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Derblecken fällt wegen Ukraine-Krieg erneut aus

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Politiker-Derblecken
Mit dem Verspotten, dem "Derblecken" von Politikern, wird die Starkbier-Saison eröffnet. © Tobias Hase/dpa/Archivbild

Zwei Jahre lang litt das Politiker-Derblecken am Nockherberg unter Corona - fand gar nicht oder nur digital statt. Nun macht der Krieg den Organisatoren den nächsten Strich durch die Rechnung. Manch einer ringt mit der Entscheidung.

München - Das Politiker-Derblecken beim Starkbieranstich auf dem Nockherberg fällt angesichts des Ukraine-Krieges in diesem Jahr doch aus. Die Paulaner-Brauerei, die vor einem Monat zunächst die Traditionsveranstaltung verschoben hatte, gab am Donnerstag die Absage bekannt. Damit findet das Brauchtumsspektakel zum dritten Mal in Folge gar nicht oder nicht in der üblichen Form statt.

Es sei zwar gerade jetzt auch die Zeit für politisches Kabarett, die Salvator-Probe und das urbayerische Derblecken lebe jedoch von einer entspannten und ausgelassenen Stimmung bei der Veranstaltung, begründete Brauerei-Geschäftsführer Andreas Steinfatt die Entscheidung. „In der aktuellen Situation halten wir es nicht für möglich, dass diese besondere Atmosphäre zwischen Gästen, Derbleckten und Künstlern entsteht“, sagte er.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder nannte die Absage in ernsten Zeiten „die richtige Entscheidung“. Der CSU-Chef hofft, dass im kommenden Jahr dann wieder die Veranstaltung stattfinden kann. „Denn der Nockherberg ist ganz großes bayerisches Schauspiel“, schrieb er auf Twitter.

Im Februar hatte Paulaner zunächst bekannt gegeben, dass das Politiker-Derblecken dieses Jahr wieder mit Publikum stattfinden soll, aber auf einen späteren Termin Ende April verschoben werde. Im Vorjahr hatte es wegen Corona nur eine im Internet übertragene Veranstaltung ohne Gäste gegeben. Im Jahr 2020 war der Mix aus Kabarett und Polittheater wegen der Pandemie ganz ausgefallen. In diesem Jahr sei der Konflikt in der Ukraine der ausschlaggebende Grund gewesen, erläuterte ein Sprecher des Unternehmens.

Bei der Veranstaltung sollte eigentlich der Satiriker Maximilian Schafroth als Fastenprediger wieder eine Rede halten, bei der die Politiker ins Gebet genommen werden. Zudem war wieder ein Singspiel geplant, bei dem Schauspieler in die Rollen bekannter Politiker und Politikerinnen schlüpfen.

Der „Augsburger Allgemeinen“ sagte Schafroth, er habe zwar einerseits Verständnis für die Absage, hätte sich die Veranstaltung aber auch gut mit anderem Programm vorstellen können - und zwar als Signal für die Meinungsfreiheit. „Veranstaltungen wie der Nockherberg haben Strahlkraft“, sagte Schafroth. „Die Politik hier ist offen für Kritik, während nicht so weit von uns entfernt, Menschen keine Meinungsfreiheit haben.“

Traditionell sitzen einige der Parodierten selbst im Publikum und müssen den Spott dadurch unmittelbar ertragen - beziehungsweise über sich selbst lachen. Alternative Konzepte zu diesem Ablauf seien diskutiert worden, erläuterte der Brauerei-Chef. Sie würden aber „dem Charakter dieser Veranstaltung nicht gerecht“. dpa

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