DAV-Studie: So gefährlich ist der Berg

München - Der Alpenverein will mit dem „Mythos der gefährlichen Berge“ aufräumen. Aus Sicht des DAV sind Fußball und Volleyball riskanter als Klettern oder Bergwandern. Laut Statistik gebe es selbst beim Tischtennis mehr Verletzungen.

Das Risiko, sagt Stefan Winter vom Deutschen Alpenverein (DAV), ist immer da. „Gefahren zu meistern, gehört zum Erlebnis dazu.“ Dennoch seien Bergsteiger keine „verrückten Hasardeure“. Es sei an der Zeit, endlich mit dem falschen Bild aufzuräumen. Der Sport sei in Wahrheit viel sicherer als sein Ruf. Nach Angaben des Alpenvereins sterben immer weniger Menschen in Bayerns Bergen. In den beiden Jahren 2008 und 2009 kamen insgesamt 76 DAV-Mitglieder bei alpinen Aktivitäten ums Leben. Das sei der niedrigste Stand seit Beginn der Datenerfassung im Jahr 1952. Zählt man noch die Bergsteiger ohne DAV-Pass hinzu, komme man im vergangenen Jahr auf 95 Tote. Beim Schwimmen würden jedes Jahr zwischen 400 und 600 Menschen in Deutschland sterben. Das Risiko im Wasser sei somit viel größer als die Gefahr in den Bergen. Ein wesentlicher Grund für die sinkende Zahl an Todesfällen sei das Handy.

Anfang der 90er Jahre dauerte es im Schnitt fünf Stunden, bis die Retter benachrichtigt waren, sagt DAV-Hauptgeschäftsführer Thomas Urban. Heute dauere das durchschnittlich nur noch 20 Minuten. Zeit, die Leben rettet. Wie schon in den Vorjahren verunglückten am häufigsten Wanderer (36 Prozent). Mehr als die Hälfte von ihnen stolperte, knickte um oder rutschte aus, teils mit tödlichen Folgen. 19 Prozent bekamen körperliche Probleme, allen voran Herz- und Kreislaufbeschwerden. Im Zuge der Pressekonferenz präsentierte der DAV auch einen statistischen Vergleich zwischen dem Bergsport und anderen Sportarten. Danach sei die Häufigkeit der Verletzungen bei Bergwanderungen besonders niedrig. Das durchschnittliche DAV-Mitglied könne 91 Jahre lang wandern, ohne dass ein Unfall passiere. Pro 1000 Stunden Bergwandern treten lediglich 0,14 Verletzungen auf, so die DAV-Statistik.

Beim Tischtennis verletze man sich vergleichsweise häufig – 0,6 Mal pro 1000 Stunden. Am häufigsten treffe es mit 2,6 Verletzungen die Fußballer. „Natürlich sind das unterschiedliche Verletzungen“, schränkte Winter ein. Dennoch könne man mit dem Vergleich einen „deutlichen Trend“ aufzeigen: „Bergsport ist Breitensport.“ Der Trend bei den Unfällen sowie den tödlichen Verletzungen gehe zwar zurück, dafür komme es aber immer häufiger zu Unglücken in Klettersteigen. In den vergangenen zehn Jahren habe sich die Zahl in etwa verdreifacht. Insgesamt verletzten sich in 2008 und 2009 63 DAV-Mitglieder, zwei Personen kamen dabei ums Leben. Der traurige Anstieg hänge vor allem mit dem „Trendsport-Charakter“ des Klettersteiggehens zusammen. Immer mehr Bergsportler seien nicht ausreichend ausgerüstet. Auch der „Boom“ beim Hallenklettern habe eine negative Seite: Viele würden die Techniken nur von Freunden lernen und seien später mit dem Fels in der Natur überfordert. Die Hälfte aller Unfälle in der Fränkischen Schweiz habe es in dieser Saison mit Hallenkletterern gegeben, sagt Kriminaloberkommissar Wolfgang Pfeffer. „Man sieht, dass die Leute das Risiko nicht abschätzen können.

Thomas Schmidt

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