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Supermarkt-Geschäftsführerin Theresa Neumayr, 28, und ihr Vize, Konstantin Lanzl, 21, zwischen Putzmitteln und Shampoos.

„Guad’l“ und „ebs Siass“

Dialekt im Supermarkt: Hier können Sie auf boarisch einkaufen

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Ein Supermarkt bricht eine Lanze für den bayerischen Dialekt. Die Schilder über den Regalen weisen statt „Bonbons“ und „Süßwaren“ auf „Guad’l“ und „ebs Siass“ hin. Den meisten Kunden gefällt das Marketing auf Bairisch. Etwas Kritik gibt es aber trotzdem.

Bruckmühl – Mit einer Packung Eierwaffeln in der Hand schaut Katja Flaig nach oben und stutzt. Es vergehen ein paar Sekunden, bis sie das Schild, das über dem Regal von der Decke hängt, übersetzt hat. Dann muss sie lachen. „Waddn füad Untabix“ steht dort. Statt „Damenhygieneartikel“.

Selbst für Bairisch-Muttersprachler sind einige der Wegweiser im Rewe-Supermarkt in Bruckmühl (Kreis Rosenheim) kleine Denksportaufgaben. „Für’s Mai“ hat nichts mit dem Frühling, sondern mit Zahnpflege zu tun. „Für mich ist das schon anstrengend zu lesen – aber ganz lustig“, sagt die Hochdeutsch sprechende Supermarktkundin Katja Flaig (46) aus dem benachbarten Westerham. Sie lebt seit vielen Jahren in Bayern, ist aber in Baden-Württemberg ohne Dialekt aufgewachsen.

„Wir heben uns von dem großen Rewe-Konzern ab“

Ganz anders die Geschäftsführerin des Supermarktes, Theresa Neumayr (28), und ihr Stellvertreter Konstantin Lanzl (21). In unverkrampftem Oberbairisch erklären die beiden, was hinter der Bajuwarisierung der Regalbeschriftung steckt. „Das macht den Markt ein bisschen persönlicher. Wir heben uns von dem großen Rewe-Konzern ab und stellen einen Heimatbezug her“, sagt Lanzl. „Wenn jemand was nicht versteht, kann er uns gerne fragen, dann helfen wir auf Deutsch, Englisch oder mit Händen und Füßen weiter“, ergänzt die Chefin und lacht.

Kundin Katja Flaig ist ein bisschen skeptisch.

Die Übersetzungen hat das Supermarkt-Team gemeinsam mit dem Inhaber, Martin Gruber, erarbeitet. Dem gehört in Rott am Inn zwischen Wasserburg und Rosenheim ein zweiter Supermarkt, in dem es genauso bairisch zugeht. In seinen Märkten in Aßling und Grafing (Kreis Ebersberg) hat er auf die Schilder im Dialekt verzichtet: Im Münchner Speckgürtel ist das Klientel offenbar ein anderes. Preußischer, anscheinend.

Kritik gibt es aber den Marktleitern zufolge auch in Bruckmühl dann und wann, von Bayern wie von Preußen. „So ein Schmarrn“, habe eine ältere Dame einmal kopfschüttelnd zu ihm gesagt, erzählt Lanzl. Andere hätten kritisiert, die bayerischen Schilder seien diskriminierend jenen gegenüber, die keinen Dialekt verstünden.

„Einmal kann man schon drüber lachen“

„Überhaupt nicht“, kommentiert das die „zugezogene“ Kundin Katja Flaig. Ganz überzeugt ist sie aber nicht von dem Marketing-Gag: „Einmal kann man schon drüber lachen. Auf Dauer würde es mich aber nerven“, sagt sie. Ein bisschen aufgesetzt wirke die Beschilderung schon. So wie die Tatsache, dass ihre Kinder im Kindergarten „Pfiatdi“ statt „Auf Wiedersehen“ sagen müssten, obwohl sie gar kein Bairisch sprächen.

Begeistert von den bairischen Regal-Wegweisern ist dagegen die Bruckmühlerin Margit Benz (33), die gerade mit ihren Kindern Benni (9) und Leni (7) im Schlepptau Richtung Klopapier („Papier füan Abort“) unterwegs ist. „Die Schilder sind einfach Heimat“, sagt sie. „Und wer’s nicht versteht, findet die Sachen auch so.“

Bei manchen Übersetzungen hat sich das Supermarkt-Team übrigens schwergetan. Bei der Milch herrschte Stimmengleichheit für „Mille“ und „Muich“, Vizechef Lanzl entschied auf Ersteres. Reis blieb einfach nur Reis. Und viele andere Beschriftungen im Markt sind sowieso auf Hochdeutsch, wie an den Kühl- und Gemüsetheken. Dort hängt ein großes Schild, das „Möhren“ anpreist. Vielleicht erbarmt sich ja noch jemand und ändert es in „Gelbe Ruam“. Oder schreibt wenigstens „Karotten“ drauf.

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