Luxusmahlzeit: Agnes Weingarten beim Schälen von Kartoffeln. Fleisch kann sie sich einmal im Monat leisten – höchstens.

Spendenaktion

„Die Preise galoppieren“

Nahrungsmittel werden immer teurer. Ältere Menschen können sich dann oft nur einmal am Tag eine Mahlzeit leisten. Wäre nicht die Patenschaftsaktion unserer Zeitung, sie wüssten nicht weiter.

Es ist schon lange her, dass Agnes Weingarten, 81, sich eine Rosinen-Schnecke gekauft hat. Ein Luxus, den sie sich nicht mehr leisten kann. „Vor ein paar Monaten hat so eine Schnecke noch 75 Cent gekostet – jetzt muss man bis zu einen Euro pro Stück zahlen“, sagt sie leise. „Die Preise galoppieren. Das ist der Wahnsinn!“ Jetzt bebt ihre Stimme ein wenig. Die geliebte Rosinen-Schnecke, die ist einfach nicht drin. Agnes Weingartens Einkaufsbudget beträgt für die nächsten drei Tage zehn Euro. Zehn Euro für Kartoffeln, Suppengemüse, Brot, Nudeln, Wasser und Waschmittel. Wie soll das reichen?

Agnes Weingarten muss mit einer monatlichen Rente von 831,50 Euro auskommen. Damit liegt sie nur wenige Euro über dem staatlichen Grundsicherungssatz. Das heißt also: Sie muss alles selbst bezahlen. Miete, Strom und Heizung – fürs Essen bleiben ihr dann höchstens 80 Euro pro Monat. Am Ende der Woche muss sie sogar ihren Speiseplan auf eine Mahlzeit pro Tag senken. „Da ist dann Schmalhans Küchenmeister“, sagt sie – und lächelt tapfer.

Seit einem Jahr bekommt Agnes Weingarten jeden Monat 35 Euro aus der Patenschaftsaktion des Münchner Merkur (Kasten). „Für andere Leute mag das gerade mal für ein Abendessen reichen, ich komme damit eine ganze Woche hin.“

Nahrungsmittel gehören nach Angaben des statistischen Bundesamtes zu den größten Preistreibern in der Republik. Doch viele Senioren müssen heute auf jeden Cent schauen – die Entwicklung der Renten hält schon lange nicht mehr mit der Kostenexplosion bei Lebensmitteln Schritt. Laut dem Sozialverband VdK sank der Kaufkraftverlust bei Älteren zwischen 2004 und 2011 um satte 9,3 Prozent. Kein Wunder, dass der Gang zum Supermarkt für Menschen wie Agnes Weingarten mit Frust verbunden ist. „Die Kartoffeln“, sagt sie, „sind vor kurzem auch wieder teuer geworden.“ Ein Graus. „Für 50 Euro bekommst du heute im Vergleich zur Jahrtausendwende nur noch die Hälfte. Da bleibe dann nur noch der Griff „zur großen Tüte Nudeln und ein paar Dosen“. Mehr nicht. Wie es mit Fleisch aussieht? Agnes Weingarten überlegt kurz. Und antwortet dann: „Fleisch steht bei mir einmal im Monat auf dem Tisch – höchstens.“

Von Felix Barth

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