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Überlastete Migrationsberater

Diakonie: Mehr Geld für Flüchtlingsbetreuung

Nürnberg - Manche Mitarbeiter in der Migrationsberatung betreuen bis zu 600 Fälle - eindeutig zu viel, findet die Diakonie. Deshalb wird jetzt mehr Geld gefordert.

Die Diakonie hat deutlich mehr Geld für die Betreuung von Flüchtlingen bei der Integration gefordert. Rechnerisch betreue jeder Mitarbeiter in der Migrationsberatung mehr als 300 und teilweise sogar bis zu 600 Fälle, sagte Diakonie-Vorstand Tobias Mähner am Freitag in Nürnberg. Dabei sei das Ziel der Bundesregierung ein Verhältnis von einem Betreuer zu 150 Fällen. Die Berater helfen Menschen nach der Anerkennung als Flüchtling bei der Suche nach Sprachkursen, Arbeit, Wohnung oder ärztlicher Versorgung sowie beim Thema Familiennachzug. Die Diakonie fordert, dass Land und Bund ihre Zuschüsse deutlich erhöhen.

Die Politik dürfe nach dem ersten Schritt - der Registrierung und Anerkennung der Menschen - den zweiten nicht vergessen, sagte Diakonie-Chef Michael Bammessel: die Integration. „Leider aber reagiert die Politik unseres Erachtens an dieser Stelle viel zu lahm.“ Für Erwachsene solle der Bund seine Mittel zunächst um 17 Millionen auf knapp 62 Millionen Euro aufstocken, fordert die Diakonie. Für die Beratung von Jugendlichen müsse es 18 Millionen Euro mehr geben und damit insgesamt 60 Millionen Euro. Auch der Freistaat müsse mehr Geld in die Hand nehmen.

Mittel für Migrationsberatung auf knapp 4 Millionen Euro erhöht

Und dies seien noch „moderate Forderungen“, sagte Bammessel. Denn damit würde gerade einmal ein Betreuungsverhältnis von 1 zu 250 geschaffen. „Auf lange Sicht kommen wir jedoch um eine massive Erhöhung der Haushaltsmittel nicht herum“, sagte Mähner. Wenn die Integration der Menschen misslinge, leide darunter vor allem die deutsche Gesellschaft.

Der Freistaat habe die Mittel für die Migrationsberatung im Nachtragshaushalt 2016 bereits von 2,4 auf knapp 4 Millionen Euro erhöht, teilte das Sozialministerium mit. „Diese Mittel wurden bislang vonseiten der Verbände jedoch trotz mehrfacher Aufforderung noch nicht abgerufen.“

Andrea Betz von der Inneren Mission in München berichtete, dass die Kapazitäten ihrer Kollegen bereits vollends erschöpft seien. Die Zahl der Fälle sei im vergangenen Jahr um ein Vierfaches gestiegen, allein in den vergangenen zwei Monaten seien 150 neue Fälle hinzugekommen. „Wir können aber leider keine Termine mehr anbieten“, sagte Betz. „Die Berater sind völlig überfordert.“ Bammessel betonte: „München ist zwar ein Brennpunkt, aber ähnliche Probleme gibt es im ganzen Land.“ In vielen Landkreisen gebe es keine einzige Beratungsstelle.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa (Archivbild)

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