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Will nur das Beste für seine Ferkel: Johannes Scharl aus Eichstätt kritisiert das verzerrte Bild, dass die Politik über die Arbeit der Landwirte vermittelt.

Vor dem deutschen Bauerntag

Bauern kämpfen gegen schlechten Ruf: „Wir wollen den Dialog“

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Eichstätt/Erfurt – Die Frustration ist groß: Bayerische Landwirte fühlen sich von der Politik ins falsche Licht gerückt. Das stinkt ihnen gewaltig. Schweinehalter Johannes Scharl aus Eichstätt will beim Deutschen Bauerntag eisern die Standpunkte seiner Kollegen vertreten – und den Politikern ein Angebot unterbreiten.

Johannes Scharl hat eine Mission: sich und seine Kollegen wieder zu rehabilitieren, den schlechten Ruf wieder in einen guten umzuwandeln. Der haftet ihm zufolge völlig unverdient an den Landwirten. In der öffentlichen Diskussion stehen die Bauern immer wieder am Pranger. Tierquälerei, Massentierhaltung oder Umweltverschmutzung wird ihnen oft vorgeworfen. Der Schweinehalter aus Eichstätt fühlt sich zu Unrecht beschuldigt. „Wir wollen genau wie alle anderen, dass es den Tieren gut geht.“ Die Schuldigen sind für ihn Umwelt- und Tierschützer und vor allem die Politik, die das verzerrte Bild der landwirtschaftlichen Arbeit nach außen tragen. Deshalb fährt er heute zum Deutschen Bauerntag nach Erfurt, wo sichVertreter der Landwirschaft, Medien und Politik mit Agrar- und gesellschaftlichen Entwicklungen auseinandersetzen. Bei einer Diskussionsrunde zum Thema „Landwirtschaft und Gesellschaft – Wege zum besseren Verständnis“ am morgigen Donnerstag sitzt er dann selbst auf dem Podium und vertritt die Position der Bauernfamilien.

Eine Botschaft liegt ihm besonders am Herzen: „Wir wollen den Dialog“, sagt der 36-Jährige. „Und wir wollen uns nach den Verbrauchern richten.“ Doch es müsse auch klar sein, dass die Landwirte nicht alles hinnehmen können. Damit spielt der Familienvater auf den großen Streitpunkt, die Agrarwende, an, die vom Bündnis 90/Grünen gefordert wird. „Eigentlich wollen sie uns Bauern stärken, damit bewirken sie aber nur das Gegenteil“, klagt Scharl. Vor allem wenn es darum geht, dass die Vorschriften immer weiter verschärft werden. Zum Beispiel in puncto zusätzlicher Mitteilungspflichten. „Ein großer Betrieb stellt einfach eine Sekretärin für sowas ein“, schildert Scharl. „Kleinere können das nicht.“ Er selbst legt in solchen Fällen gezwungenermaßen Nachtschichten ein.

Bei all den Differenzen passt es ihm gut in den Kram, dass er bei der Gesprächsrunde auf die Vertreter der Parteien im Bundestag, wie Gitta Connemann (CDU), Max Straubinger (CSU), Ute Vogt (SPD) oder Dietmar Bartsch (Linke) trifft. Nur einen vermisst er in der Liste schmerzlichst: Anton Hofreiter von den Grünen. Einer, der dem Schweinezüchter zufolge gezielt Meinungsmache gegen die Landwirte betreibt. „Nach dem Atomausstieg ist das jetzt das neue Kampfthema“, sagt er. Nur zu gern würde Scharl dem Bundestagsabgeordneten ein Angebot unterbreiten. Er würde ihn gerne auf seinen Hof einladen, „damit er mal sieht, wie wir arbeiten und dass manche Forderungen einfach nicht umsetzbar sind“. Diese Offerte bietet er aber auch allen anderen Politikern an. Denn eines steht für Scharl fest: Die Kluft zwischen Theorie und Praxis werde immer größer. Denn durch das fehlende Wissen aus der Praxis, entsteht die falsche Darstellung in der Öffentlichkeit.

Die Folgen sind bereits spürbar. „Es frustriert uns einfach“, betont Scharl. Deshalb hören viele Landwirte auf oder Neue fangen gleich gar keine Ausbildung an. „Die Unsicherheit ist groß“, sagt Scharl. Dabei malt er für die Familienbetriebe gar kein so düsteres Zukunftsbild. Wer Innovationen wagt, zum Beispiel mit Direktvermarktung, könne überleben.

von Manuela Schauer

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