+
Um Leben und Tod geht es, wenn ein Krankenwagen mit Blaulicht und Martinshorn unterwegs ist. Dann müssen andere Autofahrer Platz machen - Rücksicht muss der Krankenwagen aber trotzdem nehmen.

Nachgefragt beim Roten Kreuz

Blaulicht! Was dürfen Rettungsfahrzeuge eigentlich?

München - Der Fall des "rasenden" Notarztes Dr. Alexander Hatz sorgte für Aufsehen. Viele stellten die Frage, was Rettungsfahrzeuge eigentlich dürfen. Wir haben beim Roten Kreuz nachgefragt.

Wenn sich Feuerwehr, Notarzt oder Polizei ins Auto setzen, dann pressiert's meistens. Ihr Blaulicht sorgt dafür, dass sie den Einsatzort so schnell wie möglich erreichen und Leben retten können. Im aktuellen Fall von Notarzt Dr. Alexander Hatz kassierte dieser einen Strafbefehl, weil er zwei Autofahrer gedrängt haben soll. Inzwischen wurde der Strafbefehl wieder zurückgenommen. Der Notarzt sei nicht rücksichtslos gefahren.

Fahrt mit Blaulicht: Sonderrechte

Genau darauf kommt es nämlich an, wenn Rettungsfahrzeuge mit Blaulicht unterwegs sind. "Wir machen das Blaulicht an, wenn wir Sonderrechte in Anspruch nehmen müssen", sagt Gabriel Pollak, Leiter des Rettungsdienstes beim Bayerischen Roten Kreuz in München. Konkret heißt das, dass das Fahrzeug mit Blaulicht von der Straßenverkehrsordnung befreit ist. Sie können dann zum Beispiel falschherum in eine Einbahnstraße oder bei Rot über die Ampel fahren.

Eine Einschränkung gibt es da allerdings: Bei einer Blaulichtfahrt ist der Fahrer nicht vom Paragraph 1 der Straßenverkehrsordnung befreit: gegenseitige Rücksichtnahme. Das heißt, jeder Verkehrsteilnehmer hat sich so zu verhalten, dass kein anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird. Alle Verkehrsteilnehmer - auch Blaulichtfahrer. Deswegen fahren Rettungswagen nur mit Schritttempo über eine rote Ampel. "Wir müssen damit rechnen, dass sich andere Verkehrsteilnehmer nicht logisch verhalten", sagt Pollak.

Fahrt mit Blaulicht und Martinshorn: Wegerecht

Ertönt das Martinshorn, bedeutet das für Autofahrer: Aus der Bahn. Wenn Rettungsfahrer wie Pollak das einschalten, besteht eine "Gefahr für Leib und Leben". Pollak: "Werden wir etwa zu einer Reanimation gerufen, geht es um Sekunden."

Blaulicht und Martinshorn sind längst nicht bei jedem Einsatz erforderlich. "Wenn wir jemanden zum Beispiel vom Krankenhaus nach Hause bringen, schalten wir es nicht ein." Darüber entscheidet übrigens die Rettungsleitstelle. "Wenn wir Blaulicht und Martinshorn nicht brauchen, sagen die uns das, wenn sie uns rufen", sagt Pollak.

12 Minuten

Solange darf es höchstens dauern, bis die Retter bei ihrem Einsatzort sind. "Natürlich so schnell wie möglich. Aber höchstens 12 Minuten laut bayerischem Gesetz", erklärt Pollak. Das sei eine realistische Vorgabe. Die Zeit wird nämlich regelmäßig überprüft. Schließlich entstehen Neubaugebiete, die Einwohnerzahl steigt und der Verkehr ändert sich. Wenn der Auftrag nicht eingehalten werden kann, müssen zum Beilspiel mehr Rettungsfahrzeuge zur Verfügung stehen.

Übung macht den Meister

Die mühsam in der Fahrschule gelernten Straßenverkehrsregeln nicht zu beachten, das ist gar nicht so leicht. Zumal die Unfallgefahr in einem Rettungsfahrzeug viel höher ist. Deswegen üben die Mitarbeiter erst mal an einem Simulator, bevor sie mit Blaulicht und Martinshorn durch die Stadt düsen. "Außerdem werden sie jährlich neu unterwiesen", sagt Pollak.

Und die Autofahrer?

Autofahrer reagieren nicht immer so, wie es nötig wäre, damit die Retter schnell an ihnen vorbeikommen. "Da gibt es leider immer mal wieder Probleme." Sie verhalten sich hektisch oder unlogisch, sagt Pollak. "Autofahrer bremsen zum Beispiel, wenn sie uns im Rückspiegel sehen."

Das sollten Autofahrer aber auf keinen Fall. "Am besten ist es, wenn Sie entspannt weiter und auf die Seite fahren, um uns den Weg frei zu machen." Auf der Autobahn wird die Rettungsgasse übrigens zwischen der linken und der mittleren Spur gebildet.

Susanne Weiß

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Handball-Schiri: Unfaire Trainer und Eltern der jungen Spieler machen mich sprachlos
Dominik ist Handball-Schiedsrichter in Bayern. In seinem Gastbeitrag beschreibt er zwei Erlebnisse, die er nicht vergessen wird: Schubsende Spieler, die von ihren Eltern …
Handball-Schiri: Unfaire Trainer und Eltern der jungen Spieler machen mich sprachlos
Bedrohte Defline: Tiergarten bittet um Hilfe 
Dem Vaquita-Delfin droht die Ausrottung - deshalb wirbt der Tiergarten Nürnberg um Unterstützung für eine internationale Rettungsaktion für die Meeressäuger.
Bedrohte Defline: Tiergarten bittet um Hilfe 
Badeverbot an oberfränkischem See
Der Naturbadesee im oberfränkischen Frensdorf ist vorerst für Badegäste gesperrt. Schuld sind Bakterien, die Allergien, Hautreizungen und mehr auslösen können. 
Badeverbot an oberfränkischem See
Hund beißt Radfahrer mehrmals in den Kopf
Ein nicht angeleinter Hund hat einen 83-Jährigen angegriffen und in den Kopf gebissen. Die Halterin sah tatenlos zu und verschwand - nach ihr wird nun gesucht. 
Hund beißt Radfahrer mehrmals in den Kopf

Kommentare