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John Demjanjuk hatte möglicherweise eine SS-Tätowierung.

Hatte Demjanjuk SS-Tätowierung?

München -­ Eine Narbe auf seinem linken Arm, deutet darauf hin, dass der mutmaßliche Nazi-Verbrecher John Demjanjuk früher eine SS-Tätowierung getragen hat.

Die Narbe auf der Innenseite von Demjanjuks linkem Oberarm könnte von der Entfernung einer Blutgruppen-Tätowierung stammen, wie sie die SS- Männer trugen, sagte der pensionierte Rechtsmediziner Wolfgang Eisenmenger am Dienstag vor dem Landgericht München II. Die einen Zentimeter große ovale Narbe nahe der Achselhöhle zeige “eine geringe blaugrüne Verfärbung“. Dies lasse “spekulieren, ob hier eine Tätowierung entfernt wurde“, sagte der ehemalige Leiter des Münchner Instituts für Rechtsmedizin, der vor einem Jahr in Ruhestand ging.

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Der gebürtige Ukrainer Demjanjuk ist angeklagt, 1943 bei der Ermordung von 27 000 Juden in den Gaskammern des Vernichtungslagers Sobibor geholfen zu haben. Eisenmenger hatte auf Beschluss eines Ermittlungsrichters den Körper des inzwischen 90-Jährigen auf Narben und Tätowierungen untersucht. Letztere fand er nicht, dafür aber die leicht verfärbte Narbe an versteckter Stelle. Dort wurde den Angehörigen der SS ihre Blutgruppe eingeritzt.

Nach Aussagen in früheren NS-Prozessen trugen diese Tätowierung auch sogenannte Trawniki, als Hilfswachmänner eingesetzte Kriegsgefangene vor allem aus der Ukraine, aber auch aus anderen Ländern. Dazu will das Gericht zu einem späteren Zeitpunkt einen Experten befragen.

Die Entfernung von Tätowierungen sei an der Narbenbildung “nur ganz schwer erkennbar“, sagte Eisenmenger. Wenn bei Demjanjuk eine Tätowierung chirurgisch entfernt worden sein sollte, “dann jedenfalls nicht sehr geschickt“.

Eisenmenger hatte auch zu prüfen, ob bei der Tötung der Menschen in Sobibor die körperlichen oder seelischen Qualen der Opfer “über das für die Tötung erforderliche Maß hinausgingen“. Laut Eisenmenger litten die in Gruppen zu je 80 Menschen in die vier 16 Quadratmeter großen Gaskammern gesperrten Menschen Qualen “in einem menschlich kaum nachvollziehbaren Maß“.

Der Prozess wird am Mittwoch mit der Vernehmung des früheren Richters Hans Robert Richthof fortgesetzt. Er hatte am Landgericht Hagen in den 1960er Jahren den sogenannten Sobibor-Prozess gegen zwölf deutsche SS-Angehörige geführt. Dabei wurde nur Lager- Kommandant Karl Frenzel zu lebenslanger Haft verurteilt. Fünf Angeklagte bekamen Haftstrafen, fünf andere wurden wegen Befehlsnotstands freigesprochen. Ein Angeklagter beging Selbstmord.

dpa

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