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„Das Gymnasium ist die neue Volksschule“

Das bayerische Schulsystem steht vor massiven Herausforderungen, sagt die Landtags-SPD. Die Hauptschule habe „keine Zukunft“, die Gymnasien würden überrannt. Der Kultusminister nennt das „Schauergeschichten“.

Erst war es die Nachricht über stark sinkende Schülerzahlen an den Hauptschulen, die die Bildungspolitiker aufschreckten (wir berichteten). Jetzt weist der SPD-Bildungspolitiker Martin Güll im Umkehrschluss auf eine gravierende Folge des neuen Übertrittsverhaltens hin: Die Gymnasien, auf die in den 60er und 70er Jahren nur die besten 20 Prozent eines Jahrgangs gingen, haben starken Zulauf. In den Worten von Güll: „Das Gymnasium ist die neue Volksschule.“

Doch es sei darauf nur unzureichend vorbereitet. Tatsächlich wird die Übertrittsquote aufs Gymnasium nach Angaben des Kultusministeriums um zwei Prozent steigen und damit zwischen 41 und 42 Prozent betragen. Kultusminister Ludwig Spaenle betont, das sei nicht „der Untergang des gegliederten Schulsystems“.

Richtig ist aber auch, dass es je nach Region Schwankungen gibt. In Oberbayern betrug die Übertrittsquote schon im vergangenen Jahr 43 Prozent, in Niederbayern nur 32,4 Prozent. Stark ländliche Regionen holen freilich auf, in Niederbayern (plus sieben Prozent), Schwaben (plus fünf) und Oberfranken (plus 4,3) ist der Zulauf diesmal groß, in Oberbayern-Ost beträgt er indes nur 0,64 und in Oberbayern-West nur 0,25 Prozent.

Selbst hier gibt es aber Unterschiede, wie die Statistik des vergangenen Jahres zeigt. Im Landkreis Mühldorf wählten nur 28,7 Prozent der Viertklässler das Gymnasien, in Garmisch-Partenkirchen 40,6 Prozent. In Starnberg waren es aber 57,4 Prozent, im Kreis München gar 61 Prozent. Güll sagt, „unterhalb der Mittleren Reife wird kein Schulabschluss mehr von den Eltern akzeptiert“. Der Kultusminister müsse Dialogforen zur Schulentwicklung in jedem Landkreis einrichten. Dabei dürfe die Diskussion über Schularten kein Tabu sein. „In der jetzigen Form hat die Hauptschule keine Zukunft“, sagt der ehemalige Hauptschulrektor Güll.

Von Dirk Walter

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