Vater geht mit Söhnen auf Raubzug

München - Eine Diebesbande wie ein Familienbetrieb: Jahrelang soll ein Vater mit seinen beiden Söhnen auf Einbruchstour gegangen sein. Seit gestern steht das Trio vor Gericht.

Der Mama liefen im Zuschauerraum die Tränen über das Gesicht. Über ein Jahr lang hatte die Italienerin ihren Mann (48) und die beiden Burschen (20 und 25 Jahre) nicht mehr zusammen gesehen. Am 10. April 2011 waren sie festgenommen worden. Schwerer Bandendiebstahl lautete der Vorwurf der Polizei.

Jahrelang sollen sie in ganz Deutschland in noble Villen eingestiegen und hochkarätigen Schmuck, Bargeld und andere stehlenswerte Gegenstände wie zum Beispiel 26 Flaschen Champagner mitgenommen haben. Von der Beute kauften sie sich ein Wohnmobil im Wert von 300 000 Euro. In dem begleitete sie angeblich die Mama – und kochte für ihre Buben, während diese schwerst gesicherte Fenster aufflexten oder Wandtresore mit der Spitzhacke aufschlugen. Zwischen 2010 und 2011 nahmen sie sich München und das Umland vor – so zumindest schreibt es die Anklage der Staatsanwaltschaft München I, die insgesamt 55 Fälle auflistet. Darunter sind Einbrüche in Pullach, Grünwald, Freising und Gräfelfing. Wertgegenstände und Bargeld im Wert von knapp fünf Millionen Euro sollen die Männer aus Florenz erbeutet haben. Allein aus einem Münchner Anwesen wurden Wertgegenstände in Höhe von 1,8 Millionen Euro entwendet. Das mit Panzerglas gesicherte Erdgeschossfenster hebelten die Täter angeblich mühelos auf.

Im Ermittlungsverfahren stritten die Florentiner die Vorwürfe ab, doch die Beweise waren erdrückend. Es gab übereinstimmende DNA-Spuren, stets gleiche Schuhabdrücke und Funkzellen-Abgleiche, die bewiesen, dass sich die Männer zur Tatzeit in Tatortnähe befunden hatten.

Zu Prozessauftakt machten die Italiener zunächst keine Angaben. Viele Stunden verhandelten ihre Verteidiger – mit Steffen und Florian Ufer ein weiteres Familienteam – hinter verschlossenen Türen. Schließlich machte das Landgericht den Männern im Fall von Geständnissen folgende Angebote: Siebeneinhalb Jahre Haft für den Vater, viereinhalb Jahre für den älteren und drei Jahre und drei Monate Haft für den jüngeren Sohn. Über ihre Verteidiger legten die Angeklagten dann noch ein Geständnis ab. Ein Urteil soll heute fallen.

Angela Walser

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