+
Auch gut geplant ist noch lange nicht gebaut: rot eingezeichnet sind Bahnprojekte der Zukunft.

Stau auf der Schiene

Diese Bahnprojekte liegen auf Eis - oder könnten realisiert werden

  • schließen

München - Zweiter S-Bahn-Tunnel, S4-Ausbau, Erdinger Ringschluss – viele Bahnprojekte liegen auf Eis oder kommen kaum voran. Ein Überblick über realistische Vorschläge und schöne Utopien.

Zweiter Stammstreckentunnel

Was bringt das? 

Die Kapazität für die S-Bahnen durch München erhöht sich von heute zwei auf vier Gleise. Die Bahn verspricht einen 15-Minuten-Takt für bestimmte Linien, zudem Express-S-Bahnen. Auch für Regionalzüge aus Augsburg soll der zweite Tunnel ertüchtigt werden. Während heute werktags 950 Züge durch den Tunnel fahren, könnten es künftig 1200 Züge sein, maximal sogar 2000. Bei Störfällen soll der zweite Tunnel auch als Entlastungsroute dienen.

Chancen? 

Noch relativ gut. Kein Projekt ist wegen unterschiedlicher Finanzierungstöpfe so schwierig zu finanzieren. Der Bund über das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz, der Freistaat, die Bahn, die Stadt München, ja selbst der Flughafen hängt indirekt mit drin. Der zweite Tunnel zwischen Laim und Ostbahnhof soll Ende 2025 betriebsbereit sein – so der Ist-Stand des schon oft verschobenen Projekts. Vermutlich wird es aber später. Auch die Kosten schießen davon. 2,5 Milliarden Euro sind es offiziell – ohne Risikopuffer. Wahrscheinlicher sind drei Milliarden plus x. Geld über den Bundesverkehrswegeplan gibt es nicht, weil das Projekt aus Bundessicht nur lokale Bedeutung hat.

Soeben hat das bayerische Kabinett den Bund und das Eisenbahnbundesamt aufgefordert, endlich die Baugenehmigung für den östlichen Abschnitt von der Isar bis zum Leuchtenbergring zu erlassen. Wenn das bis April nicht geschieht, warnte Verkehrsminister Joachim Herrmann (CSU) erst diese Woche im Kabinett, kommt der Zeitplan ins Rutschen.

S4-Ausbau

Was bringt das? 

Zwischen Pasing und Eichenau soll ein drittes Gleis gebaut werden. Dann könnten mehr S4-Verstärkerzüge eingesetzt werden (10-Minuten-Takt). Auch die Fernzüge Richtung Zürich und die Regionalzüge ins Allgäu könnten störungsfreier rollen, wenn ihnen keine S-Bahn vorweg fährt.

Chancen? 

Keine. Das Projekt macht nach Ansicht der Bahn erst Sinn, wenn der zweite Tunnel gebaut ist. Es besteht offenbar nicht einmal eine Entwurfsplanung, wobei sich Bahn und Verkehrsministerium zuletzt widersprachen – „Aussagewirrwarr“, stichelt der Sprecher der Initiative „S4-Ausbau jetzt“, Mirko Pötzsch.

S7-Verlängerung Wolfratshausen- Geretsried

Was bringt das? 

Geretsried ist die größte Stadt im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen – eigentlich ein Witz, dass sie nur mit dem Auto zu erreichen ist. Der Bahnanschluss ist überfällig.

Chancen? 

Gut. Knackpunkt war lange, dass die Verlängerung über die viel befahrene Sauerlacher Straße in Wolfratshausen führen sollte – mit vielen Schließzeiten der Schranke. Jetzt soll eine Bahn-Unterführung gebaut werden, auch der Wolfratshauser Bahnhof muss dafür tiefer gelegt werden. Ein Kraftakt mit vielen Beteiligten sicherte 123 Millionen Euro für den 9,2 Millionen eingleisigen Strecken-Neubau mit drei Bahnhöfen. Der Landkreis und die Städte beteiligen sich, aber auch Bund, Land und Bahn. Verkehrsminister Herrmann hat mit den Bürgermeistern und dem Landrat nach zähen Verhandlungen eine Kostenvereinbarung unterzeichnet.

Erdinger Ringschluss mit Neufahrner Kurve und Walpertskirchner Spange

Was bringt das?

Eine 30,2 Kilometer lange Strecke würde Erding über den Flughafen mit Freising verbinden. Zentrales Ziel ist es aber, den Flughafen über die Neufahrner Kurve aus Landshut/Regensburg sowie über die Walpertskirchner Spange aus Salzburg/Mühldorf anfahren zu können.

Chancen?

Teils, teils. Die Neufahrner Kurve ist im Bau und soll Ende 2018 fertig sein. Dann können aus Landshut/Regensburg Züge zum Flughafen fahren. Schwieriger ist die Fortführung Richtung Erding. Der Verlauf der Bahntrasse in der Kreisstadt ist umstritten. Dass das Projekt wie einst versprochen bis 2019 kommt, ist ausgeschlossen. Pure Vision ist die Walpertskirchner Spange – sie macht erst Sinn, wenn die Mühldorfer Strecke zumindest teilweise zweigleisig und elektrifiziert ist.

Zweigleisiger Ausbau München-Mühldorf

Was bringt das? 

