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Mit der Aktion gegen Gaffer auf der A3 hat der Feuerwehrmann eine Riesen-Debatte ausgelöst.

Das Netz hat einen Buhmann

Debatte: Feuerwehrmann stoppt Gaffer auf A3 - wo war eigentlich die Polizei?

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Vier Tage ist es her, dass ein Feuerwehrmann auf der A3 im Spessart zu einem ungewöhnlichen Mittel gegen Gaffer gegriffen hat. Die Aktion wird im Netz heiß debattiert - mit einem überraschenden Buhmann. 

Weibersbrunn - Seit ein Feuerwehrmann aus Waldaschaff am Donnerstag auf der A3 im Spessart seinen Schlauch auf die Lastwagen gerichtet hat, die an der Unfallstelle verdächtig langsam wurden, dürfte für den Ehrenamtlichen nichts mehr sein wie vorher. Seine Person ist deutschlandweit zum Symbol geworden für ein Problem, das bereits seit Jahren gärt: Wie kann man Handy-Gaffer, die allzu gerne Leichen oder Leichenteile auf ihrem Smartphone einfangen wollen, stoppen?

Eines dürfte uns allen in den vergangenen Tagen klar geworden sein: nicht mit einem C-Rohr der Feuerwehr. Denn auch wenn der Feuerwehrmann und seine Aktion im Netz von vielen - wenn auch nicht allen - gefeiert und mit Attributen wie „super“, „klasse“, „cool“ oder „Held“ belegt werden, und manche sogar noch einen darauf setzen wollen und gerne eine „Gülledusche“ oder Schlimmeres gesehen hätten, sprechen die Fakten für sich. 

Autofahrer vom Gaffen abzuhalten und ihnen Bußgelder als Straße aufzubrummen, ist die Aufgabe der Polizei. „Für die Unterbindung und Ahndung bei Verkehrsbehinderungen sind ausschließlich wir zuständig“, betonte ein Sprecher des unterfränkischen Präsidiums im Zusammenhang mit dem Fall. Dementsprechend kritisch äußert sich die Staatsgewalt zu der Aktion des Feuerwehrmanns. Zunächst hieß es, sie habe möglicherweise sogar juristische Folgen für ihn. Das hat die Staatsanwaltschaft jetzt revidiert.

Mit der Androhung eines Strafverfahrens hat es sich die Polizei aber zu leicht gemacht, finden zumindest viele unserer User, wie sich in den Kommentaren auf merkur.de* und Facebook nachlesen lässt, hier nur einige Beispiele:


Immer wieder kommt die Frage auf: Wie kam es überhaupt dazu, wo war die Polizei? Problematisch ist in dem Zusammenhang auch, dass es am Tag des Unfalls hieß, dass die Aktion mit der Polizei abgesprochen war - die Polizei wiederum Tage danach von einer „nicht abgesprochenen Aktion“ redet. Da dürfte es noch einige Fragen zu klären geben. Was wir wissen ist, dass die Polizei Personalien von den Schaulustigen aufgenommen und Bußgelder verhängt hat. Welche Szenen sich rund um den Feuerwehrschlauch ganz konkret abgespielt haben, verraten bisher nur Fotos und Videos.

Gaffer auf A3 gestoppt: Offenbar hat der Fall einen Nerv getroffen

Die Polizei entpuppt sich derweil als unerwarteter Buhmann in der Diskussion, wohl nicht zuletzt, weil sie die Aktion des Feuerwehrmannes nun ganz offen kritisiert. Weniger überraschend ist, dass es teils arge Beschimpfungen gegen die Gaffer hagelt, die wir hier nicht noch einmal wiedergeben wollen. Viele äußern aber auch ihr Unverständnis: 

Der Fall hat wohl einen Nerv getroffen, das sieht man nicht nur bei Facebook und den Nachrichtenportalen, sondern auch in einschlägigen Foren wie etwa dem Feuerwehr-Forum. Hier diskutieren die Mitglieder (die nicht zwangsläufig Feuerwehrleute sind) sehr detailliert über die Aktion. Im Raum stehen Fragen wie: Wie konnte man entscheiden, welcher Lastwagenfahrer ein Gaffer war und wer nicht? War die Wasserdusche möglicherweise auch gefährlich, weil der Fahrer nichts gesehen hat? Hätte es nicht Alternativen gegeben wie zum Beispiel eine „Wasserwand“ als Sichtschutz? Kritische Stimmen gibt es zuhauf.

Das passt aber auch zu den Äußerungen der verantwortlichen Feuerwehrleute vor Ort, die sehr schnell betont haben, dass es sich bei der Aktion um eine spontane, nicht geplante Maßnahme gehandelt habe und dass ihnen bewusst sei, dass es nicht zu ihren Aufgaben gehöre, Gaffer zu stoppen. Wiederholung: ausgeschlossen.

Die Feuerwehr Waldaschaff hat sich übrigens in einem Kommentar auf ihrer Facebookseite geäußert und spricht ganz klar an, wo der Ursprung des ganzen Ärgers liegt: 

Hätten die Gaffer nicht haufenweise ihre Handys gezückt, könnten sich die Einsatzkräfte - sowohl Feuerwehr als auch Polizei - jetzt wieder auf das konzentrieren, was wesentlich ist: Menschenleben retten - beziehungsweise schützen. 

kg

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