Darum darf Werner N. legal kiffen

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Bad Griesbach - Werner N. ist einer von 62 Menschen in Deutschland, die legal Cannabis konsumieren dürfen. Wie es dazu kam und welche Rolle die TU München dabei spielt:

Seit 20 Jahren leidet Werner N. an einem Schiefstand der Wirbelsäule und hat häufig unerträgliche Schmerzen. Wie die Passauer Neue Presse berichtet, hat er es mit Krankengymnastik versucht und starke Schmerzmittel eingenommen - alles vergebens. Eine gesundheitliche Verbesserung war nicht in Sicht.

Er war verzweifelt und setzte seine letzte "Hoffnung" in den Konsum von Cannabis. Nachdem die herkömmlichen Mittel keine Besserung brachten, warum nicht einmal etwas Verrücktes versuchen? Und tatsächlich: Die Schmerzen ließen nach, aber weil der Konsum von Cannabis illegal ist, landete Werner N. bald vor Gericht. Durch ein ärztliches Gutachten und Forschungsergebnisse der TU München konnte N. nachweisen, dass seine Schmerzen durch Cannabis gelindert werden könnten. Seither ist er einer von 62 chronischen Schmerzpatienten, die Cannabis als Arzneitmittel nutzen dürfen.

Gesundheitlich geht es ihm besser, aber in seiner Heimat, einem kleinen Dörfchen in der Nähe von Bad Griesbach, tuscheln die Menschen über den "Kiffer" und bezeichnen ihn als Süchtigen. "Ich habe genug von den Gerüchten. Das darf jeder wissen. Ich mache nichts Verbotenes", wird N. zitiert. Er sucht bereits für sich und seine Familie ein neues Zuhause.

Neben dem nervigen Geplapper der Nachbarn gibt es noch einen weiteren unerfreulichen Nebeneffekt. Die Krankenkasse übernimmt keine Kosten. Monatlich raucht N. etwa 20 Gramm Cannabis. Dafür werden 320 Euro fällig. Immerhin: Um seinen Führerschein muss er nicht bangen. Seit zehn Jahren ist er von Beruf Klauenschneider und deshalb viel unterwegs. Da er das Cannabis nicht als Rauschmittel konsumiert, darf er "unter Betäubungsmitteleinfluss" auch Auto fahren.

jb

Rubriklistenbild: © dapd

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