen haben sich durch den Ansturm auf die Imkerei vermehrt.

Es summt also wieder öfter auf Bayerns Feldern, Gärten und Obstplantagen. Eine gute Nachricht, denn jährlich sterben viele der nützlichen Insekten durch Futtermangel, Insektengifte – und nicht zuletzt durch die Varroamilbe, einen berüchtigten Parasiten, der inzwischen in fast jeder Beute lauert. Doch der Ansturm auf die Imkerei gleicht das Bienensterben aus. „Wir haben nun genug Bienen in Bayern“, sagt Radke.

Zurück in Hochmutting am Lehrbienenstand. Ausgerüstet mit der typischen Imkermontur – bestehend aus einer Jacke, einem Hut mit Schleier und Handschuhen – begutachten Christian Schurk und die anderen Jungimker die Bienenkästen und tauschen sich aus. Fachwissen haben sie in Theoriestunden gelernt, nun gilt es, Praxiserfahrung zu sammeln.

Acht Euro für 500 Gramm: Bayerischer Honig selten und begehrt wie nie

Mit geübtem Blick überprüft Alexander Möller (M.) die Beuten seiner Schützlinge.

Daneben steht Alexander Möller, Vize-Vorsitzender des Bienenzuchtvereins München, und beobachtet seine Schützlinge. Ihn freut ihre Begeisterung für die Tiere. „Und wer Hilfe braucht, kann die Imkerpaten fragen“, sagt Möller. Einer dieser erfahrenen Kollegen ist der Feldmochinger Stefan Reil (48). Schon als Jugendlicher half er seinem Vater beim Imkern, damals noch ohne Ausbildung. Dass die Insektenvölker aber fachkundige Betreuung brauchen, hat er vor wenigen Jahren gemerkt. „Damals starben alle meine zehn Völker in einem Winter“, sagt Stefan Reil. Daher machte er vor fast vier Jahren selbst den „Imkern auf Probe“-Kurs.

Die Teilnehmer starten mit einer Königin und einem kleinen Volk von 2000 bis 3000 Tieren, das sie dann aufpäppeln. Zurzeit leiden die Bienen an den Folgen des Kälteeinbruchs, sie müssen von ihren Vorräten zehren. Daher wird die Honigernte, die sogenannte Tracht, wohl kleiner ausfallen, sagt Alexander Möller. Trotzdem fiebert Christian Schurk auf seine erste Tracht in rund einem Monat hin. „Vorerst will ich nur für meinen Bedarf produzieren“, sagt er.

Dabei ist das Honiggeschäft lukrativ, denn regionale Ware ist begehrt und selten, sagt Peter Maske, Präsident des Deutschen Imkerbunds. Gekauft würde die süße Leckerei, obwohl 500 Gramm teils acht bis zehn Euro kosten. An den Preisen werden die Jungimker aber nichts ändern. Eckard Radke weiß: „Ihnen geht es nicht um Ertrag, sie wollen der Natur etwas Gutes tun.

Bayerns Imker suchen ihre neue Honigkönigin 

Die bayerischen Imker suchen eine neue Botschafterin. Für das zweijährige Ehrenamt der Honigkönigin wird eine charmante und redegewandte junge Frau von mindestens 18 Jahren gesucht, die sich sehr gut mit heimischem Honig auskennt. Schließlich ist es ihre Aufgabe, regelmäßig auf Märkten und Messen sowie bei Imkerveranstaltungen für den bayerischen Honig zu werben.

Interessentinnen senden ihre Bewerbung mit Lebenslauf und Lichtbild bis Montag, 15. Mai, an den Landesverband Bayerischer Imker e.V., Georg-Strobel-Straße 48, 90489 Nürnberg. Verlangt wird zudem ein Kurzreferat.

Weitere Infos gibt es im Internet unter www.imker-bayern.de sowie via E-Mail an Bayerische.Honigkoenigin@t-online.de

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