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Die Gefahr am Straßenrand: Die Wildunfallzahlen steigen kontinuierlich. Die SPD will die Sicherheit für Autofahrer durch höhere Abschussquoten verbessern.

Mehr Wildunfälle

Neue Debatte um Abschussquote

München – Angesichts der steigenden Zahlen von Verkehrsunfällen mit Wild spricht sich die Landtags-SPD für eine höhere Abschussquote aus. Eine Forderung, die der Ökologische Jagdverband schon seit vielen Jahren äußert.

Die Gefahr kommt meistens wie aus dem Nichts. Und trotz Hinweisschildern ist kaum ein Autofahrer auf sie vorbereitet. Auf Rehe oder Wildschweine, die plötzlich am Waldrand auftauchen und direkt vor dem Auto über die Straße rennen. Die Zahl der Wildunfälle steigt. Kontinuierlich. Von 2010 bis 2013 um zehn Prozent – das sind 6510 Fälle mehr. Besonders in Ober- und Niederbayern sind die Zahlen dramatisch. Für die Landtags-SPD gibt es nur eine Lösung, um Bayerns Straßen sicherer zu machen: höhere Abschussquoten. Mit dieser Forderung hat die Fraktion eine Diskussion ausgelöst, in der sogar die Jäger nicht einer Meinung sind.

Die niederbayerische SPD-Landtagsabgeordnete Ruth Müller forderte am Montag, nicht nur die Abschussquoten zu erhöhen, sondern auch den Einsatz von Nachtzielgeräten zu erlauben. „Für das Wild macht es keinen Unterschied, ob es am Tag oder mit Hilfe solcher Geräte bei Nacht geschossen wird“, sagte sie. Das sieht Thomas Schreder, Sprecher des Bayerischen Jagdverbandes (BJV), völlig anders. „Das Wild weiß, dass es nachts in der Regel ungestört Nahrung suchen kann – wird dieser Schutzbereich gestört, werden die Tiere noch unruhiger“, sagt er. Wenn die Tier nachts durch Schüsse aus dem Wald gescheucht werden, könnte das die Zahl der Wildunfälle sogar erhöhen, befürchtet der Freie-Wähler-Fraktionschef Hubert Aiwanger.

Das wiederum bezeichnet Wolfgang Kornder, der Vorsitzende des Ökologischen Jagdverbands (ÖJV), als ein „Märchen“. Je mehr Tiere es im Wald gibt, desto größer wird der Druck, argumentiert er. „Das Wild jagt sich selbst durch die Gegend.“ Der ÖJV fordert seit 20 Jahren, dass die Abschussquoten erhöht werden, sagt Kornder. Er freut sich, dass das Thema nun endlich auch politisch diskutiert wird. „Aus der Jagdpraxis wissen wir, dass sich die Unfallzahlen reduzieren, wenn sich der Wildbestand reduziert“, sagt der ÖJV-Chef. Warnschilder für die Autofahrer und Reflektoren, die Wildtiere von der Straße fernhalten sollen, reichen seiner Meinung nach nicht aus, um das Unfallrisiko zu vermindern. Die Gefahr werde unterschätzt, an die Reflektoren hätten sich die Tiere nach spätestens zwei Jahren gewöhnt.

Jäger Thomas Schreder hat damit ganz andere Erfahrungen gemacht. „In meinem Revier haben wir durch Duft- und Reflektor-Abschreckungen die Zahl der Wildunfälle im letzten Jahr von zehn auf einen reduziert.“ Pauschal höhere Abschusszahlen zu fordern, ist seiner Meinung nach keine Lösung – und nicht im Sinne der Wildtiere. „Wir zerschneiden mit immer mehr Straßen ihren Lebensraum“, sagt er. „Wenn wir wollen, dass Bayern eine Heimat für Wildtiere bleibt, müssen wir andere Wege gehen.“ Schreder fallen mehrere Alternativen zu einer erhöhten Abschussquote ein. Zäune an Autobahnen und Schnellstraßen zum Beispiel. Und gezielte Bejagung in den Waldgebieten, in deren Nähe besonders häufig Wildunfälle passieren. Das sei wesentlich einfacher, als die Abschussquote zu ändern, glaubt er. Und der bessere Weg.

„Einen hundertprozentigen Schutz wird es allerdings nicht geben.“ Auch durch höhere Abschusszahlen lässt sich das Problem nicht lösen. Zumindest in diesem Punkt sind BJV und Hubert Aiwanger einer Meinung. Der Freie-Wähler-Fraktionschef forderte deshalb die Autoindustrie auf, Warnsysteme zu entwickeln, welche auf herannahende Tiere hinweisen.

Katrin Woitsch

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