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Ein bayerischer Arzt erzählte der Zeit von Übergriffen durch Patienten im Deggendorfer Transitzentrum (Symbolbild). 

Protest gegen Behauptungen 

Deggendorfer Arzt nennt Flüchtlinge „Medizintouristen“ und kündigt genervt - seine Kollegen widersprechen

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In einem Beitrag für die Wochenzeitung „Die Zeit“ behauptet ein bayerischer Arzt, dass viele Asylbewerber in Wirklichkeit „Medizintouristen“ seien.

Deggendorf - Der Allgemeinarzt bleibt in dem Zeit-Artikel anonym. Bekannt ist jedoch, dass er am Deggendorfer Transitzentrum behandelt, in dem derzeit rund 650 Menschen untergebracht sind. Laut seiner Beobachtung habe sich das Klientel der Asylbewerber in den vergangenen Jahren stark gewandelt. Noch 2015 habe er Patienten mit zum Teil schweren Kriegsverletzungen versorgt. Jetzt aber seien seien es vielfach Personen aus Aserbaidschan oder Sierra Leone, die sich in Deutschland lediglich medizinisch behandeln lassen wollen, aber keine Bleibeaussichten hätten. Sein Vorwurf: Die Einreisenden wissen, dass sich die Asylverfahren hinziehen und würden sich in der Zwischenzeit von Spezialisten versorgen lassen. Er nennt sie „Medizintouristen“. 

So hätten manche Asylbewerber ganze Krankenakten dabei. Andere würden starke Schmerzmittel einfordern, obwohl ihnen nichts fehle. Der Mediziner vermutet, dass sie mit den Medikamenten dealen wollen. Ältere Patienten würden Zahnimplantate oder neue Knie- oder Hüftgelenke wollen. Auch würden diese Personen undankbar, „frech und fordernd“, teilweise sogar übergriffig und aggressiv auftreten. "Da kommen jetzt Leute, die wollen Viagra“, zitiert die Zeit den Arzt. Im Mai laufe sein Arbeitsvertrag aus, den wolle er auf Grund der Umstände nicht verlängern. 

„Die Schilderungen stehen im kompletten Widerspruch zu unseren Erfahrungen“

Doch nun kommt vehementer Widerspruch an dieser Darstellung. Ute Zurmühl von der Hilfsorganisation „Ärzte der Welt“ hält dagegen: „Einen Medizintourismus konnten wir weder in unseren Anlaufstellen, noch bei unserer Arbeit in den Gemeinschaftsunterkünften feststellen“. Gegenüber Focus Online erklärt außerdem der Vorsitzende von „Ärzte der Welt“, Heinz-Jochen Zenke: „Die Schilderungen des Arztes stehen im kompletten Widerspruch zu unseren langjährigen Erfahrungen in der Arbeit mit Asylbewerbern und Geflüchteten.“ 

Nur Anspruch bei „akuten Erkrankungen und Schmerzzuständen“

Im Paragraf 4 des Asylbewerberleistungsgesetz werde zudem klar definiert, dass nicht anerkannte Asylbewerber lediglich Anspruch auf ärztliche Behandlungen bei „akuten Erkrankungen und Schmerzzuständen“ hätten, „die zwingend und unaufschiebbar“ seien. 

Landrat hat von einer Faust-Attacke gehört

Rückendeckung erhält der Arzt jedoch vom Deggendorfer Landrat Christian Bernreiter. Der CSU-Politiker erklärte auf Anfrage der Passauer Neuen Presse, dass seine Mitarbeiter von den Problemen der Mediziner am Transitzentrum gehört hätten. Auch sei Bernreiter von einer Faust-Attacke auf einen Arzt berichtet worden.

Der Bayerische Rundfunk meldet, dass es momentan lediglich sehr begrenzte Sprechzeiten von jeweils einer Stunde werktags im Transitzentrum in Deggendorf gibt. Ab Juni sollen fünf Ärzte die medizinische Grundversorgung sicherstellen. Dann sollen werktags jeweils drei Sprechstunden angeboten werden.

Das Deggendorfer Transitzentrum geriet am Dienstag außerdem in die Schlagzeilen, weil sich Flüchtlinge gegen einen nächtlichen Polizeieinsatz wehrten. Eine vierköpfige Familie aus Aserbaidschan sowie sechs Menschen aus Sierra Leona sollten nach Italien bzw. in die Slowakei abgeschoben werden. Am Ende konnten nur vier Personen zur Ausreise gebracht werden. Die Beamten trafen auf Widerstand. 

mag

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