Mehr Lärm für Anwohner, aber viel für Pendler und die Wirtschaft – speziell im Chemiedreieck um Burghausen. Die großteils eingleisige und nicht elektrifizierte Zugstrecke ist überlastet – 1,5 Prozent des deutschlandweiten Güterverkehrs wird darauf abgewickelt. Überholstellen sind so kurz, dass nicht einmal so genannte Gütervollzüge (40 Waggons, 740 Meter lang) aneinander vorbei können, sagt Michael-Ernst Schmidt, DB-Sprecher für Großprojekte. Parallel zum Ausbau der A 94, der im vollen Gange ist, muss auch der zweigleisige Ausbau der Mühldorfer Strecke kommen – sonst zieht die Straße Kunden von der Bahn ab. Den Pendlern wird zum Beispiel eine Express-S-Bahn bis Dorfen versprochen.

Chancen? 

Mittelprächtig. Der Ausbau kostet über eine Milliarde. Viel hängt davon ab, wie die Strecke im neuen Bundesverkehrswegeplan eingestuft wird. Insider rechnen mit einem „etappierten Ausbau“ – unterteilt in zwei oder drei Abschnitte also. Das Projekt befindet sich in einem Zwischenstadium zwischen Vor- und Genehmigungsplanung – derzeit laufen zum Beispiel Bodenuntersuchungen im Landkreis Erding. Auch setzt die Bahn auf frühzeitigen Dialog mit Anwohnern an der Strecke, die mehr Schienenlärm fürchten. Geld für den eigentlichen Bau ist noch nicht vorhanden. Östlich von Mühldorf sieht es etwas besser aus: Derzeit wird ein zweites Gleis zwischen Altmühldorf und Tüßling gebaut – die zwölf Kilometer kosten allein 140 Millionen Euro (ohne Elektrifizierung).

Brenner-Zulauf Rosenheim- Kiefersfelden

Was bringt das? 

Für die Verkehrspolitik Gewinn, für die Region Belastungen. Zwei neue Gleise sollen zwischen Rosenheim und Kiefersfelden zusätzlichen Güterverkehr aufnehmen. Statt heute 180 bis 200 Züge täglich könnten dann 300 Züge fahren. Die Zulaufstrecke soll zum Brennerbasis-Tunnel führen – der 56 Kilometer langen Super-Röhre, die auf Wunsch des Tunnel-Chefs Konrad Bergmeister am 27. September 2025 in Betrieb gehen soll – exakt 200 Jahre nach Eröffnung der ersten öffentlichen Eisenbahnlinie in England. So viel Symbolik ist den Bürgern entlang der Zulaufstrecke indes egal – sie fürchten mehr Lärm. Rosenheim wiederum bangt, vom Bahnverkehr abgehängt zu werden, weil die Strecke kurz vor der Stadt am Inn Richtung Westen vorbeiführen könnte.

Chancen? 

Allenfalls in zehn Jahren plus x. Nach langem Zögern beginnen aber konkrete Planungen. Die Bahn hat schon 20 Dialoggespräche mit Anrainern geführt. „Wir gehen davon aus, dass wir 2018/19 eine Trassenempfehlung geben können“, sagt Großprojekte-Sprecher Schmidt. Ob danach gebaut werden kann, hängt von der Einstufung der Trasse in den Bundesverkehrswegeplan ab. Schon jetzt ist das Projekt für den „vordringlichen Bedarf“ markiert – da in dem Plan aber wohl eine neue Kategorie („vordringlicher Bedarf plus“) auftauchen wird, könnte das Projekt herabgestuft werden. Die meisten Beteiligten schrecken vor den Kosten zurück – 2,6 Milliarden Euro wurden einst genannt.

Elektrifizierung der Allgäu-Strecke

Was bringt das? 

Ist die Strecke Geltendorf-Lindau erst elektrifiziert und auf 160 km/h (statt 120 km/h) ausgebaut, soll der EC München-Zürich unter 3:30 Stunden benötigen – heute sind es 4:20 Uhr. Selbst der Bahn verweist auf die schnelleren (und günstigeren) IC-Busse. Auch der Regionalverkehr wird schneller – allerdings wird vom Ausbau nicht mehr nur die DB profitieren, sondern auch die private Bayerische Regiobahn, die zum BOB-Konzern gehört und die Strecke München-Buchloe-Füssen übernimmt.

Chancen? 

Sehr gut. Dank eines zinslosen Kredits aus der Schweiz kommt das 300-Millionen-Projekt endlich voran. Ende 2020 sollen die Strommasten stehen. Ende gut, alles gut? Abwarten. Noch 2010 hatte die DB versprochen, dass es 2016 soweit ist. 

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Lawinen-Ticker: Bis 30 Zentimeter Neuschnee - hier droht Lawinengefahr
Lawinen sind der absolute Alptraum für Wintersportler. In unserem Ticker verraten wir Ihnen, wie sich die Lage an den bayerischen Ausflugszielen aktuell darstellt.
Lawinen-Ticker: Bis 30 Zentimeter Neuschnee - hier droht Lawinengefahr
Wer kennt diesen Mann? Polizei veröffentlicht Foto nach Raub
Ein bewaffneter Mann hat am Donnerstagabend eine Tankstelle in Eggenfelden überfallen. Jetzt hat die Polizei ein Foto veröffentlicht.
Wer kennt diesen Mann? Polizei veröffentlicht Foto nach Raub
Rätsel nach Fund von Frauenleiche gelöst
Wer ist die Frau? Und woran starb sie? Diese Fragen waren nach dem Fund einer Leiche im Landkreis Kelheim offen. Inzwischen hat die Polizei sie wohl geklärt.
Rätsel nach Fund von Frauenleiche gelöst
Straße nach Lkw-Unfall stundenlang gesperrt
Ein Lkw-Fahrer ist bei einem Unfall auf der Bundesstraße 14 in der Nähe von Gebenbach (Landkreis Amberg-Sulzbach) schwer verletzt worden.
Straße nach Lkw-Unfall stundenlang gesperrt

Kommentare