+
Ein Polizeieinsatz in einer Flüchtlingsunterkunft in Deggendorf ist eskaliert.

Randalierer befreit sich aus Polizeiauto

Polizeieinsatz in Flüchtlingsunterkunft läuft völlig aus dem Ruder - drei Männer sitzen in U-Haft

In einer Asylbewerberunterkunft in Stephansposching (Landkreis Deggendorf) ist die versuchte Festnahme eines Mannes eskaliert. Der 29-Jährige randalierte und flüchtete - zwischenzeitlich sperrte die Polizei sogar die Autobahn. Am Ende gab es 17 Festnahmen.

Update vom 26. Oktober 2018, 15.40 Uhr: Drei Männer sitzen in U-Haft

Wie die Polizei mitteilte, sitzen drei der insgesamt 16 festgenommen Männer in Untersuchungshaft. Ihnen wird Widerstand gegen die Polizei, Nötigung, Gefangenenbefreiung und Bedrohung vorgeworfen. Der Ermittlungsrichter erließ ursprünglich Haftbefehl gegen vier Männer - einer wurde jedoch gegen Auflagen wieder entlassen. Die restlichen zwölf festgenommenen Asylbewerber wurden bereits am Donnerstag wieder entlassen. 

Update vom 26. Oktober 2018, 12.30 Uhr: Bayerische Flüchtlingsrat äußert sich kritisch

Nach dem Polizeieinsatz in einer Flüchtlingsunterkunft in Deggendorf, der aus dem Ruder gelaufen ist, hat sich nun der Bayerische Flüchtlingsrat zu dem Vorfall geäußert. Dieser bezeichnete den Einsatz als „völlig überzogen“, wie t-online.de berichtet. Ein Sprecher teilte mit, dass es nicht sein könne, dass bei jeder geplanten Abschiebung von Einzelpersonen eine Hundertschaft der Polizei anrücke.

Update vom 25. Oktober 2018, 14 Uhr: Staatsanwaltschaft prüft Haftbefehle

Nach dem eskalierten Polizeieinsatz in einer niederbayerischen Asylbewerberunterkunft prüft die Staatsanwaltschaft Haftbefehle gegen vier Männer. Ihnen werde Landfriedensbruch und Widerstand gegen Polizisten vorgeworfen, sagte ein Sprecher am Donnerstag in Deggendorf.

Erstmeldung: Einsatz in Flüchtlingsunterkunft läuft völlig aus dem Ruder: SEK muss anrücken - A92 gesperrt

Stephansposching - Der Asylbewerber aus Nigeria habe sich am Mittwoch aus dem Gewahrsam der Polizei befreit, teilten die Ermittler mit. Bewohner der Unterkunft randalierten, Beamte seien massiv bedrängt worden. Spezialeinsatzkräfte der Polizei rückten zur Verstärkung an, eine Autobahn wurde zeitweise gesperrt. Im Zuge des Großeinsatzes in Stephansposching (Landkreis Deggendorf) wurden 17 Menschen festgenommen. Eigentlich waren die Beamten wegen eines anderen Asylbewerbers gekommen, den sie aber nicht mitnehmen konnten.

Aus Polizeiauto entkommen

Auslöser war nach Angaben eines Polizeisprechers der 29-jährige Nigerianer, der bei der versuchten Abschiebung des anderen Asylbewerbers die Beamten angriff. Er habe zudem Stühle umgeschmissen und gegen die Einrichtung der Unterkunft geschlagen. Wegen seines Verhaltens sollte er in Gewahrsam genommen werden, dagegen habe er sich aber massiv gewehrt. Kurz nachdem er in ein Polizeiauto gesperrt worden war, habe er flüchten können.

