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Stolze Besitzer und Sanierer historischer Schmuckstücke: Mit der bayerischen Denkmalschutzmedaille wurden unter anderem (von links nach rechts) Schwindeggs Bürgermeister Karl Dürner, Simone und Wolfgang Kuffner (mit Söhnchen Benjamin) sowie Fürstin Angela und Albrecht Fürst zu Oettingen-Spielberg ausgezeichnet.

Denkmalschutzmedaille 2014

Die Schönheit gelebter Erinnerung

München - Sie haben in ihre Schmuckstücke Zeit und Liebe gesteckt, jede Menge Nerven gelassen, viel Geld investiert, aber auch einiges an staatlicher Hilfe erhalten. Bayern, die denkmalgeschützte Häuser vorbildlich saniert haben. In München wurden sie jetzt geehrt.

Einen alten Bauernhof in Oberbayern zu kaufen und herzurichten, das war der Traum von Simone und Wolfgang Kuffner. Dass sie ihre Vision verwirklichen konnten, verdanken sie einem Zufall. Wolfgang Kuffner fand im Internet ein Angebot – doch das entsprach nicht seinen Vorstellungen. „Ich hab da was für Sie. Etwas, das genau passt“, verriet der Makler dem jungen Paar – und sollte Recht behalten. In Samerberg (Kreis Rosenheim) war auf dem Moar-Hof schon vor 10 Jahren die Bäuerin verstorben; am Moar-Hof lebte nur noch der Knecht, der Moar-Sepp. Kuffners sahen sich das Haus an – und verliebten sich in das Anwesen, dessen Geschichte bis ins Jahr 1363 zurückreicht.

Und das Schönste: Auch der Moar-Sepp, der 85-jährige Knecht, war einverstanden. „Er nahm Simone an die Hand und sagte: Ich hab so lange warten müssen, aber jetzt haben wir die richtigen Käufer gefunden.“ Sechs Wochen nach Unterzeichnung des Notarvertrags ist der Moar-Sepp gestorben.

Es brauchte viel Arbeit und Leidenschaft, den Einfirsthof wieder auf Vordermann zu bringen – und zwar nach den Vorgaben des Denkmalschutzes. Die historische Struktur der Gebäude wurde erhalten, mit Hilfe von Handwerksbetrieben aus der Region und traditionellen Techniken wurde saniert. Im Wohnhaus durfte das Paar nur eine Wand verändern. In der alten Tenne haben sie inzwischen einen Veranstaltungsraum eingerichtet, in dem Hochzeiten und Firmenveranstaltungen den richtigen Rahmen finden. Dass Simone Kuffner Hotelfach gelernt hat, kommt ihr dabei zugute. Jetzt hat das Paar auf dem Moarhof ein wunderschönes Zuhause gefunden, für sich, den 19 Monate alten Sohn Benedikt und für das Geschwisterchen, das im Juli zur Welt kommt. Geehrt wurde das Paar von Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) wegen der liebevollen Sanierung des Anwesens. Denkmäler sind ein Stück gelebte Erinnerungen, schwärmte der Minister.

Zu den insgesamt 28 ausgezeichneten Denkmal-Liebhabern gehört auch Karl Dürner, Bürgermeister der Gemeinde Schwindegg (Kreis Mühldorf). Er sanierte aber nicht für sich – sondern für die Gemeinde. Und zwar ein „Kommunikationszentrum“. Oder anders gesagt: Die Gemeinde setzte die ehemalige Schloss-Schänke wieder instand, die im Jahre 1537 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Nun hat Schwindegg ein historisches Schmuckstück mit Räumen für Ausstellungen, Seminare und Konzerte.

Albrecht Fürst zu Oettingen-Spielberg hat in nur acht Jahren das komplette Residenzschloss Oettingen (Kreis Donau-Ries) wieder instand gesetzt. Er räumt ein, dass es in der Zeit der Sanierung auch Auseinandersetzungen mit dem Landesamt für Denkmalpflege gegeben habe – etwa um die Farbgebung des Gebäudes. „Aber das waren nur Nebensächlichkeiten im Vergleich zu der Hilfe, die wir erfahren haben vom Landesamt“, lobt er. Bayern habe in Fragen des Denkmalschutzes das beste Gesetz in Deutschland.

Kultusminister Spaenle überreicht MM-Chefredakteurin Bettina Bäumlisberger die Denkmalschutzmedaille 2014. Er lobte die breite Berichterstattung des gesamten Redaktionsteams der Zeitung über Denkmalschutz-Themen.

Ludwig Spaenle ehrte aber nicht nur Hausbesitzer und verdiente Denkmalpfleger, die sich der „Baumarkt-Diktatur“ widersetzen und die gelebte Erinnerung der Denkmäler wieder zum Strahlen bringen. Auch die Berichterstattung darüber ist ihm alle Ehren wert. Und so zeichnete der Minister auch unsere Zeitung, den „Münchner Merkur“, mit der silbernen Medaille aus. Für die kontinuierliche Berichterstattung über Denkmalpflege in den Lokalredaktionen und im überregionalen Teil. Etwa für die über 70-teilige Serie „Unsere Denkmäler“ auf unserer Freitags-Panorama-Seite. Damit habe die Zeitung den Menschen nahe gebracht, dass der Schutz von Denkmälern ein Mehrwert für die Gesellschaft bedeutet. Der Generalkonservator des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, Mathias Pfeil, führte den Erfolg der Denkmalpflege auf ein gutes Zusammenwirken aller Beteiligten zurück: der Bauherren, Architekten, Handwerker und Behörden. Die ausgezeichneten Objekte zeigten, „dass Denkmalpflege, die auf die Menschen zugeht, den Erhalt wertvoller Kulturgüter in unserem Land sichert“.

Claudia Möllers

Lese Sie hierzu auch: 

Unsere Denkmäler: Das Berghaus am Sudelfeld

Unsere Denkmäler: Das Grafenloch

Häuser und ihre Geschichte: Das Nationalmuseum

Häuser und ihre Geschichte: Schloss Suresnes

Brückenbauer in die Vergangenheit

Ein guter Tag für Bayerns Kulturpolitik

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