Reinhard Marx Erzbischof von München und Freising. Foto: Dapd

„Das schlimmste Jahr meines Lebens“

München - Missbrauchs-Skandale wie 2010 im Kloster Ettal haben die Kirche erschüttert. Mit einem Internetportal sollen kirchliche Mitarbeiter nun Hinschauen lernen.

„Für mich als Erzbischof war das Jahr 2010 das schlimmste meines Lebens“, so Reinhard Marx gestern auf einer Pressekonferenz. In der Erzdiözese München und Freising sei „furchtbares Leid“ geschehen. Er spielte damit auch auf den Skandal im Kloster Ettal an. Anfang 2010 war ein Bericht über jahrzehntelangen sexuellen Missbrauch und brutale Misshandlungen bekannt geworden. Damals kündigte Marx an, mehr für Prävention zu tun. „Wir arbeiten daran, eine neue Kultur des Hinschauens und der Verantwortung zu verankern“, sagte der Erzbischof gestern.

Hinschauen lernen sollen Priester, Diakone, pastorale Mitarbeiter und Religionslehrer mit dem Internetportal „E-Learning“ - einer Art Online-Schulung zur Prävention von sexuellem Missbrauch. Die Teilnehmer haben Zugriff auf Fachliteratur, beobachten nachgestellte Gespräche, in denen sich Opfer Betreuern anvertrauen, oder werden sensibilisiert auf Anzeichen. Ist ein Kind sehr ängstlich? Erschrickt es leicht? Am Ende der Schulung absolvieren die Teilnehmer eine Prüfung und erhalten ein Zertifikat der päpstlichen Universität Gregoriana.

Noch ist das mehrsprachige Internetportal in der Aufbauphase, acht Kooperationspartner, Diözesen und Gemeinden auf der ganzen Welt, machen erste Probekurse. „Das Angebot soll niedrigschwellig und einfach sein“, erklärt Hubert Liebhardt, Diakon und Forschungsleiter im Bereich Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Uniklinik Ulm. Die päpstliche Universität Gregoriana und die Erzdiözese München und Freising werden in München ein „Zentrum für Kinder- und Jugendschutz“ einrichten - Liebhardt wird es leiten. Hier sollen das E-Learning-Center und das Internetportal entwickelt werden. Bis spätestens 2015 soll es weltweit für die Diözesen freigeschaltet werden. Erzbischof Reinhard Marx sagte, dass er sich vorstellen könne, dass die Schulung dann verpflichtend für alle Mitarbeiter in der Kinder- und Jugendarbeit wird.

Von Kathrin Garbe

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