Video: Polizeieinsatz in bayrischer Flüchtlingsunterkunft eskaliert

Lesen Sie auch auf Merkur.de*: Schwere Auseinandersetzungen in der Asyl-Unterkunft am Fliegerhorst

Zwischenzeitlich wurden die Beamten von anderen Bewohnern so stark bedrängt, dass sie sich aus „taktischen Gründen“ zurückzogen, wie ein Sprecher sagte. Der Flüchtige konnte später mit zwei weiteren Asylbewerber festgenommen werden.

Der Polizeieinsatz in der Flüchtlingsunterkunft ist eskaliert.

Da sich nach Polizeiangaben die Bewohner in der Unterkunft zusammenschlossen, verließ auch der Sicherheitsdienst das Gelände. Die Beamten fürchteten dem Sprecher zufolge, dass sich die Gruppe unter anderem mit Messern bewaffnen könnte. Sie forderten deswegen Verstärkung an - darunter auch ein Spezialeinsatzkommando (SEK).

SEK steht bereit, greift aber nicht ein

Zahlreiche Polizisten betraten am Nachmittag das Gelände und durchsuchten die Räume. Dabei wurden den Angaben nach 14 Menschen festgenommen. Die Elite-Polizisten des SEK griffen bei der Aktion nicht ein. Verletzt wurde laut Polizei niemand.

Gegen alle 17 Festgenommenen wird wegen des Verdachts des Landfriedensbruchs ermittelt. Gegen den Nigerianer wurde von der Regierung von Niederbayern ein Abschiebehaftantrag beim Amtsgericht Deggendorf gestellt.

Für den Einsatz musste dem Sprecher zufolge für etwa 20 Minuten die direkt an der Unterkunft vorbeiführende Autobahn 92 gesperrt werden, weil Gefahr bestand, dass Menschen auf die Fahrbahn liefen. Die Polizei wollte ursprünglich einen Asylbewerber aus Sierra Leone abholen, um ihn nach Italien zurückzuschicken - sie traf ihn aber nicht an. Bei der Unterkunft handelt es sich um eine Außenstelle des Ankerzentrums in Deggendorf.

dpa

Lesen Sie auch: Mann rammt Jugendlichem (15) Messer in den Bauch: War diese Lappalie die Ursache?

Lesen Sie auch: Flüchtlinge und Security geraten aneinander - Polizei rückt mit mehreren Streifenwagen an

*Merkur.de gehört zum bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerk

Meistgelesene Artikel

Großeinsatz auf A8: Lkw stürzt auf Leitplanke - Fahrer schwer verletzt
Ein Lkw-Fahrer ist auf der A8 von der Fahrbahn abgekommen und auf eine Leitplanke gestürzt. Die Aufräumarbeiten gestalten sich als schwierig.
Großeinsatz auf A8: Lkw stürzt auf Leitplanke - Fahrer schwer verletzt
Messer-Attacken in Nürnberg: Gibt es eine Verbindung zum Angriff in München?
Nach den Messer-Attacken in Nürnberg hat die Polizei einen Verdächtigen festgenommen und ermittelt weitere Hintergründe - auch in anderen Städten.
Messer-Attacken in Nürnberg: Gibt es eine Verbindung zum Angriff in München?
Zu laxer Hochwasserschutz: Niederbayerische Landräte laufen gegen Aiwanger Sturm
Rückhalteflächen verhindern Hochwässer - doch Vize-Ministerpräsident Hubert Aiwanger will auf drei geplante Flutflächen (Polder) verzichten. Ein Unding für viele …
Zu laxer Hochwasserschutz: Niederbayerische Landräte laufen gegen Aiwanger Sturm
Über 100 neue Autobahn-Großbaustellen in Bayern: Diese Projekte kommen im neuen Jahr auf die Autofahrer zu
Die Staatsregierung investiert im neuen Jahr viel Geld in Autobahn-Bauprojekte. Über 100 neue Großbaustellen sind im neuen Jahr geplant. Wir klären auf, wo es eng wird.
Über 100 neue Autobahn-Großbaustellen in Bayern: Diese Projekte kommen im neuen Jahr auf die Autofahrer zu

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion