Projekte müssen sich hinten anstellen

Bauen verboten! Das sind die mächtigsten Blockade-Tiere in der Region

München - Menschen planen, protestieren, bilden oftmals Bürgerinitiativen - Tiere müssen manchmal einfach nur da sein, um Bauvorhaben einen Riegel vorzuschieben. 

Es passiert immer wieder, dass Tiere auf Baustellen oder bei geplanten Bauvorhaben zum Problem werden. Der Lebensraum von geschützten Tierarten darf aufgrund gesetzlicher Bestimmungen im Artenschutz nicht zerstört werden. Auch in unserer Region gibt es immer wieder Bauvorhaben, bei denen die Bauherren auf geschützte Arten reagieren müssen. Wir haben bei der Regierung von Oberbayern nachgefragt, welche Tiere überhaupt so großen Einfluss haben und welche Bauprojekte betroffen sind. 

Peter Fürnrohr, Sprecher der Regierung von Oberbayern, erklärte gegenüber unserer Redaktion, dass grundsätzlich alle Tierarten Bauvorhaben beeinflussen, die im Anhang 4 der „Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie“ und der Vogelschutzrichtlinie enthalten sind. Kommen diese Arten in einem Gebiet, das bebaut werden soll vor, wird ein spezielles Gutachten, die sogenannte spezielle artenschutzrechtliche Prüfung (saP) erstellt. Genauere Informationen zu diesen saP-relevanten Arten veröffentlicht das Landesamt für Umweltschutz. Außerdem sind in der Regel Maßnahmen durchzuführen, die Beeinträchtigungen vermeiden oder zumindest minimieren und die ökologische Funktion sichern. Ziel dieser Maßnahmen sei es, artenschutzrechtliche Verbotstatbestände zu vermeiden.

In manchen Fällen könne man durch eine Umplanung Artenschutz und Bauvorhaben in Einklang bringen. „In besonders begründeten Ausnahmefällen können die zuständigen Behörden artenschutzrechtliche Ausnahmen erteilen. Eine Ausnahme-Genehmigung kann aber insbesondere dann nicht erteilt werden, wenn zumutbare Alternativen vorhanden sind“, so Führohr. „Am häufigsten sind Zauneidechsen, Fledermäuse sowie bodenbrütende Vogelarten betroffen.“

Wie der Sprecher weiter mitteilte, seien der Regierung von Oberbayern derzeit keine konkret beantragten Projekte bekannt, die ausschließlich wegen einer geschützten Tierart abgelehnt werden müssten. Dennoch beeinflussten einige Tiere bereits Bauvorhaben in unserer Region:

Kröten in Fürstenfeldbruck

Bereits Anfang 2015 verhinderten unter anderem Erdkröten sowie Bergmolche, Laub- Spring- und Grünfrösche den Bau eines Radweges zwischen Mauern und Schöngeising. 

Uhu in Grünwald

Die Gemeinde Grünwald möchte eine Hängebrücke über die Isar bauen. Der Bund Naturschutz gab jedoch zu bedenken, dass ein Uhu die Talquerung der Isar im Planungsgebiet als Jagd- und Aufzuchtgebiet nutzt, weshalb in der Zeit zwischen Februar bis Mitte August dort keine Bauarbeiten stattfinden dürften.

Ein Uhu beeinflusste den Bau der Hängebrücke in Grünwald 

Schwarzstorch und Kröten im Landkreis Erding

Der vom Aussterben bedrohte Schwarzstorch an der A 94 hat es zwar nicht geschafft, den Bau der Autobahn zu verhindern, dennoch wurde wegen ihm eine Lösung im Bereich der bestehenden B 12 abgelehnt. „Der Schwarzstorch hat in den Prozessen vor dem Verwaltungsgerichtshof eine wesentliche Rolle gespielt“, erklärte Umweltschützer Heiner Müller-Ermann.

Schwarzstörche

Fledermäuse im Landkreis Weilheim-Schongau und Traunstein

Der Gemeinde Rottenbuch im Landkreis Weilheim-Schongau knöpfte das „Große Mausohr“ satte 100.000 Euro ab. An der Echelsbacher Brücke standen Sarnierungsarbeiten an. Da dort aber die geschützten Fledermäuse heimisch geworden waren, sollten sie umquartiert werden. Ein Vorhaben, das 100.000 Euro gekostet hat. Und dann das: Die Säugetiere flogen in hohem Bogen um ihr neues Quartier herum. Die Brücke kann nun aber trotzdem saniert werden.

Auch in Böbing verhinderten Fledermäuse eine nicht unumstrittene Baumaßnahme: Manfred Vollmer, Chef der Augustiner-Festhalle, soll seine schwarz gebaute Hütte am Granerweiher abreißen. Ob es so weit kommt, ist aber ungewiss. Denn in der Fischerhütte am Granerweiher haben sich zwei Fledermausarten, die Zwergfledermaus und das Große Mausohr, eingenistet.

Im Landkreis Traunstein schafften es Fledermäuse ebenfalls bis an den Verwaltungsgerichtshof München: Die Diskussion konzentrierte sich auf die artenschutzrechtliche Frage, ob bei der Planung des Aubergtunnels in der Gemeinde Altenmarkt in ausreichendem Maße Schutzmaßnahmen für Fledermäuse getroffen worden seien. 

Großes Mausohr

Zauneidechse im Landkreis Rosenheim

In der Gemeinde Feldkirchen-Westerham im Landkreis Rosenheim legte die streng geschützte Zauneidechse das Mammut-Projekt „Hochwasserrückhaltebecken Feldolling“ erst einmal auf Eis. 40 streng geschützte Zauneidechsen leben dort, weswegen das Wasserwirtschaftsamt Rosenheim nun neu planen muss.

Zaun-Eidechse

Kennen Sie weitere Bauprojekte, die durch geschützte Tierarten beeinflusst wurden? Lassen Sie es uns wissen und schreiben Sie es in die Kommentare.

jb

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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