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Seit 100 Jahren geht es mit der Bahn rauf auf den Wendelstein.

Deutschlands erste Hochgebirgsbahn hat Geburtstag

Brannenburg - Es ist Nostalgie und Hightech zugleich - eine Fahrt mit der Zahnradbahn auf den Wendelstein. Nun hat die Bergbahn Geburtstag. Sie ging vor 100 Jahren in Betrieb - damals eine Pionierleistung.

Deutschlands erste Hochgebirgsbahn feiert ihren 100. Geburtstag. Die Zahnradbahn auf den 1838 Meter hohen Wendelstein gilt als eine der herausragendsten technischen Pionierleistungen im beginnenden 20. Jahrhundert. Sie ging am 25. Mai 1912 in Betrieb. Als ihr „Vater“ gilt der aus Baden-Württemberg stammende Kommerzienrat Otto von Steinbeis, der Brannenburg nahe Rosenheim zur Wahlheimat erkoren hatte. An diesem Wochenende (18. bis 20. Mai) feiert die Wendelsteinbahn das Jubiläum.

Die touristische Erschließung der felsigen Erhebung im Mangfallgebirge begann nach historischen Aufzeichnungen in den Jahren 1882 und 1883. Damals wurde etwa 100 Meter unterhalb des Gipfels das Wendelsteinhaus als erste bewirtschaftete Unterkunft in den bayerischen Alpen gebaut. Seitdem hat der Berg den Ruf als Münchner Hausberg weg. Bergbahnen gab es seinerzeit nur in den Schweizer Alpen. Doch der Industriepionier Steinbeis brachte durch seine forstwirtschaftlichen Betriebe in Bosnien bereits Erfahrungen im Bau von Schmalspurbahnen mit. Und er hatte das nötige Geld.

Seine Idee von einer elektrisch betriebenen Bergbahn galt damals als Sensation, denn Strom war in der Wendelstein-Region noch nicht vorhanden. Am 4. Februar 1910 unterzeichnete Prinzregent Luitpold die Konzessionsurkunde. Erst entstand in Brannenburg ein Wasserkraftwerk. Es erzeugte den Gleichstrom, den die Zahnradbahn braucht. Mühevoll gelang es danach 800 überwiegend bosnischen Arbeitern in nur zwei Jahren, die knapp zehn Kilometer lange Bahnstrecke mit sieben Tunnels, acht Galerien, zwölf Brücken und aufwendigen Stützmauern zu errichten. Unmengen Baumaterial mussten dafür bewegt werden.

In 25 Minuten bringen heute zwei Doppeltriebwagen mit je 1368 PS die Bergfreunde ins hochalpine Gelände. In steilen Passagen läuft ein Zahnrad am Fahrzeugboden in die Zahnstange zwischen den Schienen ein und zieht den Zug auf diese Weise hinauf, wie Betriebsleiter Florian Vogt erklärt. Das Grundprinzip dieser Antriebsart hat sich im Vergleich mit dem Ursprung kaum verändert. „In flachen Strecken fährt der Zug wie eine andere Bahn auch durch Reibung auf dem Gleis.“

Hinunter geht es dabei wegen des längeren Bremsweges mit höchstens 16 Stundenkilometern, bergauf schafft der Zug mit maximal 200 Fahrgästen 30 Stundenkilometer. Nostalgiker kommen auf ihre Kosten, wenn etwa bei Mondscheinfahrten historische Zuggarnituren aus der Gründerzeit der Wendelsteinbahn eingesetzt werden. Seit 1970 verkehrt vom Bayrischzeller Ortsteil Osterhofen (Landkreis Miesbach) aus auch eine Seilbahn auf den Berg.

Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) weiß, was er an der Wendelstein-Zahnradbahn hat. „Die Angebote unserer Bergbahnen tragen ganz wesentlich zur Attraktivität Bayerns als Tourismusland Nr. 1 in Deutschland bei“, sagte er dieser Tage bei einem Besuch in Garmisch-Partenkirchen, wo die jüngere „Schwester“ der Wendelsteinbahn fährt, die 1930 eröffnete Zahnradbahn auf die Zugspitze. Zeil weiter: „Gerade in den ländlichen Regionen Bayerns sind die bayerischen Bergbahnen ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.“

Nach Angaben des Verbandes Deutscher Seilbahnen (VDS) gibt es in Deutschland 171 Seilschwebebahnen und vier Zahnradbahnen. Zwei Drittel davon verkehren in Bayern. Jeder Arbeitsplatz bei Bergbahnen sichere bis zu sieben Arbeitsplätze bei den Zulieferbetrieben und anderen touristischen Betrieben in der Region, heißt es beim VDS.

Zum Festakt an diesem Freitag in Brannenburg hat sich Minister Zeil angesagt. Am Wochenende gibt es Sonderfahrten mit der Nostalgiebahn und Führungen durch die Wagenhalle samt Einblicken in die Technik der Bergbahn. Am 9./10. August sorgen Blechbläserkonzerte auf der Bergterrasse für Stimmung. Bei zwei Astro-Nächten am 31. August und am 1. September in Universitätssternwarte und Observatorium auf dem Wendelstein steht das Geheimnis des Universums im Blickpunkt. Am 28./29. Juli warten in den Inntaler Unterwelten, der Schauhöhle des Berges, Führungen und Klettertouren auf die Besucher.

dpa

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