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So mancher – wie die junge Dame im Bild – braucht für die Unterschiede zwischen Bairisch und Hochdeutsch ein Wörterbuch. Oder ist beides am Ende dasselbe?

Nachgehakt zum Dialekt

So schaut‘s aus: Bairisch ist (nicht) Hochdeutsch

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An Hochdeutsch scheiden sich die Geister. Immer wieder schreiben uns Leser, die es stört, wenn der Begriff als Gegensatz zu Bairisch verwendet wird. Wir haben nach dem Grund geforscht – und jemanden gefragt, der es genau wissen muss.

München – Ludwig Zehetner ist einer, der verzeihen kann. Der Bairisch-Papst und Kämpfer für den Dialekt nimmt es als Sprachwissenschaftler mit den Begrifflichkeiten eigentlich sehr genau – er ist Autor mehrerer Bücher zu dem Thema, darunter das bekannte Lexikon „Bairisches Deutsch“. Bei einer Frage ist er aber tolerant, „wenn auch mit schlechtem Gewissen“, wie er sagt. In der Sache mit dem Bairischen und dem Hochdeutschen nämlich.

Wer hat recht?

Das eine ist das Gegenteil vom anderen, sagen die einen. Beides das gleiche, sagen die anderen. Herrschaftszeiten, wer hat jetzt recht? Keiner – und beide. Die Bairisch-Babylonische Sprachverwirrung erklärt Dialektforscher Zehetner so: „Der Begriff Hochdeutsch ist doppelt befüllt.“ Heißt: Wenn zwei das gleiche sagen, heißt das längst nicht, dass sie auch dasselbe meinen.

Ludwig Zehnter ist renommierter Mundartforscher und Buchautor. Er erklärt die begriffliche Verwirrung.

Das kam so: Der Begriff Hochdeutsch im ursprünglichen Sinne bezeichnet die sogenannten hochdeutschen Dialekte, jene also, die höher über dem Meeresspiegel gesprochen werden, und grenzt sie damit geografisch vom küstennäheren Niederdeutschen ab. Diese Nord-Süd-Grenze verläuft jenseits des Weißwurstäquators, ungefähr zwischen Kassel und Frankfurt. Wer also in diesem Sinne behauptet, Bairisch ist Hochdeutsch, hat recht. Aber nur teils: Die Bezeichnung gilt auch für das Fränkische und das Thüringische. Und für das Schwäbische sowie alemannische Dialekte, die in Teilen Österreichs und der Schweiz gesprochen werden. Diese beiden Gruppen zählen Sprachforscher mit dem Bairischen sogar zum Oberdeutschen – Bairisch ist sprachlich also mit das Höchste der Gefühle, wenn man es ganz genau nimmt.

Hochsprache überdacht alle Mundarten

Warum wird dann im Sprachgebrauch Hochdeutsch genannt, was eigentlich nur eine Handvoll Menschen im Raum Hannover sprechen? Oder das zumindest von sich behaupten, in ganz Deutschland wurlt es ja nur so vor Dialekten. „Dabei geht es um den Gegensatz von Hochsprache und Dialekt“, erklärt Bairisch-Experte Zehetner. „Es stimmt, dass die Hochsprache höher steht, weil sie alle Mundarten überdacht, sonst könnten wir uns nicht unterhalten.“ Hochdeutsch in diesem Sinne meint also hochsprachliches Deutsch, einen Kompromiss zur besseren Verständigung unter den verschiedenen deutschen Dialekten.

Ideal findet es Zehetner aber nicht, dass sich dafür der Begriff Hochdeutsch eingebürgert hat. Er rät stattdessen zu den Begriffen Schriftsprache oder Standarddeutsch. Hochdeutsch habe sich von einem geografischen zu einem normierenden Begriff entwickelt. „Manche, die Dialekt lieben, fühlen sich angegriffen, wenn die Gegensätzlichkeit zwischen Dialekt und Hochsprache betont wird“, erklärt der Sprachforscher. Und bemüht das Bild eines Drehzahlmessers wie im Auto: Zwischen null Dialekt, sprich Hochsprache, und Vollgas-Mundart gibt es laut Zehetner reichlich Zwischenstufen.

Kennen Sie diese bairischen Schimpfwörter?

Duden listet beides auf

Auch er bewegt sich fließend zwischen den Extremen. Meistens bleibt er beim Bairischen, dem ja seine Leidenschaft gilt. Für sein Fazit betont Zehetner seine Worte aber präzise im Standard, spricht von einer terminologischen Verwirrung: „Das ist nur ein Etikett“, betont er. „Was draufsteht, hat mit dem Inhalt aber nichts zu tun.“

Der Duden listet unter „hochdeutsch“ übrigens beide Bedeutungen – die geografische aber erst an zweiter Stelle. „Deutsch, wie es nicht den Mundarten (...) entspricht“, steht dort zuerst. Das wird aber nicht alle überzeugen: Der Duden-Verlag sitzt in Berlin. Und Berlin ist sprachlich gesehen halt nicht Oberdeutschland.

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