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Ein DHL-Bote bei der Arbeit.

„Den Kunden mag ich nicht, der kriegt heute nichts“

DHL-Bote klagt an: „Einige meiner Kollegen sind faul“

München - Nachdem ein DHL-Fahrer auf Reddit über seine Arbeit  auspackte, meldet sich nun ein Insider aus Bayern zu Wort - und bringt pikante Details ans Licht. Die DHL weist die Vorwürfe zurück.

Vor einiger Zeit forderte ein Reddit-User, seines Zeichens offenbar DHL-Bote aus dem Raum Hamburg, die Internetgemeinschaft dazu auf, ihm drängende Fragen zum Thema DHL zu stellen, die er mit geradezu schmerzhafter Ehrlichkeit beantwortete

Als Reaktion darauf meldeten sich bei unserer Onlineredaktion weitere DHL-Mitarbeiter und Betroffene, um über ihre Erlebnisse und Erfahrungen mit dem Unternehmen zu berichten und weitere Geheimnisse aus der Welt der gelben Autos zu verraten. Hier veröffentlichen wir den ersten Erfahrungsbericht. Die Redaktion ließ sich das tatsächlich vorliegende Arbeitsverhältnis bestätigen. 

Aus Angst vor möglichen Reaktionen seines Arbeitgebers möchte der DHL-Bote nicht namentlich genannt werden, deswegen geben wir ihm den Fantasie-Namen Peter Maier. Er kommt aus Bayern.

Subunternehmer tragen Mitschuld

Maier kritisiert hauptsächlich das Subunternehmer-System und stellt die DHL Delivery an den Pranger. Diese DHL-Tochtergesellschaft wurde im Jahr 2014 gegründet und bündelt eine Gruppe hauseigener Subunternehmer unter einem Namen. Obwohl durch die 49 regionalen Niederlassungen zuvor befristete Mitarbeiter unbefristet angestellt und so neue Arbeitsplätze geschaffen wurden, werden die Mitarbeiter dort jedoch nach den deutlich günstigeren, regionalen Tarifen bezahlt und nicht nach nach dem Tarif der Deutschen Post. Wie die ZDF-Sendung Frontal21 im Jahr 2015 berichtete, lag der Durschnitts-Stundenlohn der Mitarbeiter zwischen zwei und fünf Euro unter dem Post-Tarif, in den neuen Bundesländern teilweise sogar bis zu sieben Euro. Dies führt immer wieder zu Unzufriedenheit der Mitarbeiter und Streiks der Gewerkschaft ver.di.

Der Fahrer beklagt: „Seitdem das Unternehmen die DHL Delivery gegründet hat, geht es mit der DHL rapide bergab.“ Die Subunternehmer versuchten, ihre Unternehmen so günstig wie möglich zu führen, worunter die Arbeitnehmer, aber im Endeffekt auch die Kunden zu leiden hätten.

Eine Behauptung, die von der DHL zurückgewiesen wird. „Jeder Delivery-Beschäftigte hat einen Arbeitsvertrag mit der Delivery GmbH und wird nach dem mit Verdi ausgehandelten Tarifvertrag SpedLog bezahlt“, erklärt DHL-Sprecher Hugo Gimber. 

„Den Kunden kann ich nicht leiden, der bekommt heute nichts“

Doch DHL-Bote Maier geht noch weiter: Vor allem bei der Auswahl der Paket-Boten gehe man nicht mehr so gründlich vor. „Es werden Menschen eingestellt, die in diesem Gewerbe nichts zu suchen haben, sei es in puncto Ehrlichkeit oder Zuverlässigkeit“, so Maier. Die meisten seien faul und machten ihre Arbeit nicht ordentlich. Hin und wieder komme es sogar zu Diebstählen und Unterschlagungen. Auch Aussagen wie „Den Kunden kann ich nicht leiden, der bekommt heute nichts“ höre er immer wieder von Kollegen.

Auch hier Einspruch von DHL-Sprecher Gimber: „Die Einstellungsvoraussetzungen für Delivery-Zusteller unterscheiden sich nicht von denen bei der Deutschen Post AG. Bei beiden Unternehmen gehört zu den Unterlagen, die bei der Einstellung vorgelegt werden müssen, auch ein polizeiliches Führungszeugnis. Die Unterstellung, dass die meisten Delivery-Kollegen unehrlich, unzuverlässig und faul sind, weisen wir entschieden zurück.“

DHL-Bote Maier klagt weiter an: Die Subunternehmer seien nicht an den verbindlichen Haustarif der Post gebunden und verzichteten zudem noch auf gut ausgebildetes Personal, um die Lohnkosten weiter zu senken. Die Aussage „Erst muss ich mein Geld haben, dann bekommst du deins“ sei dabei keine besonders große Motivation für die Fahrer. 

DHL: „Subunternehmer-Arbeitsbedingungen orientieren sich an branchenüblichen Maßstäben“

Die DHL betont: Die Subunternehmer könnten nur innerhalb eines festgelegten Rahmens handeln. DHL-Sprecher Gimber erläutert: „Wir sind - wie andere Unternehmen übrigens auch - darauf angewiesen, durch den Einsatz von Servicepartnern flexibel auf Zeit- und Mengenänderungen reagieren zu können. Im Gegensatz zu Wettbewerbern waren in der Vergangenheit allerdings weniger als drei Prozent der Paketzustellbezirke in Deutschland an Servicepartner vergeben. Die Arbeitsbedingungen der dort beschäftigten Paketzusteller sowie deren Vergütung orientieren sich an branchenüblichen Maßstäben. Unsere Servicepartner müssen sich bezüglich Arbeitsbedingungen und Löhnen an die gesetzlichen Bestimmungen halten. Auch haben wir die Verpflichtung zur Einhaltung des Mindestlohngesetzes in unsere Vertragsbedingungen aufgenommen und lassen uns die Einhaltung des Mindestlohngesetzes bei jeder Auftragsänderung bestätigen. Bereits bei Ausschreibungen weisen wir auf die Einhaltung des Mindestlohns hin. Werden Tatsachen bekannt, die gesetzeswidrig sind, behalten wir uns die fristlose Kündigung vor. Ein direkter Eingriff in die Lohnstruktur der Servicepartner ist nicht möglich, da es sich um selbstständige Unternehmen handelt, die in eigener Verantwortung ihren Betrieb leiten.“

Zudem führt DHL-Sprecher Gimber ein Testergebnis auf, um die DHL gegen die Vorwürfe zu verteidigen: „Im Test der Stiftung Warentest (12/2014) sind wir als Testsieger hervorgegangen – Stiftung Warentest schreibt: Wer auf Arbeitsbedingungen und Umweltschutz Wert legt, findet mit DHL einen guten Dienstleister fürs Paketversenden. Die Paketfahrer erhalten meist mehr Geld und müssen weniger lange arbeiten als bei den anderen Zustellfirmen.“

kah

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