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Problemfall Bahn: Go Ahead klagt über „Stau auf der Schiene“

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Von: Dirk Walter

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Warten, bis der Zug kommt: Ein ECE rast an der Go Ahead-Bahn vorbei.
Warten, bis der Zug kommt: Ein ECE rast an der Go Ahead-Bahn vorbei. © Go Ahead

Seit 100 Tagen ist der englische Zugbetreiber Go Ahead auf bayerischen Schienen unterwegs. Eine erste Bilanz fällt positiv aus. Doch es gibt Probleme, die die Züge ausbremsen: Stau auf der Schiene.

München/Memmingen – „Der Start ist gut gelungen“, stellt Go Ahead-Geschäftsführer Fabian Amini zufrieden fest. Seit dem 12. Dezember pendeln die markanten blau-weißen Züge zwischen München, Memmingen und Lindau. Go Ahead hatte sich – Premiere in Bayern – gegen die Deutsche Bahn durchgesetzt und die Ausschreibung gewonnen. Anders als bei Betreiberwechseln in der Vergangenheit sind größere Pannen ausgeblieben – Amini selbst spricht von „kleineren Anlaufschwierigkeiten“. Im sogenannten E-Netz Allgäu sind 90 Prozent der Züge pünktlich, das heißt, sie haben weniger als sechs Minuten Verspätung. Weniger als ein Prozent der Züge sei ausgefallen.

Deutsche Bahn: Go Ahead kritisiert Infrastruktur in Bayern

Auch die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) des Freistaats, die Go Ahead beauftragt hat und bezuschusst, ist zufrieden: Die neuen elektrischen Triebfahrzeuge laufen stabil, wird BEG-Chef Thomas Prechtl in einer Mitteilung von Go Ahead zitiert. Die Pünktlichkeit nennt er „ausbaufähig“. Das mag auch an Problemen liegen, die Go Ahead-Chef Amini ziemlich ungeschminkt benennt: Die Infrastruktur sei „viel zu knapp bemessen“ und „auch zu störanfällig“. An fast 80 Prozent der Verspätungsfälle sei Go Ahead nicht schuld.

Bahn in Bayern: Probleme mit eingleisigen Strecken

Zwei Hauptprobleme gibt es, die Amini Sorgen machen. Zum einen fahren seine Züge auf vielen eingleisigen Abschnitten. DB Netz hat zwar die Strecke München-Memmingen-Lindau nach jahrelangen Verzögerungen elektrifiziert und auch modernisiert. Doch zwischen Hergatz im Allgäu und Buchloe gibt es auf 107 Kilometern Länge nur ein Gleis. Das ist fast typisch für die Bahn im ländlichen Bayern. 3000 von 6000 Kilometern Bahnstrecke in Bayern sind eingleisig: München-Garmisch-Partenkirchen: 40 von 100 Kilometer eingleisig. München-Mühldorf: 60 Kilometer lang nur ein Gleis. Selbst 31 Prozent des Münchner S-Bahn-Netzes ist eingleisig. Im Allgäu muss oft ein Go Ahead-Regionalzug im Bahnhof warten, bis der schnellere Schweizer Eurocity (ECE) vorbeigerast ist.

Deutsche Bahn: Flaschenhals auch in München

Es gibt noch ein zweites Problem, das Go Ahead plagt: der Flaschenhals München. Ab Geltendorf stadteinwärts ist die Strecke zwar zweigleisig, dafür muss sich Go Ahead die Gleise mit der S-Bahn teilen – und natürlich auch mit weiteren Regionalzügen der DB, mit dem ECE und Güterverkehr. Ein Pendler, der von Memmingen aus Go Ahead täglich nutzt, sagt: „Ab Geltendorf ist die Situation dramatisch, ab Pasing extrem dramatisch.“ Er höre öfters die Durchsage, dass Go Ahead wegen vorausfahrender Züge nicht weiter komme.

Zugbetreiber Go Ahead bemängelt fehlende Abstellgleise

Fabian Amini sagt, in München fehlten Abstellgleise. Die sogenannte Vorstellgruppe Nord – das sind Abstellgleise zwischen Laim und Hauptbahnhof – ist oft voll. Daher fährt Go Ahead am späten Vormittag meist mit einer Dreier-Traktion – drei aneinander gekuppelten Triebzügen – nur spärlich besetzt zurück ins Allgäu und parkt die Züge in Buchloe oder Memmingen. Das sei wegen des höheren Stromverbrauchs „pure Umweltverschmutzung“, sagt der Geschäftsführer. Ein Ausbau sei überfällig.

Er ist indes nicht in Sicht. Stattdessen wird es wohl noch voller, da ab April auch die Westbahn ihre Züge parken will. Wenn Go Ahead Ende 2022 auch den Zugverkehr München-Augsburg – heute als Fugger-Express von der DB betrieben – übernimmt, werde das Problem der Leerfahrten noch akuter, sagt Amini.

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