Demjanjuk soll in den USA beigesetzt werden

München - Der frühere NS-Wachmann John Demjanjuk soll nun doch in seiner Wahlheimat USA die letzte Ruhe finden. Er war zuletzt staatenlos und lebte in einem Pflegeheim in Oberbayern.

Der gestorbene frühere KZ-Wachmann John Demjanjuk wird in seiner Wahlheimat USA beigesetzt. Derzeit liefen die Vorbereitungen für die Überführung, teilte das von Demjanjuks Familie beauftragte Bestattungsunternehmen mit. „Er geht zurück, das steht fest“, sagte ein Sprecher und bestätigte damit einen Bericht der „Bild“-Zeitung. Voraussichtlich Anfang der nächsten Woche solle der Leichnam per Flugzeug nach Cleveland in Ohio geflogen werden, wo Angehörige des gebürtigen Ukrainers leben.

„Das US-Generalkonsulat München leistet Herrn Demjanjuks Familie in den Vereinigten Staaten konsularische Hilfestellung“, teilte die US-Behörde dazu auf dpa-Anfrage am Mittwoch in München mit. „Aus Respekt vor der Privatsphäre der Familie kommentieren wir dies nicht weiter.“ Da die USA Demjanjuk die Staatsbürgerschaft aberkannt und ihn 2009 nach Deutschland abgeschoben hatten, war zunächst unklar, ob eine Überführung möglich sein würde. Demjanjuk war zuletzt staatenlos.

Der 91-jährige gebürtige Ukrainer war am Samstag nur zehn Monate nach seiner Verurteilung als Nazi-Verbrecher und Holocaust-Helfer in einem Pflegeheim in Bad Feilnbach bei Rosenheim gestorben. Das Landgericht München hatte Demjanjuk, der den Prozess im Liegen von einem Krankenbett aus verfolgte, im Mai 2011 wegen Beihilfe zum Mord an mehr als 28 000 Juden im Vernichtungslager Sobibor zu fünf Jahren Haft verurteilt. Zwar konnte ihm keine konkrete Tat zugeschrieben werden. Das Gericht schloss sich aber der Argumentation der Anklage an: Da Sobibor allein der planmäßigen Ermordung von Menschen diente, habe sich jeder mitschuldig gemacht, der dort Dienst tat.

Das Urteil wurde nicht rechtskräftig, Staatsanwaltschaft und Verteidigung legten Revision ein. Das Gericht hob aber auch mit Blick auf das hohe Alter Demjanjuks den Haftbefehl aus Gründen der Verhältnismäßigkeit auf. Nach tagelangem Hin und Her nahm ihn schließlich ein Pflegeheim in Bad Feilnbach auf.

Das juristische Tauziehen um Demjanjuk dauerte bis zuletzt. Über die Revisionsanträge wird nun nicht mehr entschieden. Auch ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Weiden in der Oberpfalz muss mit dem Tod eingestellt werden. Dabei ging es um die Frage, ob Demjanjuk zeitweise auch Wachmann im ostbayerischen Konzentrationslager Flossenbürg und dort an der Ermordung von fast 5000 Menschen beteiligt war.

dpa

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