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Sprachliches Selbstbewusstein: In Bayerns Schulen soll der Dialekt wieder eine größere Rolle spielen.

Stellenwert der Mundart

Dialekt in Schule: „Bairisch macht schlau“

München - Dialekt und Schule – passt das zusammen? Ja, sagen Forschung und Kultusministerium mittlerweile. Eine aktualisierte „Handreichung“ für Lehrer soll helfen, den Stellenwert der Mundart in der Schule zu stärken.

Das sprachliche Selbstbewusstsein des Südens muss weiter gestärkt werden – vor allem bei der Jugend. Zumindest wenn es nach Werner König geht. In einem Essay fordert der renommierte Augsburger Dialektforscher außerdem, dass die Mundart schon in der Grundschule Teil des Unterrichts sein müsse. Laut König sollte sogar per Gesetz verboten werden, ein Kind wegen seiner gesprochenen Muttersprache zu tadeln. Nur so ließe sich die „Ideologie der sprachlichen Überlegenheit des Nordens“, so König, in Frage stellen.

Königs Thesen zur sprachlichen Diskriminierung sind schon ein paar Jahre alt. Dass sein Essay nun aber in eine vom bayerischen Kultusministerium herausgegebene Handreichung für Lehrer mitaufgenommen wurde, zeigt, wie sehr sich die Einstellung zum Dialekt im Klassenzimmer in den vergangenen Jahren gewandelt hat.

Die Dirndl- und Lederhosendichte war groß im Steinernen Saal des Bayerischen Landtags. Schüler, Lehrer, Sprachforscher und Politiker aus Bayern versammelten sich dort, um sich zum Dialekt zu bekennen. Zu einer sprachlichen Tradition, die vor allem im Schulalltag lange Zeit ein belächeltes Dasein fristete. Während interessierte Gäste in den Auslagen der Info-Stände stöberten, rückten die Schüler des Landschulheims Schloss Ising ihre Instrumente zurecht. Ein stattliches Rahmenprogramm mitsamt Musikkapelle, Schüler-Aufführungen und Vorträgen sollte dem Anlass gerecht werden: Der Vorstellung der neuen Auflage von „Dialekte in Bayern“, einer Handreichung für Lehrer, die Grundlagen und Unterrichtsanregungen zum Thema Dialekt in der Schule liefert. Jede bayerische Schule erhält ein Exemplar.

Es gibt zahlreiche Projekte zur Bairisch-Förderung, von denen einige in die Lehrer-Empfehlung mitaufgenommen wurden: Etwa das Oberviechtacher Dialektprojekt, die Forschungen „Sprache im Fluss“ im Altmühl-Jura-Raum oder das Bayernbund-Projekt „Freude an der Mundart wecken und verstärken“ aus dem Chiemgau. Am Dossenberger-Gymnasium in Günzburg setzten sich Schüler in einem P-Seminar mit ihrer „Muttersprache“ auseinander.

"Bewusste Ausbildung der inneren Mehrsprachigkeit"

Die Vielzahl an Projekten und der große Veranstaltungsrahmen im Landtag zeigen, wie sehr der Dialekt wieder in den Fokus gerückt ist. „Diese Gunst erfährt nicht jede Handreichung“, stellte Hermann Ruch vom Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung fest. Es hat sich viel getan, seit die erste Auflage im Jahr 2006 erschienen ist. Nicht nur am Umfang der Handreichung, die von 215 Seiten auf fast 400 Blatt angewachsen ist und Beiträge von 28 Autoren umfasst. Auch im Schulalltag soll der Dialekt allmählich nicht mehr als Hindernis gesehen werden, sondern als Bereicherung.

Also vorbei die Zeiten, in denen ein Schüler in Berchtesgaden auf die Förderschule verwiesen wurde, weil seine Lehrerin dessen Mundart nicht verstand? Zeiten, in denen am Miesbacher Gymnasium eine Lehrerin dozierte, wer Bairisch spreche, sei unfähig, Französisch zu lernen? Paradigmenwechsel. Heute heißt es: „Dialekt macht schlau.“ Diese Überschrift trägt ein Kapitel der neuen Handreichung. Und so spricht Ruch im Landtag von einer „bewussten Ausbildung der inneren Mehrsprachigkeit“. Die Sprachbarrieren-Diskussion scheint überwunden. Zumindest von offizieller Seite.

Aber wie sieht es im Schulalltag aus? Dort, wo die Handreichung wirken sollte, wenn sie denn nicht in den Regalen der Lehrerzimmer verstaubt. Projekte, wie der im Landtag gezeigte Kurzfilm „Gaggerli“ vom Celtis-Gymnasium Schweinfurt, in dem das fränkische Wort amüsant unter die Lupe genommen wird – es kann sowohl Eier wie Hühner bedeuten –, leisten einen Beitrag. Aber Sepp Obermeier vom Bund Bairische Sprache wünscht sich eine Sprachförderung „aus einem Guss“, die schon in der Vorschule beginnen soll. „Bevor den Kindern der Dialekt ausgetrieben wird.“ Und auch für Königs Wunschvorstellung, einem Unterricht frei von sprachlicher Diskriminierung, können vereinzelte Themenprojekte zum Dialekt nur ein erster Schritt sein. Genau wie eine Handreichung. Laut König ein „wertvoller Beitrag“ – aber gleichzeitig nur „ein Tropfen auf den heißen Stein“.

Dominik Göttler

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