Der Fugger-Express im Münchner Hauptbahnhof. Die Strecken müssen bis Ende 2021 neu vergeben werden – die Deutsche Bahn will den Betrieb natürlich behalten. Foto: OLIVER BODMER

DB Regio besonders betroffen

Platzhirsch unter Druck: Deutsche Bahn und ihre Konkurrenten

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München - Die Deutsche Bahn kämpft auch in Bayern zunehmend gegen private Konkurrenten. Mit einer Reihe von Neuerungen soll die Marktführerschaft verteidigt werden. Ein Beispiel sind Sparpreise im Regionalverkehr - und regionale Pünktlichkeitsteams.

Die Deutsche Bahn als Monopolist – diese Zeiten sind (fast) vorbei. Nur beim Fernverkehr gibt es kaum private Zugbetreiber. Im Regionalverkehr ist DB Regio indes unter Druck. Sie hat, gerechnet nach Zugkilometern, noch einen Marktanteil von 70 Prozent, in Bayern etwas mehr, rechnete der Vorstandsvorsitzende von DB Regio, Jörg Sandvoß, in München vor. In den nächsten fünf Jahren stehen aber bundesweit mehr als die Hälfte der Zugkilometer zur Ausschreibung an. Und die Anzeichen, dass die DB dabei unter die Räder kommt, mehren sich. 

In Bayern ist zuletzt zum Beispiel das Diesel-Netz Augsburg I an die private Bayerische Regio-Bahn – sie gehört wie auch die Bayerische Oberlandbahn zu Transdev – verloren gegangen. Die Nürnberger S-Bahn wird ab 2018 wohl von der britischen National Express übernommen – auch wenn die DB Einspruch eingelegt hat und eine weitere Entscheidung der Vergabekammer im August noch aussteht. In Nordrhein-Westfalen wird der Marktanteil von einst 70 auf unter 50 Prozent sinken. In Baden-Württemberg hat die DB das Stuttgarter Nahverkehrsnetz verloren – an Unternehmen wie Abelio und Go-Ahead.

Regionale Pünktlichkeitsteams geplant

DB Regio müsse sich verbessern, räumte Sandvoß am Dienstagabend selbstkritisch ein. Er kündigte regionale Pünktlichkeitsteams, eine „Task-Force“ zu sogenannten Brennpunkt-Linien und mehr mobile Instandhaltung an. Außerdem soll es auch im Regionalverkehr „innovative Produkte“ geben. Zum Beispiel eine Mitfahrer-App, Wlan – hier ist der Zeitpunkt aber offen –, problemlose Reservierungen für Stammkunden sowie Sparpreise. Erste Tests laufen im August an:

- Das Werdenfelsticket kann für einen Aufpreis von vier Euro pro Person bis nach Innsbruck verlängert werden.

- Die Regio-Tickets „Allgäu-Schwaben“ und „Donau-Isar“ gelten gegen einen Aufpreis von drei Euro pro Person auch vor 9 Uhr.

- Geplant sind Spezial-Offerten für Studenten („Studi-spar-Ticket“) sowie für Senioren in Nordostbayern („Aktiv Schnupper Abo 65+“).

Der Chef von DB Regio Bayern, Hansrüdiger Fritz, kündigte eine Offensive an, um verloren gegangene Strecken bei einer erneuten Ausschreibung zurückzugewinnen. Aktuell steht das beim Diesel-Netz Augsburg II (Ingolstadt-Augsburg-Schongau und München-Buchloe) an, das derzeit die Bayerischen Regio-Bahn betreibt. „Die DB geht ins Rennen“, erklärte Fritz. Gehalten werden sollen der Fugger-Express (München-Augsburg-Ulm/Treuchtlingen) und der Donau-Isar-Express (München-Passau). 

Neu ist: DB Regio wird für die Ausschreibungen eigene Projekt-Gesellschaften gründen und die (in der Regel schlechteren) Tarif-Konditionen der bisherigen Betreiber übernehmen. Nur so könne man wettbewerbsfähig sein, ergänzte Sandvoß. Außerdem rechnet die Bahn damit, dass die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG), die dem Verkehrsministerium untersteht, künftig noch fragmentierter ausschreibt. Dann könnte es zum Beispiel auch um den Betrieb einzelner Bahn-Werkstätten gehen.

Die Bahn werde sich diesem Wettbewerb stellen, kündigte Sandfoß an. Eine Zielmarke, wie viel Verkehr DB Regio 2021 noch haben wolle, nannte er aber sicherheitshalber nicht.

Bahn-Zwischenbilanz: Es fahren wieder mehr Reisende mit dem Fernzug

Bei der Bahn läuft es wieder etwas besser, vor allem im Fernverkehr: Trotz der Fernbus-Konkurrenz sind mit ICE und Intercity im ersten Halbjahr so viele Fahrgäste gefahren wie noch nie. Die Zwischenbilanz des Konzerns nach den ersten sechs Monaten fällt aber insgesamt gemischt aus, wie Bahnchef Rüdiger Grube am Mittwoch in Berlin deutlich machte. 

Die Bahn steigerte ihren Gewinn deutlich, der Umsatz stagnierte hingegen. Die Quote pünktlicher Züge im Fernverkehr müsse noch 2016 auf über 80 Prozent steigen. Im ersten Halbjahr lag sie wegen vieler Baustellen nur bei 78,4 Prozent. Die kriselnde Güterbahn DB Cargo büßte im ersten Halbjahr Umsatz ein, konnte aber ihren Verlust verringern. Der Konzern steigerte den Umsatz in den ersten sechs Monaten insgesamt um 0,2 Prozent auf 20,03 Milliarden Euro. Unterm Strich lag der Gewinn bei 603 Millionen Euro nach 391 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. 

Im Fernverkehr mit ICE und Intercity stieg die Zahl der Fahrten im Vergleich zum ersten Halbjahr 2015 um 10,6 Prozent auf 66,7 Millionen. Grube sprach von „ersten wirtschaftlichen Erfolgen“ des vor einem Jahr begonnenen Konzernumbaus. Zur Rekord-Fahrtenzahl trug nach Bahnangaben bei, dass seit dem Winter die Neubaustrecke Erfurt-Halle/Leipzig in Betrieb ist. Zudem wurden mehr Fahrkarten mit Sonderangeboten verkauft: 2,3 Millionen „Sparpreis“-Tickets waren es im ersten Halbjahr, knapp sechs Prozent aller Fahrscheine, wie Grube sagte. 

Im Regionalverkehr verlor die Bahn weiter Marktanteile: Dort sank ihre Verkehrsleistung um 3,3 Prozent. Die Auslandstochter DB Arriva, die mit Bussen oder Bahnen in 14 europäischen Ländern unterwegs ist, steigerte ihre Fahrgastzahlen um 4,9 Prozent. Ihr Börsengang ist weiterhin geplant, nach dem Votum der Briten für einen Austritt aus der EU könnte das aber schwieriger werden, sagte Grube. Ende des Jahres will der Vorstand dem Aufsichtsrat ein Konzept für einer Minderheitsbeteiligung an den Töchtern DB Arriva und DB Schenker (Bussparte) vorlegen.

dpa

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