Preiswürdige Musikkabarettisten: Die Couplet-AG, bestehend aus Bernhard Filser, Jürgen Kirner, Bianca Bachmann und Bernhard Gruber bekommt den Dialektpreis.

Verleihung in München

Dialektpreis für Couplet-AG: „Dialekt stiftet Gemeinschaft“

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Dialekt und Brauchtum, vor allem das Gstanzl- und das Coupletsingen ist ihr Herzensanliegen. Heute bekommt die bayerische Musikkabarettgruppe „Couplet-AG“ in der Allerheiligenhofkirche in München den Dialektpreis Bayern 2018 verliehen.

Seit 25 Jahren touren Jürgen Kirner, Bianca Bachmann, Bernhard Gruber und Berni Filser durch Süddeutschland und Österreich und verzaubern durch gelebtes Brauchtum. Wir sprachen mit dem Gründer Jürgen Kirner (57).

Freuen Sie sich über den Preis, Herr Kirner?

Und wie! Wir haben natürlich auch schon ein Couplet vorbereitet für die Preisverleihung. Wir haben als Couplet-AG ja das Ziel, die Tradition des Couplets als bayerische Liedform zu fördern und zu erhalten. Es gibt das bayerische Volkssängertum ja schon sehr lange, auch schon vor Karl Valentin. Die Blütezeit war in München zwischen 1840 und 1920. Danach verschwand dieses kulturhistorische Gut. Mit der Couplet-AG hab ich das Ganze wiederbelebt. Ich persönlich setze mich seit 40 Jahren für den Erhalt ein und dafür, dass das Volkssängertum nicht verloren geht, sondern neue Impulse bekommt. Ich freue mich, dass die Saat allmählich aufgeht.

Da waren Sie ja erst 17 Jahre alt, als sie damit begannen. Wie kamen Sie damals dazu?

Ich bin da quasi erblich vorbelastet. Mein Großvater mütterlicherseits war ein begnadeter Gstanzl- und Coupletsänger. Ich habe dann als Jugendlicher angefangen. In der Stadt Hemau in der Oberpfalz, 30 Kilometer westlich von Regensburg, gibt es eine Tradition, dass an den Sonntagen im Fasching in den Wirtschaften die Leute, vor allem die Politiker, ausgesungen werden. Ich habe damals eine Gruppe gegründet und wir haben das Feld der Lokalpolitik satirisch beharkt.

Haben auch Sie schon einen Nachfolger, der die Tradition fortsetzt?

Gute Chancen bestehen bei meiner Großnichte Magdalena. Sie ist eineinhalb Jahre alt und hat sensationell viel Spaß an Couplets.

Wie steht es um die Dialekte Bayerns?

Zum Glück wird draußen auf dem Land noch viel Dialekt gesprochen, aber auch da fördert unser Bildungssystem das Verschwinden, indem schon in Kindertagesstätten Dialekte eher ab- als anerzogen werden.

Was kann helfen?

Man muss die Leute für Dialekte begeistern, dass man sie mitnimmt auf die Reise. Im Zelt „Die Schönheitskönigin“ auf der Oidn Wiesn singen wir zum Beispiel auf Bairisch mit den Menschen im Zelt. Das hat etwas wunderbar Befruchtendes. Sie bemühen sich, auch wenn sie im Alltag nicht Bairisch sprechen. Dialekt stiftet Gemeinschaft und er schafft auch einen Nachahmereffekt, die Leute sprechen die bairischen Wörter nach.

Verstehen die Zuschauer Sie? Auf der Bühne sprechen Sie ja Dialekt.

Ja, man muss langsam und deutlich sprechen, dann ist Dialekt gut verständlich. Bei der „Couplet-AG“ sprechen alle Figuren unterschiedliche Dialekte, da kann man die Typen farbiger herausarbeiten. Bei uns gibt es fränkische Typen, niederbayerische, oberbayerische, oberpfälzer und alle möglichen anderen Klangfarben Bayerns.

Was unterscheidet zum Beispiel den Oberpfälzer vom Oberbayern?

Der Oberpfälzer lebt und liebt die Wirtshauskultur und nimmt heftigen Anteil am Leben der anderen. Er fragt einen fremden Wirtshausgast, wo er herkommt und warum er da ist. Die Oberbayern sind da eher reserviert. Niederbayern zeichnet ihr Stolz aus.

Haben Sie bayerische Lieblingswörter?

Es sind die, die am Verschwinden sind: Zum Beispiel Rogl und Guggern für Tüte. Nur in Oberbayern hin zu Österreich sagt man Sackerl. Gerne mag ich auch ganz regionale Begriffe: Zu Windischeschenbach sagen die Einheimischen Tschitscherlboch. Das versteht man sonst nirgendwo.

Interview: Susanne Sasse

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