Konrad und Veronika Wolfmiller stehen mit Gourmetkoch Dominik Schmid  in ihrem Wirtshaus in Finning
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Drei Freunde mit kreativen Ideen: Konrad und Veronika Wolfmiller und der Gourmetkoch Dominik Schmid verkaufen eine Lebensmittelbox mit Rezepten, mit der jeder zu Hause Vier-Gänge-Menüs kochen kann.

Wirte werden kreativ im Lockdown

Die Box, die jeden zum Gourmetkoch macht

  • Klaus Mergel
    vonKlaus Mergel
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Drei ambitionierte Gastronomen wagten sich in Finning (Kreis Landsberg) an ein Feinschmeckerlokal jenseits der Großstadt. Trotz Corona ein Erfolg – bis zum zweiten Lockdown. Doch mit ihrer VierGänge-Menü-Box sollen nun die Gäste zu Gourmetköchen werden – in den eigenen vier Wänden.

  • Wirte werden kreativ im Lockdown und entwickeln Gourmet-Box
  • Gäste können sich mit ausführlicher Anleitung Vier-Gänge-Menü zu Hause kochen
  • Für Weihnachten gibt es ein Spezial-Angebot

Dass das Projekt keine „g’mahte Wiesen“ werden würde, war klar. Ein Feinschmeckerlokal mitten in der Provinz? „Es war uns bewusst, dass es ein Risiko werden würde“, sagt Gourmetkoch Dominik Schmid. Finning liegt im Landkreis Landsberg am Lech, 50 Kilometer von München entfernt. Es ist keine Metropole. Dann auch noch der erste Lockdown, der die Eröffnung verzögerte. Und nun ist das Wirtshaus zum zweiten Mal dicht. Doch Schmid und das Gastronomen-Paar Veronika und Konrad Wolfmiller entwickelten eine neue Idee. Gourmet-Küche für zu Hause. Jeder kann jetzt mit ihrer Hilfe ein Vier-Gänge-Menü zu Hause kredenzen – und das Lob einstreichen.

Konrad Wolfmillers Passion ist es, auf hohem Niveau kreativ zu kochen. Früher betrieben der 51-Jährige und seine Frau das kleine Hotel „Le Chalet“ am Ammersee mit dem Restaurant „Fingerprint“. Dort lernte Dominik Schmid gerade sein Küchenhandwerk – die drei blieben in Kontakt.

2011 übernahmen die Wolfmillers den „Staudenwirt“ von Veronikas Familie: ein großer Betrieb, in der Region für sein gutbürgerliche Küche geschätzt. Doch der Wunsch, Haute Cuisine zu zelebrieren, blieb. „Unser großer Traum“, sagt Konrad Wolfmiller. „Wir waren sicher, dass es in der Ammerseeregion ein Publikum gibt“, sagt seine Frau. Anfang 2020 überzeugten sie ihren Freund Dominik Schmid, gemeinsam ein Restaurant-im-Restaurant-Konzept zu verwirklichen – im 80 Quadratmeter großen Nebenraum. Neben dem Staudenwirt wollten sie sich drei Tage pro Woche der Kür widmen: Gaumenfreuden im „Kaminzimmer“ – das war die Idee. Angeboten werden ausschließlich Menüs.

Man muss wissen: Schmid hat sich seit der Lehre zum kulinarischen Hochkaräter entwickelt. Der 33-Jährige arbeitete bei den Starköchen Gordon Ramsay, Joachim Wissler und Sergio Hermann (alle drei Michelin-Sterne). Zuletzt wirkte er als Souschef im Münchner „Werneckhof by Geisel“ (zwei Sterne). Mit ihm kamen als Restaurantleitung Kathrin Freudensprung sowie sein Bruder Stefan als Patissier nach Finning, beide Haute-Cuisine-erfahren.

Die Kaminzimmerbox: Enthalten sind alle Zutaten sowie eine ausführliche Koch-Anleitung.

Die Eröffnung sollte im Mai sein – dann kam der Lockdown. „Eigentlich gut, da wir genug Zeit für den Umbau hatten“, sagt Schmid. Und nach der Öffnung: weniger Tische, mit Maske bedienen, Gästeregistrierung und nur zwei Tage pro Woche – aber das „Kaminzimmer“ kam an. „Da viele Deutsche in diesem Jahr in Deutschland Urlaub machten, war hier viel los“, erzählt Veronika Wolfmiller. So geriet Finning in den Fokus der Gourmets.

Schon bald mussten Gäste eine Woche vorher reservieren. Lobende Erwähnung im „Falstaff“, „Neueröffnung des Monats“ im „Feinschmecker“, das „Chefs“-Magazin titelt „Ambitioniert am Ammersee“ und eine 7+ Pfannenbewertung im „Gusto“. Läuft in Finning.

Und nun der zweite Lockdown. Dennoch: „Die Stimmung ist gut“, sagt Konrad Wolfmiller. Das Restaurant funktioniert, das wissen sie – und mit ihrer „Kaminzimmerbox“ haben die drei nun eine außergewöhnliche Mitnahmeidee etabliert.

Das Konzept: Mit der Box kann jeder zu Hause ein Viergänge-Menü finalisieren – und nicht nur aufwärmen. Sondern wie Lafer, Wohlfahrt oder Haas den Kochlöffel schwingen. Alles ist frisch gekocht und vakuumiert und kostet für zwei Personen inklusive einer Flasche Wein 80 Euro. Natürlich mit Anleitung – denn ein bisschen was tun muss man schon. „Ist aber nicht schwer“, sagt Schmid. „Und wie wir von unseren Gäste wissen, zählt das Drumherum: gemeinsam ein Gläschen trinken, quatschen, lachen und sich auf jeden Gang freuen.“ Es sei, so Veronika Wolfmiller, „eine Mischung aus Essengehen und dem gemütlichen Kochen daheim“. Auf kulinarisch hohem Niveau eben.

Am Weihnachtsfest steckt wieder Leckeres in der Kaminzimmerbox: Wildterrine, Saibling, Lamm und Rumtopf mit Schokolade. Damit das Küchenteam alles frisch zubereiten kann, sollte man bis zum 20. Dezember unter info @staudenwirt.de vorbestellen. Und es gibt nun auch eine preislich günstigere „Staudenwirtbox“: mit Maronisuppe, Ente und Pannacotta. Denn, wie Schmid betont: „Wir kochen demokratisch für alle.“

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