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„Mein Fernbus“: Fahrgäste am Münchner Busbahnhof vor der Abfahrt Richtung Freiburg. Die Anzeigetafel zeigt: Auch IC-Busse fahren die Strecke.

Warnung vor ruinösem Preiskampf

Bahn macht sich mit Fernbussen selbst Konkurrenz

München – Der Wettbewerb unter den Fernbus-Anbietern treibt seltsame Blüten: Nun macht sich die Deutsche Bahn selbst Konkurrenz – sie bietet auf manchen Bahnstrecken auch Fernbusse an.

Erst München-Freiburg, bald auch München-Zürich: Wer in den Südwesten will, kann am Zentralen Omnisbus-Bahnhof (ZOB) an der Hackerbrücke aus einem breitem Angebot auswählen. Beinahe stündlich starten Fernbusse in Richtung Freiburg. Zum Beispiel am heutigen Montag: Gleich sechs Mal fährt der IC-Bus der Deutschen Bahn ins Breisgau, vier Mal der private Anbieter „Mein Fernbus“. Die Preise sind kaum noch zu unterbieten – 15 bis 24 Euro bei „Mein Fernbus“, 19 Euro bei der DB.

Das mittelständische Unternehmen sieht sich zunehmend unter Druck gesetzt. „Die Bahn macht uns gezielt Konkurrenz“, sagt der Pressesprecher von „Mein Fernbus“, Gregor Hintz. Sein Unternehmen fährt München mit sechs Linien an, im Schnitt 33 An- und Abfahrten am Tag. Darunter ist auch die Strecke München-Zürich, die die Bahn als nächstes in Angriff nehmen will. Noch in diesem Jahr sollen in Kooperation mit der Schweizerischen Bundesbahn (SBB) IC-Busse von München aus in die Schweiz starten, so die Ankündigung vom Juni dieses Jahres. Von vier Bussen am Tag ist die Rede. Die Streckenauswahl erstaunt – denn nach Zürich kommt man im Gegensatz zu Freiburg umsteigefrei auch auf dem Schienenweg. „Die Bahn kannibalisiert sich selbst“, sagt deshalb der Sprecher von „Mein Fernbus“.

Forderung: Busse sollten wie die Lkw Maut zahlen

Allerdings müssen die EC-Züge von schwerfälligen Dieselloks gezogen werden, weil die Gleise im Allgäu nicht elektrifiziert sind. Die Strecke, spottete der Züricher „Tagesanzeiger“ unlängst, sei „auf dem Abstellgleis“. Obwohl die Schweiz einen Teil der Kosten übernehmen wird, verschiebt sich der Anschluss ans Stromnetz immer weiter nach hinten. War noch Ende 2010 eine Inbetriebnahme 2017 das Ziel, so ist nunmehr – zum Unwillen der Politik vor Ort – von 2020 die Rede.

Einer der energischsten Fernbus-Befürworter ist – vielleicht erstaunlich – ein Grüner: Der Bundestagsabgeordnete Toni Hofreiter aus Sauerlach (Kreis München) ist Vorsitzender des Verkehrsausschusses des Deutschen Bundestags. Er hat die seit Anfang des Jahres geltende Fernbus-Liberalisierung mit ausgehandelt. Nur seine Forderung, die Busse sollten wie die Lkw Maut zahlen, fand bei der unionsgeführten Regierungsmehrheit kein Gehör. Erstaunen in Bahnkreisen löste indes aus, dass Hofreiter im Februar zum Start eines weiteren Fernbus-Anbieters, „FlixBus“, am ZOB erschien und dem Unternehmen „viel Erfolg“ wünschte. Auch „FlixBus“ fährt nach Zürich.

"Ich persönlich würde mich nicht in einen Fernbus setzen"

Der Fernbus, rechtfertigt Hofreiter gegenüber unserer Zeitung sein Engagement, sei „eines der klimafreundlichsten Verkehrsmittel, wenn er gut besetzt ist“. Ein Drittel der Kunden sei vorher mit dem Zug, ein weiteres Drittel mit dem Auto gefahren. Ein weiteres Drittel habe sich Fernreisen gar nicht leisten können – hier, so Hofreiter, sei der Bus eine soziale Errungenschaft.

Der stellvertretende Bundesvorsitzende der Nahverkehrsgewerkschaft, Gerhard Martin aus Augsburg, warnt indes vor ruinösem Preiskampf auf dem Fernbusmarkt. Der Druck, der auf den Busfahrern laste, sei sehr hoch, die Bezahlung mit 1500 bis 1600 Euro Netto-Einstiegsgehalt eher niedrig. Er hoffe nicht, dass es demnächst zu einem schweren Unfall komme. „Ich persönlich“, sagt Martin, selbst 27 Jahre lang Busfahrer, „würde mich nicht in einen Fernbus setzen“.

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Goldgräberstimmung am Busbahnhof

Erster Fernbus-Atlas ist da

von Dirk Walter

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