Umfrage gestartet

„Die Handschrift stirbt aus“

München – Lehrer warnen vor einer Verdrängung der Handschrift an den Schulen. Sie befürchten den „Verlust eines Kulturgutes“ und haben eine Umfrage gestartet.

„Wir beobachten, dass die Schüler eine immer schwerer lesbare Handschrift haben“, sagte Josef Kraus, Direktor eines Gymnasiums in Niederbayern und Chef des Deutschen Lehrerverbands. Er hat die Umfrage unter der Überschrift „Stirbt die Handschrift aus?“ initiiert. Bis Februar können Lehrer aller Schularten unter www.4teachers.de Fragebögen ausfüllen. Bis Februar läuft die Aktion. Die Auswertung übernimmt das Schreibmotorik Institut im fränkischen Heroldsbach, das vom Stiftehersteller Stabilo finanziert wird. Ziel sei eine Bestandaufnahme über die Handschrift-Fähigkeiten in deutschen Schulen. Es gebe die Tendenz, dass Schüler vermehrt auf Smartphones, Laptops oder I-Pads schrieben, sagt Kraus. Die individuelle Handschrift werde dadurch bedroht. Laptop-Klassen seien deshalb abzulehnen. Schülern falle es heute schwer, ihre Handschrift bei drei- oder vierstündigen Tests beizubehalten. Allgemein würden die feinmotorischen Fähigkeiten unter Schülern vernachlässigt – dabei gehe es auch vermeintliche banale Fähigkeiten etwa beim Basteln, Ballfangen oder Mikado-Spielen. Kraus kritisierte auch, dass in bayerischen Grundschulen laut neuem Lehrplan die „Vereinfachte Ausgangsschrift“ beigebracht werden müsse. Das hatte Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) entschieden. Dabei handele es sich um eine standardisierte Grundschrift, die „verkrampft“ wirke.

Ähnliche Befürchtungen hat der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV), der dem Deutschen Lehrerverband von Josef Kraus, einem Konservativen, nicht nahesteht. Der BLLV engagiert sich seit vergangenem Jahr in einer „Allianz für die Handschrift“. Eine eigene Handschrift sei „ein Kulturgut, das in den Schulen gepflegt werden muss“, sagt BLLV-Vorstandsmitglied Simone Fleischmann. Nach Angaben von Fleischmann herrscht an den Grundschulen eine gewisse Konfusion, weil innerhalb der Vereinfachten Ausgangsschrift bei manchen Buchstaben zwei Varianten zugelassen sind.  

Dirk Walter

Rubriklistenbild: © dpa

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