Ein Holzarbeiter schneidet einen Baumstamm.
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Holz als Exportschlager: Die USA decken sich derzeit vermehrt mit deutschem Holz ein. Das führt dazu, dass auf bayerischen Baustellen teilweise das Baumaterial auszugehen droht.

Der Export-Boom und seine Folgen

Die USA kaufen ein: In Bayern wird das Bauholz knapp

  • Dominik Göttler
    vonDominik Göttler
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Die Holzmarktkrise aus dem vergangenen Jahr scheint überwunden. Mittlerweile ist die Nachfrage so groß, dass in Bayern sogar das Bauholz knapp wird. Das liegt auch an einem gefräßigen kanadischen Käfer.

München – Gerade hat Tilmann Vorholz wieder zum Telefonhörer gegriffen. Der Architekt und Geschäftsführer der Geltinger Holzbaufirma Vorholz Hawran versucht derzeit händeringend an neues Bauholz zu kommen. „Es ist eine Katastrophe“, sagt er. Beim Brettschichtholz habe sich der Preis zum Vormonat bereits verdoppelt. Und als er nun noch mal bei seinen Lieferanten durchklingelte, hieß es: „Keine Rohware. Wir können nicht liefern.“ Bei den Holzspanplatten sieht es ähnlich aus. „Wir haben die Auftragsbücher voll bis Ende des Jahres“, sagt Vorholz, der von der mehrgeschossigen Wohnanlage über das Einfamilienhaus bis zur Industriehalle immer mit Holz baut. „Aber aktuell weiß ich nicht, was in vier Wochen ist. Wenn wir kein Holz bekommen, kann ich unsere Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken.“

Während der Holzpreis im vergangenen Jahr derart am Boden war, dass so mancher Waldbauer erwog, die Arbeit in seinem Forst wegen Unrentabilität einzustellen, ist der Markt nun geradezu explodiert. Das liegt nicht nur daran, dass in Deutschland das Bauen mit Holz immer attraktiver wird. Sondern auch am immensen Holzhunger der amerikanischen Baubranche. Dort wird ohnehin deutlich mehr als in Deutschland mit Holz gebaut. Und mit Kanada ist einer der Hauptzulieferer für die US-Amerikaner nahezu ausgefallen – weil dort der kleine, aber gefräßige Bergkiefernkäfer Baumbestände von gigantischem Ausmaß vernichtet hat. Nun hat die USA den europäischen Holzmarkt für sich entdeckt.

„Wenn Kanada hustet, haben die USA ein Problem“

„Im vergangenen Jahr sind die Holzexporte in die USA um zehn Prozent angestiegen – und das, obwohl die Bilanz der Gesamtexporte leicht rückläufig war“, sagt Hans-Peter Fickler, Sägewerkbetreiber aus dem Allgäu und bayerischer Vorstand des deutschen Sägewerksverbands. „Die Deutschen Säger haben ihre Produktion um 5,8 Prozent erhöht.“ Er sagt: „Wenn Kanada hustet, haben die USA ein Problem.“ Nun haben sich die Amerikaner auch mit deutschem Holz eingedeckt. „Gutes Holz ist mittlerweile Mangelware.“ Die Holzhändler bemühten sich, ihre Lager aufzufüllen. Deshalb appelliert Fickler an die Waldbauern, auch jetzt noch Holz einzuschlagen. „Es wird gebraucht und wir zahlen einen guten Preis.“

Tatsächlich liege der Preis für den Festmeter Rundholz derzeit wieder bei etwa 90 Euro, wie Johann Killer von der Waldbesitzervereinigung Wolfratshausen bestätigt. Zum Vergleich: In der Holzmarktkrise im vergangenen Jahr lag der Preis teilweise bei nur noch 25 Euro. „Das ist sehr erfreulich“, sagt Killer. „Aktuell ist es wieder attraktiv, Holz zu machen – auch wenn beim Preis schon noch Luft nach oben ist.“ Denn Killer sagt, dass von den hohen Verkaufspreisen der Händler und Säger lange nicht alles auch bei den Waldbauern ankomme. Mit Blick auf den Einschlag-Appell der Säger sagt Killer aber: „Es gehört auch zur Nachhaltigkeit, im Frühjahr nicht radikal einzuschlagen. Lieber geht man zeitig in den Herbst, dann ist die Vogelbrutzeit vorbei und die Bäume können sich gut erholen.“

Staatsforsten: Die Preiskrise ist vorerst überwunden

Auch bei den Bayerischen Staatsforsten, denen die niedrigen Holzpreise zuletzt kräftig die Bilanz verhagelt hatten, sieht man die Preiskrise vorerst überwunden. „Die Schnittholzpreise sind extrem angestiegen“, sagt Stefan Wimberger von den Staatsforsten. „Wir rechnen damit, dass auch die für die Waldbesitzer relevanten Rundholzholzpreise im Laufe des Jahres wieder das Niveau der Vorkrise erreichen.“ Die Lage in den Nasslagern entspanne sich wieder. Dort hatten die Staatsforsten große Mengen an Holz eingelagert, nicht nur aus dem Staatswald, auch von privaten Waldbesitzervereinigungen, um das Holz nicht zu Niedrigstpreisen verkaufen zu müssen. Ob das Holz aus dem Staatsforst am Ende auf der bayerischen oder der amerikanischen Baustelle lande, „darauf haben wir keinen direkten Einfluss“, sagt Wimberger. Die Staatsforsten legen nach seinen Angaben durch eine eigene Vermarktungsschiene über die 41 Forstbetriebe in ganz Bayern aber großen Wert darauf, dass auch kleinere regionale Sägewerke weiter bedient werden. „Davon profitieren die Handwerksbetriebe wie Schreiner und Zimmerer.“

Tilmann Vorholz hat jedenfalls nur wenig Verständnis dafür, dass aktuell so viel regionales Holz in die USA oder auch nach China exportiert wird. Es mache keinen Sinn, sagt er, dass wir unsere Wälder abholzen und das Holz dann mit hohem CO2-Ausstoß ans andere Ende der Welt bringen, statt hier klimaeffiziente Häuser damit zu bauen.

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