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Zugefrorener Chiemsee aus der Luft fotografiert: Das Foto vom Wochenende zeigt den weißen Trampelpfad, der von Winterwanderern als direkte Verbindung vom Hafen in Prien zur Herreninsel mit Schloss Herrenchiemsee ins Eis getreten wurde. Wegen der steigenden Temperaturen sollte man die Seen nicht mehr betreten.

Der Januar in Bayern

Deutschlands Eiskeller

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München – Bayern erlebt den kältesten Januar seit 1987. Zugleich schien die Sonne im Freistaat so lange wie nirgends anders in Deutschland. Meteorologe Jörg Kachelmann sagt, warum es an manchen Orten in Bayern besonders kalt ist.

Es hatte sich seit Tagen angedeutet, doch erst zum heutigen Monatsende hat der Freistaat den Titel sicher. Bayern war im Januar 2017 das kälteste Bundesland. Minus 4,8 Grad hatte es hier im Durchschnitt laut Deutschem Wetterdienst. Damit war es 2,9 Grad kälter als in sonstigen Januar-Monaten. So kalt war es im Januar seit 30 Jahren nicht mehr. Zuletzt hatte es 1987 durchschnittlich -6,2 Grad. Kälter als -9 Grad war es nur ganz selten (1893, 1940 und 1942). Warum reiht sich der Januar 2017 in diese Abfolge ein?

Meteorologe: Vor allem Bergland war von Sonne begünstigt

„Eigentlich gab es in den letzten Wintern Temperaturen deutlich über den Mittelwerten“, sagt Guido Volz vom Deutschen Wetterdienst. Für den Meteorologen ist die Ursache des heuer so kalten Januars klar: „Silvester war vom Winter noch nichts zu spüren. Dann hatten wir aber in der ersten Januarwoche eine komplette Umstellung der Großwetterlage.“ Dann nämlich sorgte eine Hochdrucklage für Kaltluft und Dauerfrost. Zugleich habe es eine Blockade der Tiefdruckgebiete gegeben, sagt Volz. Heißt: Die Kaltluft blieb.

Außerdem regnete es im Januar in Bayern weniger als sonst. 45 Liter pro Quadratmeter kamen herunter, im Durchschnitt sind es 66 Liter. Dafür schien die Sonne im Freistaat 90 Stunden (Durchschnitt 50 Stunden) – so lange wie in keinem anderen Bundesland. „Vor allem das Bergland war davon begünstigt“, sagt Volz. Diese Auswirkungen seien auf die Hochdrucklage zurückzuführen.

Bayerische Tiefsttemperaturen: „Dass es dort kalt wird, ist nichts Neues“

Die sorgte auch im städtischen München für durchschnittlich -3,7 Grad. Am 7. Januar wurde der Münchner Tiefstwert gemessen: -15 Grad. Der 7. Januar war auch der Tag, an dem die bundesweite Tiefsttemperatur des Monats gemessen wurde: in Reit im Winkl (Kreis Traunstein). Hier hatte es -26,3 Grad. Selbst in Oberhaching war es da bitterkalt (-20,3 Grad). Kein Zufall, wie Meteorologe Jörg Kachelmann sagt: „Dass es dort kalt wird, ist nichts Neues.“ Beide Orte erfüllen eine Voraussetzung, die besonders kalte Temperaturen ermöglicht. In sogenannten Muldenlagen, Senken, „sammelt sich die Kaltluft auf dem Boden“. 

Besonders, wenn die Tage kurz und die Nächte lang sind, so Kachelmann. Damit solch tiefe Temperaturen gemessen werden können, „muss es klar und windstill sein“. Wolken beispielsweise würden reflektieren und Wärme somit etwas halten – bei klarem Himmel ist das nicht der Fall. In Reit am Winkl und in Oberhaching also gab es gute Bedingungen für Tiefsttemperaturen.

Kachelmann: „Februar 1956 war etwas ganz Besonderes“

Aber befindet sich Oberhaching wirklich in einer Muldenlage? Zumindest die Wetterstation. Die nämlich steht im drei Kilometer entfernten Laufzorn. Diese Wohnsiedlung liegt in einer Mulde, der umgebende Wald sorgt für ausreichende Windstille. Die perfekten Zutaten für frostige Temperaturen. Also schlussfolgert Kachelmann: „Das hat nichts mit den Orten zu tun. In Oberhaching ist es nicht kälter als in Unterhaching.“ Man müsse immer darauf achten, wo genau die Messstation stehe. „Es gibt ganz viele Laufzorns.“

Dass der Januar heuer 2,9 Grad kälter war als sonst, hält Kachelmann „nicht für wild“. „Februar 1956“, sagt der Meteorologe, „der war etwas ganz Besonderes“. Kälter als der Januar 2017. „Da hatte es fast den ganzen Monat über minus 15 bis minus 20 Grad.“

Bei den vorhergesagten Temperaturen droht Glatteis

Ohnehin wird es solche Werte im Februar nicht mehr geben, sagt Meteorologe Volz: „Mit den winterlichen Temperaturen ist es erst einmal komplett vorbei.“ Für heute seien bayernweit zwei bis acht Grad zu erwarten. In den nächsten Tagen erwartet Volz „größtenteils trübes Wetter“. Er warnt vor einem derzeit kritischen Übergangsbereich: Es soll regnen. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt droht Glatteis.

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